Auf dem schwierigen Weg zur Einheit

Ökumene-Rat feierte in Rom sein 50-jähriges Bestehen

Vatikanstadt (DT/KAP) Mit Vorträgen hochrangiger ökumenischer Gäste hat der päpstliche Einheitsrat am Mittwochabend sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Über künftige Herausforderungen der Ökumene sprachen in Rom der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, der orthodoxe Metropolit von Pergamon, Ioannis Zizioulas, sowie der frühere und der aktuelle Leiter der Kurienbehörde, Kardinal Walter Kasper und der Schweizer Erzbischof Kurt Koch. Die Feier war integriert in die Vollversammlung des Rates, die vom 15. bis zum 19. November stattfindet. In einem Glückwunschschreiben betonte Papst Benedikt XVI., dass sich während des 50-jährigen Dienstes für die Ökumene unter den Partnern eine gegenseitige Freundschaft und Achtung entwickelt habe. Es gebe eine tiefe Gemeinschaft, auch wenn diese nicht immer sichtbar sei, hieß es in der von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone vorgetragenen Botschaft. Der anglikanische Primas Williams erläuterte verschiedene Modelle der Einheit und wies zugleich auf manche Schwierigkeiten mit der katholischen Kirche und mit Freikirchen hin. Einige fänden es schwierig, die Weihen anderer Kirchen zu akzeptieren, so Williams. Verschiedener Meinung sei man mit der katholischen Kirche in der Frage des päpstlichen Lehramts. Geklärt werden müsse, warum manche Prinzipien so grundlegend seien, dass sie ein Hinderns zur Einheit darstellten. Williams betonte, dass die Einheit in Gebet, im Miteinander und in Einheit mit der apostolischen Lehre erfolgen müsse. Grundlegend sei eine gegenseitige Anerkennung der Taufe, aber auch gemeinsame Arbeit am Verständnis der Eucharistie. Eine klare Bestimmung sei nötig, da es viele christliche Gemeinschaften gebe, bei denen die Eucharistie keine zentrale oder gar keine Rolle spiele. Metropolit Zizioulas lobte die Fortschritte in der Ökumene zwischen katholischer und orthodoxer Kirche. Die jahrhundertelange Befürchtung orthodoxer Kirchen, in die Strukturen der römisch-katholischen Kirche eingebunden zu werden, habe sich als unbegründet erwiesen, so Zizioulas. Er betonte, dass die Einheit, die der päpstliche Rat anstreben sollte, keine Einheit von verschiedenen individuellen Christen sein solle, sondern von Kirchen.

Kasper unterstrich in seiner Rede, dass ökumenische Bemühungen seit den Kirchenvätern zur Tradition der Kirche gehörten. Auch Gebetswochen für die Einheit der Christen gebe es seit über 100 Jahren. Ökumene sei „eine Inspiration des heiligen Geistes“ und kein Modernismus, so Kasper. Ein anfänglicher Enthusiasmus in der Ökumene sei inzwischen verflogen. Viele Kirchen kümmerten sich wieder mehr um ihre eigenen Probleme, auch habe sich die „ökumenische Landkarte“ mit dem Erstarken vieler Frei- und Pfingstkirchen verändert. Dennoch sei Ökumene eine Chance für die Kirche, um den „Skandal“ der Trennung zu überwinden.

Johannes XXIII. (1958–1963) gründete am 5. Juni 1960 das Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen als Vorläufer des heutigen päpstlichen Rates. Es sollte der Vorbereitung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) dienen. Zum päpstlichen Rat wurde es im Zuge der Kurienreform von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1988. Von 2001 bis Juli 2010 stand Kasper dieser Kurienbehörde vor, jetziger Präsident ist Erzbischof Koch.