Arbeitsgruppen beginnen Planung des "Synodalen Wegs"

Ende des Jahres soll der synodale Prozess der Kirche in Deutschland beginnen. Noch ist nicht ausgemacht, wohin die Reise gehen wird. Doch nun ist immerhin bekannt, wer den Fahrplan aufstellt. Von Kilian Martin

Reinhard Marx und Thomas Sternberg
Kardinal Reinhard Marx und ZdK-Präsident Thomas Sternberg im Gespräch. Foto: KNA

Am Ersten Advent, so hoffen Kardinal Reinhard Marx und Thomas Sternberg, fällt der Startschuss für den „Synodalen Weg“. Schon die Monate bis dahin dürften arbeitsreich und debattenintensiv werden. Derzeit machen sich Bischöfe, Laienvertreter und wissenschaftliche Berater daran, die Fragenkataloge auszuarbeiten. In der vergangenen Woche haben Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) einen Großteil der Teilnehmer dieser Vorbereitungen bekannt gegeben. Die 45 Namen lohnen ein Blick, denn die Autoren der „Roadmap“ für den „Synodalen Weg“ haben entscheidenden Einfluss auf den späteren Prozess.

Die Zahl der Diskutanten in den „vorbereitenden Foren“ dürfte allerdings noch steigen, denn bislang sind nur drei der vier geplanten Kreise besetzt. So steht die Besetzung des Forums „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“, welches auf Wunsch des ZdK nachträglich eingerichtet wurde, noch aus. Bekannt sind bislang die Teilnehmer der Runden „Sexualmoral“, „Priesterliche Lebensform“ und „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“.

Eine große Runde zur Gewaltenteilung

Mit 19 Teilnehmern ist letztgenannte Runde bislang die größte. Auf Seiten der Bischöfe diskutieren, neben dem Leiter der Arbeitsgruppe, Speyers Bischof Karl-Heinz Wiesemann, die Bischöfe Gebhard Fürst aus Rottenburg-Stuttgart, Franz-Josef Overbeck aus Essen und Gregor Maria Hanke aus Eichstätt. Insbesondere Overbeck zählt zu den prononcierten Vertretern umfangreicher Reformbestrebungen. Das ZdK entsendet in die Debatte unter anderem seine Vizepräsidenten Christoph Braß und Claudia Lücking-Michel. Unter den weiteren Teilnehmern des ersten Synodalforums findet sich die Journalistin Alina Oehler. Sie nahm als Vertreterin der Frauenrechtsorganisation „Voices of Faith“ bereits an der Jugendsynode im Vatikan teil.

Zudem ergänzen acht Experten aus Theologie und Gesellschaftswissenschaften die Runde. Zu ihnen zählen der Eichstätter Dogmatiker Manfred Gerwing und der Bochumer Exeget Thomas Söding. Aus den Debatten der zurückliegenden Monate bereits bekannt sind auch die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop und der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff, die schon bei der jüngsten Vollversammlung der Bischöfe als Experten aufgetreten waren. Beide hatten die Oberhirten dabei zu Selbstkritik und freiwilligem Machtverzicht aufgefordert. Im Forum zur Machtfrage diskutiert zudem der Münchner Kirchenhistoriker Franz Xaver Bischof. Als Unterzeichner des Theologenmemorandums 2011 forderte er die Abschaffung des Zölibats und die Frauenweihe.

Unterzeichnet hatte das Memorandum auch der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff. Er soll im zweiten Forum zum Thema Sexualmoral mitarbeiten. Auch er hatte bei der DBK-Vollversammlung zu den Bischöfen gesprochen und eine umfassende Reform eben der kirchlichen Sexualmoral angemahnt.

Seine Position dürfte insbesondere bei den sechs Vertretern des ZdK in der Arbeitsgruppe auf Zustimmung stoßen. Zu ihnen zählen die beiden Vorsitzenden des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Lisi Meier und Thomas Andonie. Daneben werden in dem fünfzehnköpfigen Gremium insgesamt vier Bischöfe diskutieren. Dazu gehören der Bamberger Weihbischof Herwig Gössl und der Vorsitzende der DBK-Familienkommission, Berlins Erzbischof Heiner Koch. Auf der Liste steht zudem der Name Franz-Josef Bode. Der Osnabrücker Bischof wird das Forum allerdings nicht wie ursprünglich geplant leiten. Stattdessen soll er die noch zu besetzende Gruppe zur Rolle der Frau in der Kirche moderieren; an seiner Stelle führt Limburgs Bischof Georg Bätzing die Debatte zur Sexualmoral.

Befürworter diskutieren über „viri probati“

Im Hinblick auf die im Herbst stattfindende Amazonas-Synode dürften schließlich die Gespräche zur priesterlichen Lebensform im dritten Vorbereitungsforum besonders interessant sein. Die im Vatikan erwartete Debatte über eine Abkehr vom Pflichtzölibat wird auch auf dem deutschen „Synodalen Weg“ eine zentrale Rolle spielen. Davon zeugen manche Namen auf der Liste der Gesprächsteilnehmer. Der Mainzer Pastoraltheologe Philipp Müller hatte in seinem Referat bei der DBK-Frühjahrsvollversammlung für die Weihe von „viri probati“ votiert. Bereits 2017 hatte er dazu mit dem Freiburger Dogmatiker Helmut Hoping ein Konzept vorgelegt.

Wohlwollend gegenüber dieser Idee hatte sich in der Vergangenheit auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf geäußert. Neben ihm diskutieren zur priesterlichen Lebensform auch der Görlitzer Oberhirte Wolfgang Ipolt sowie, als Leiter der Diskussion, Münsters Bischof Felix Genn. Der Vorsitzende der DBK-Kommission für Geistliche Berufe hatte in der Vergangenheit mehrfach Partei für den Priesterberuf und die mit ihm verbundene Ehelosigkeit ergriffen. Unter den elf Mitgliedern des Forums sind zudem vier Vertreter von geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen sind. So gehören der Gruppe unter anderen Schwester Katharina Kluitmann, die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz, und der Kölner Jesuit und Patristiker Stephan Kessler an.

Foren sollen personell weitgehend gleich bleiben

Eine besondere Aufmerksamkeit für die Zusammensetzung der vorbereitenden Foren hatte bereits in der vorvergangenen Woche indirekt Thomas Sternberg angeraten. Laut dem ZdK-Präsidenten würden die Arbeitsgruppen zwar vorerst hauptsächlich Themenkomplexe und Fragenkataloge zusammenstellen. Die eigentlichen Diskussionen würden dann später in neuen, erst noch zu gründenden Foren geführt.

Die Wahrscheinlichkeit sei jedoch groß, so Sternberg, dass sich ein Großteil der nun benannten Personen auch in entsprechender Funktion auf dem „Synodalen Weg“ wiederfände. So lange dieser noch in einiger Ferne liegt, können somit schon einmal die Namen einen Hinweis geben, wo die Reise hingeht.