Auf Columbans Spuren

Eine unkonventionelle Pilgerreise: Mit Barry Sloan unterwegs auf der grünen Insel. Von Barbara Wenz

Was passiert, wenn ein evangelischer Theologe und methodistischer Pastor, gebürtiger Nordire und seit Jahren in Deutschland tätig, sich auf eine Pilgerreise auf den Spuren des großen heiligen Columban des Jüngeren begibt, dazu noch per Anhalter? Er begegnet vielen interessanten Menschen auf seiner Wallfahrt – die eigentlich nicht wirklich eine ist. Denn Sloan hat als Methodist weder einen Zugang zur katholischen Reliquienverehrung noch Verständnis dafür, warum wir uns an Heilige wenden und ihre Fürbitte erflehen.

Und er ist geprägt von seiner Kindheit und Jugend in Nordirland, von den wechselseitigen Provokationen und oft gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Konfessionen. Ganz in der Nähe seines Geburtsortes Carrickfergus bei Belfast liegt Bangor Abbey, gegründet vom heiligen Comgall im Jahre 558. Bis ins neunte Jahrhundert hinein handelte es sich dabei um eines der wichtigsten kulturellen Zentren und Klosterschulen in ganz Europa. Von hier aus wurden Columban und seine Gefährten, unter ihnen der Gallus, der St. Gallen in der Schweiz seinen Namen gab, ausgesendet, um den Kontinent, genauer „die Alemannen“ zu missionieren. Über Frankreich, Österreich und die Schweiz kamen sie bis nach Bobbio in die Emilia-Romagna. Die wichtigsten Klostergründungen des Columban waren – neben dem schon genannten Bobbio und St. Gallen in der Schweiz – Saint Coulomb und Luxeuil in Frankreich sowie Bregenz in Österreich.

Barry Sloan will sich aufmachen, um die wichtigsten Orte des Columban zu besuchen – und er wählt dafür ein ungewöhnliches Mittel, nämlich die Reise per Autostopp. Der Autor ist überzeugt von dieser Reisemethode, erlaubt sie ihm doch intensive Begegnungen mit fremden Menschen, während man ein Stück weit in derselben Richtung unterwegs ist. Dahinter steckt eine regelrechte Philosophie, in die uns der Autor einzuweihen weiß.

Aus vielen Gesprächen, die er, meist in Autos, notfalls, wenn partout niemand anhalten wollte, auch im Zug, destilliert der Pastor einen regelrechten Fragekatalog über vier Seiten zu Jesus, zu Religion im Allgemeinen, zur Bibel und ihren – scheinbaren – Widersprüchen im Speziellen. Fragen, die sich die Menschheit schon immer gestellt haben. Bis Missionare wie Columban kamen und ihnen Gewissheiten vermittelten. Der im kollektiven Gedächtnis jedenfalls in Mitteleuropa nicht mehr ganz so präsent ist wie vergleichsweise Benedikt von Nursia oder Bonifatius – obwohl seine Regel eine zeitlang populärer und weiter verbreitet war als diejenige Benedikts, des „Vaters des Abendlandes“. Die Orte des Columban und die sie umrankenden Legenden stellen den interessantesten Teil des Buches dar, der Autor hat die Stätten besucht und sich von ihnen bezaubern lassen. Nachdenklicher stimmen dagegen die Passagen, in denen der methodistische Pastor um das Verständnis der katholischen Heiligen- und Reliquienverehrung sowie der Eucharistie ringt. Dem katholischen Leser wird dabei unfreiwillig vor Augen geführt, wie wenig gewusst wird von den reformierten Geschwistern über das, was die Kirche von je her glaubt und lehrt.

Einfach nur Freude bereiten die Wundergeschichten mit Tieren, die Sloan über den heiligen Columban zu berichten weiß – wie doch die Liebe zu den Geschöpfen und der Schöpfung ein echter Brückenkopf im interkonfessionellen und interreligiösen Dialog sein kann.

Obwohl sich Sloans Buch durch seine unkonventionelle, dabei authentische Schreibweise eher an jugendliches Publikum zu wenden scheint, können auch ältere Leser Gewinn aus dieser Lektüre ziehen: Der interkonfessionelle Konflikt in Nordirland hat bei dem protestantischen Autoren verständlicherweise biografische Spuren hinterlassen. Dass er dennoch versucht, sich der ihm eher unverständlich verhaltenden katholischen Kirche sowie einem ihrer bedeutendsten, auf dem Kontinent aber fast in Vergessenheit geratenen Heiligen anzunähern, ist erfreulich. Das Buch bleibt eine lohnende Lektüre für denjenigen, der solche Spannungen und Widersprüche zu akzeptieren weiß.

Barry Sloan: Pilgern auf Irisch. Ein

Roadtrip auf den Spuren von St. Columban. Neukirchener Verlags GmbH, Neukirchen-Vluyn 2014, 204 Seiten, ISBN 978-3-7615-6147-8, EUR 12,99