Auf der Linie des Konzils

Reaktionen auf das Exkommunikationsdekret

Vatikanstadt/Frankfurt (DT/KNA) Die Rücknahme der Exkommunikation für vier Traditionalisten-Bischöfe befindet sich nach Ansicht der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ im Rahmen der vom Zweiten Vatikanischen Konzil propagierten „Haltung der Barmherzigkeit“.

Mit Bedacht habe Benedikt XVI. diese Geste in zeitliche Nähe zum 50. Jahrestag der Ankündigung des Zweiten Vatikanums gestellt, erläutert „Osservatore“-Chefredakteur Giovanni Maria Vian in einem Kommentar in der Sonntagsausgabe. Der Papst wolle zur raschen Heilung eines schmerzhaften Bruches beitragen. Diese Absicht werde auch nicht durch inakzeptable Äußerungen von Mitgliedern dieser Gemeinschaft zum Holocaust oder gegen das jüdische Volk verdunkelt, schreibt Vian. Einer der vier rehabilitierten Bischöfe, der Brite Richard Williamson, steht derzeit wegen der Leugnung des Holocaust in der Kritik. In Deutschland läuft ein Ermittlungsverfahren.

„Die guten Früchte des Konzils sind zahlreich, und zu ihnen gehört jetzt auch die Geste der Barmherzigkeit gegenüber den 1988 exkommunizierten Bischöfen“, erläutert Vian. „Eine Geste, die Johannes XXIII. und seinen Nachfolgern gefallen hätte.“ Er unterstrich, dass das Konzil ein halbes Jahrhundert nach seiner Ankündigung „in der Kirche lebendig“ sei. Mit der einseitigen Geste des Papstes sei die Aussöhnung mit den Traditionalisten noch nicht erreicht, unterstreicht Vian in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Il Giornale“. Aber Benedikt XVI. habe sie in Erwartung und mit Blick auf das Zustandekommen der vollen Einheit getan. Zugleich belege die Bitte der Betroffenen um die Rücknahme der Exkommunikation deren Wunsch nach Einheit.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) verteidigte die Aufhebung der Exkommunikation. „Ich glaube, der Papst versucht, mehr Einheit in der Kirche herzustellen“, sagte ZdK-Vizepräsident Heinz-Wilhelm Brockmann in einem Interview der „Frankfurter Rundschau“ (Montag). Zugleich unterstrich Brockmann, die Aufhebung der Exkommunikation mache nur dann Sinn, wenn damit ein neuer Dialogs beginne. Entscheidend sei, „ob dieser Schritt der Anfang eines Prozesses ist, an dessen Ende die konservative Bruderschaft das Zweite Vatikanische Konzil anerkennt, und zwar ohne Abstriche und Deutungen“.

Der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff sieht angesichts der Aufhebung der Exkommunikation neue theologische Probleme. Dieser päpstliche Akt rufe eine objektiv widersprüchliche Situation hervor, da er einen Eckpfeiler der Konzeption kirchlicher Einheit und der Theologie des Bischofsamtes missachte, sagte Schockenhoff am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur in Freiburg. Der Moraltheologe weiter: „Es ist nun möglich, Bischof der katholischen Kirche zu sein, ohne in der vollen Gemeinschaft ihres Glaubens zu stehen.“ Unter Johannes Paul II. hätten die Verhandlungen mit den Traditionalisten unter dem Grundsatz gestanden, dass eine Wiedereingliederung die Anerkennung strittiger Glaubensaussagen durch diese zwingend voraussetze, da diese zu den Grundlagen kirchlicher Einheit zählten, die auch für den Papst unverfügbar seien, sagte Schockenhoff. „Wenn dieser nun durch sein Entgegenkommen den Eindruck erweckt, zentrale Glaubensaussagen der Kirche stünden zu seiner strategischen Disposition, schadet das der Glaubwürdigkeit seines Amtes“, so der Theologe.