Aufstehen für christliche Werte

Ein ökumenisches Fest in Wien: Tausende beim Marsch für Jesus. Von Gudrun Trausmuth

"Marsch für Jesus" in Wien
Klares Bekenntnis und gute Laune: Beim „Marsch für Jesus“ zeigt sich die Ökumene von ihrer besten Seite. Foto: B. Dopplinger

Wien (DT) Er müsse heute Abend arbeiten und könne deshalb nicht dabei sein, grüße aber alle herzlich!, ließ der bekennende Christ David Alaba via SMS den Teilnehmern am „Marsch für Jesus“ von der Fußballeuropameisterschaft in Paris ausrichten. Österreichs Fußballstar Alaba, Mitglied der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, ist ein überzeugter Unterstützer des „Marsches für Jesus“: Diese gehende, singende, fröhliche Präsenz der Christen im Zentrum Wiens sei ein „öffentliches Bekenntnis, dass wir Jesus lieben und ihm gehören“, erklärte der Sportler. „Wir wollen Wien sagen: Jesus liebt uns!“ Tatsächlich war der Name Jesu wohl selten so präsent auf der Wiener Ringstraße wie am Samstag. Ein farbenfroher Zug von 15 000–18 000 Teilnehmern bewegte sich durch das frühsommerliche Wien. Christen aller Konfessionen trafen sich zum öffentlichen Zeugnis für Jesus Christus, tausendfach wurde er auf Bannern und Transparenten als „Retter“, „Erlöser“, „Sohn Gottes“, „Befreier“ proklamiert, buchstäblich mit Pauken und Trompeten hinausgeschmettert, tausendfach gesungen und hineingerufen in die Straßen der Stadt. Die weltweite ökumenische Marke, die der „Marsch für Jesus“ mittlerweile geworden ist, hatte 1987 in London ihren Anfang genommen; seitdem gehen in vielen europäischen Hauptstädten Christen alle zwei Jahre gemeinsam auf die Straße. Der Wiener „Marsch für Jesus“ begann am Heldenplatz und zog am Burgtheater vor auf die Ringstraße, folgte dann dem Franz-Josef-Kai, um über den Burgring schließlich wieder am Heldenplatz zu landen.

Deutlich präsentierte sich der „Marsch für Jesus“ nicht nur als interkonfessioneller Event, sondern auch als internationaler Austausch. Schafften die vielen „I love Jesus“-T-Shirts und die netten handlichen Banner, die verteilt wurden, auch eine optische Homogenität, so wurde zugleich die Vielfalt christlichen Lebens in Österreich deutlich. Dennoch war die Identität der Veranstaltung nach außen hin offenbar nicht unbedingt zu durchschauen; so fragte etwa eine Münchner Touristengruppe, was das denn für eine Demo sei. Vielleicht wäre dem beim nächsten Mal abzuhelfen, indem in der kilometerlangen Menschenschlange in regelmäßigen Abständen ein Riesentransparent mit „Marsch für Jesus“ eingestreut würde? Gerade wenn am selben Tag auch die „Regenbogenparade“, eine Initiative von Schwulen und Lesben, stattfindet, ist Klarheit gefragt.

Die konfessionelle Vielfalt, die sich auf dem gut fünf Kilometer langen Marsch bereits zeigte, beeindruckte noch mehr beim sich anschließenden „Fest für Jesus“ am Wiener Heldenplatz. Diesmal gab es dort neben einer Gastromeile auch eine große Zahl von Ausstellern: Radio Maria Österreich übertrug live, das katholische Jugendmagazin You! lud zum großen key2life Sommerfestival, Teenstar stellte sein Aufklärungsprogramm vor. Das mehrstündige Bühnenprogramm wurde simultan auf Englisch und in die Gebärdensprache übersetzt. Mitreißende Worshipbands, ein Kindermusical der „Kisi-Kids“, immer wieder besonderes Gedenken an die verfolgten Christen, sowie auch eine Kollekte, die diesbezüglichen Projekten zugutekommen soll.

Die ÖVP-Politikerin Gudrun Kugler erinnerte daran, dass sich auf dem Heldenplatz die Geschichte Österreichs verdichte: Vor 70 Jahren hätten die Menschen hier einem falschen Führer zugejubelt, nun aber würden die Menschen hier ihre Hoffnung auf Jesus Christus, den echten Erlöser, bekennen. Österreich brauche den Input der Christen, so Kugler weiter, links und rechts hätten versagt; die Linken hätten nicht alle gleich gemacht, die Rechten hätten nicht alle reich gemacht, nun zeige sich der Weg der Christen als neuer Weg. „Christen, lasst eure Stimme hören!“, ermutigte Gudrun Kugler die Anwesenden und gab das Mikrofon an Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz, ebenfalls ÖVP, weiter. Kurz sprach davon, dass aktuell an die 100 Millionen Christen Verfolgung erlitten und fordert auf, dagegen anzukämpfen. „In der Hoffnung leben und zusammenarbeiten!“, rief er den Festteilnehmern zu. Auch der Wiener Kardinal Erzbischof Christoph Schönborn betonte mehrmals und nachdrücklich die Notwendigkeit der Solidarität mit den verfolgten Glaubensbrüdern: „Sie fühlen sich oft vergessen.“ Zur Frage nach der größten Einheit unter den verschiedenen christliche Konfessionen gebrauchte Schönborn das Bild eines Rades mit Speichen: „Je näher wir dem Zentrum kommen, desto näher sind wir einander.“ Weiterhin unterstrich der Wiener Erzbischof, dass die Demokratie von Grundhaltungen lebe, die sie sich nicht selber gegeben habe.

Der „Marsch für Jesus“ 2016 als beeindruckendes Zeichen des Glaubensmutes und der Mission, ein frohes öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben, der in unseren Breiten viel zu sehr versteckt und so oft durch vorgebliche Diskretion verraten wird. Hauptorganisator Gerhard Kissinger erklärte auf einer Pressekonferenz: „Wir müssen unseren Asylanten zeigen, dass wir für die christlichen Werte aufstehen und uns nicht schämen, sie zu bekennen. Neu Identität entwickeln und Identität zeigen, hängt prioritär mit der Frage des weiteren Schicksals des Christlichen zusammen; so ist der „Marsch für Jesus“ ein großer Schritt in die richtige Richtung.