Auf Schatzsuche unterwegs

Katechese, die durch das Ohr geht: Impressionen vom Internationalen Jugendforum Altötting. Von Cornelia Huber

Es darf gesungen und getanzt werden: Beim Forum Altötting sind die Musiker Schwergewichte der Neuevangelisierung. Foto: Gemeinschaft Emmanuel
Es darf gesungen und getanzt werden: Beim Forum Altötting sind die Musiker Schwergewichte der Neuevangelisierung. Foto: Gemeinschaft Emmanuel

God's primary expression towards us is a smile“ (deutsch: Gottes üblicher Gesichtsausdruck uns gegenüber ist ein Lächeln), rief Brian Heasley den Teilnehmern des Internationalen Jugendforums zu, das seit dem 1. August in Altötting stattfindet. Heasley brachte damit die Zuhörer aus mehr als zehn Nationen zum Schmunzeln, denn Englisch können sie alle. Auch für die Gruppe junger Ungarn, die auf dem Weltjugendtag vom Jugendforum gehört hatten, und nun eine achtstündige Anreise auf sich nahmen, ist Englisch die Sprache der Wahl, um sich mit den anderen zu verständigen.

Gott ruft dich, denn Gott hat einen Plan für dich, so lautet die Hauptaussage des Vortrags von Brian Heasley aus Großbritannien. Der Gründer und internationale Direktor der Gebetsinitiative 24/7, bei der es um ununterbrochenes Gebet geht, rief die Jugendlichen dazu auf, ihre Talente zu entdecken. „Worin bist du gut? Was machst du gerne? Vielleicht ist das Gottes Plan für dein Leben“, meinte Heasley, und griff auf seine eigenen Erfahrungen zurück. Schon in der Jugend habe er am liebsten geredet und geredet, so dass sein Vater zu ihm sagte, er solle mal still sein. „Und heute verbringe ich meine Zeit mit Talks – und merke Gottes Freude daran!“

Aber wenn uns Gott um Dinge bitte, die uns nicht auf den ersten Blick begeistern, könne es auch einfach um Gehorsam gehen. Daher hat Heasley auf Ibiza, der Party-Insel, als Streetworker gearbeitet und beispielsweise Betrunkene aufgesammelt und gesäubert, obwohl er sich vorher nicht vorstellen konnte, dass ihm diese Tätigkeit tatsächlich liegt. „Gott wusste, dass es mir gefällt, wenn ich es dann tue“, stellte Heasley fest.

Passend zum Ländergemisch der Teilnehmer wurde der Vortrag der Theologin Paula Ketteler, München, zwar auf Deutsch gehalten, aber simultan auf Englisch übersetzt. Ketteler sprach über Gottes staunenswerte Taten, die wir aus der Bibel als einer langen Lovestory zwischen Gott und den Menschen erfahren. Sie ging der Frage nach, woher denn die Sehnsucht des Menschen nach Gott komme, die ganz tief in uns angelegt ist.

Einfach daher, weil Gott bei seiner Schöpfung sein Bild in unserer Seele hinterlassen habe, so Ketteler. Sie stellte fest, dass wir sozusagen als Gottsucher erschaffen seien, auch wenn viele Menschen keine Beziehung zu Gott hätten. Aber damit das nicht so bleibe und vor allem um den Bruch zwischen Gott und dem Menschen endgültig zu heilen, sei Gott „runter von seinem Sofa und vom Himmel herunter auf die Erde gekommen.“ Zum Schluss schlug Ketteler den Jugendlichen vor, in diesen Tagen ganz bewusst auf Gott und auf das, was er in ihrem Leben schon getan habe, zu schauen.

Der Eröffnungsgottesdienst fand bei sommerlichen Temperaturen auf dem Kapellplatz gemeinsam mit dem Teenieforum, Kinderforum und Forum-Workshop statt. Auch hier war das internationale Flair des Altöttinger Glaubensfestivals zu erleben. Zu den zweisprachigen organisatorischen Ansagen und dem tschechisch gesungenen Psalm gesellte sich die Predigt von Pfarrer Martin Sinnhuber, Wien. Denn er sprach in der fortlaufenden Predigt einzelne Passagen auf Deutsch, andere hingegen auf Englisch. Sinnhuber lud ausgehend vom Evangelium, dem Schatz im Acker, anhand verschiedener Fragen alle Teilnehmer zur Schatzsuche ein. Ist die Freundschaft mit Gott so, dass ich sagen würde, ich habe einen Schatz gefunden? Wie zeigt sich im konkreten Leben, dass ich mit Gott leben möchte? Dabei verwies er darauf, dass der Mann im Evangelium ja in seiner Freude über den Schatz alles verkauft habe. Der Glaube sei keine Spaßbremse, sondern es gehe um die Freude, von Gott unendlich geliebt zu sein. Dann wachse auch die Bereitschaft, sich zu geben.

Bei den Jugendlichen kommt das Jugendforum mit seinen verschiedenen Facetten an. Für Johannes (23) stellen die Vorträge mit den konkreten Themen ein Highlight dar. Chiara (17) und Katharina (17) freuen sich über die tolle Atmosphäre mit den vielen Begegnungen und die geistlichen Angebote, die sie so zu Hause nicht erleben. Lorenz (28), der im Musikdienst Klavier spielt, sagt dazu: „Es ist toll, wenn die Band mit allen Instrumenten zusammen, besonders auch mit den Streichern, so richtig rockt, zur Ehre des Herrn!“

Samira (19) erzählt von den Talent Corners. „Da können wir Dinge ausprobieren, die wir sonst wahrscheinlich nie gemacht hätten, und neue Talente entdecken – sei es beim Malen von Henna-Tattoos oder beim Singen von Psalmen.“ Besonders im Gedächtnis bleiben wird ihr der Abend mit persönlichen Zeugnissen. „Es ist einfach beeindruckend zu hören, wie Gott auch heute im Leben von Menschen wirkt und wie die biblische Frage ,Wohin sonst soll ich gehen?‘ plötzlich real und greifbar in unsere Zeit kommt.“ Bei diesem Abend hatte ein blind geborener junger Mann, der trotzdem in einer Haltung der Dankbarkeit lebt, über seine Erfahrungen gesprochen. Ein anderer junger Mann schaffte es, sich durch das Beispiel eines Freundes, der zum Glauben gefunden und sich augenscheinlich verändert hatte, von kriminellen Kreisen loszusagen.