„Apostel des Leidens“

Zum Gedenken an den seligen polnischen Märtyrers Pius Bartosik am 12. Dezember. Von Katrin Krips-Schmidt

Pater Pius Bartosik. Foto: IN
Pater Pius Bartosik. Foto: IN

Johannes Paul II. hat am 13. Juni 1999 108 polnische Märtyrer, die während der Zeit des Zweiten Weltkrieges Zeugnis für ihren Glauben abgelegt hatten, in Warschau seliggesprochen. Als Gruppe gedenkt die Kirche ihrer am 12. Juni. Einer dieser Märtyrer ist der Franziskanerpater Pius Bartosik, der am 12. Dezember 1941 in Auschwitz starb.

Am 21. August 1909 in der Nähe von Krakau als Sohn eines Schusters geboren und auf den Namen Ludwig getauft, konnte der Junge trotz der Armut seiner Familie dennoch das Gymnasium besuchen – Freunde und der Ortspfarrer ermöglichten seine Ausbildung. Am 7. September 1926 wurde er im Noviziat der Franziskaner in Przemyœl im Südosten Polens aufgenommen, wo er nach Ablegen der ersten Ordensgelübde im Jahre 1927 den Namen Pius annahm. Seine philosophischen und theologischen Studien absolvierte er im Priesterseminar der Franziskaner in Krakau, wo er 1935 die Priesterweihe empfing. Im August 1936 wurde er auf Wunsch des späteren Heiligen Maximilian Kolbe in den von diesem zehn Jahre zuvor gegründeten Konvent in Niepokalanow berufen.

Niepokalanow war mit seinen dreizehn Patres, 18 Seminaristen, 580 jungen Mönchen und 90 Novizen vor dem Zweiten Weltkrieg nicht nur das weltweit größte Kloster, sondern für damalige Verhältnisse auch ein riesiges Medienzentrum: hier druckte man katholische Zeitungen, Zeitschriften und Bücher. Pater Kolbe hatte die intellektuellen, aber vor allem auch die spirituellen Fähigkeiten von Pater Pius erkannt, der nun die Aufgabe des Redakteurs für die franziskanische Missionarszeitschrift „Der Ritter der Unbefleckten Empfängnis“ übernehmen sollte. Darüber hinaus arbeitete der junge Geistliche an einem eigenen mariologischen Werk. Pater Pius sei ein zutiefst nachdenklicher Priester gewesen, erinnerten sich seine Mitbrüder. Viele Stunden habe er im Beichtstuhl zugebracht. Am 19. September 1939 wurde er von der Gestapo zusammen mit Pater Kolbe und etwa 40 Mitbrüdern verhaftet. Die folgenden drei Monate verbrachte er in unterschiedlichen Konzentrationslagern und ertrug Hunger und Leiden mit bewundernswerter Langmut. „Wir haben anderen Menschen Geduld gepredigt; welchen Wert hätten unsere Worte jetzt, wo wir selbst diese Leiden ertragen müssen, wenn sich das nicht durch Taten bestätigen ließe?“, sagte er des Öfteren.

Am 8. Dezember 1939 kam er zunächst frei und kehrte ins Kloster zurück. Die zweite Inhaftierung am 17. Februar 1941, bei der auch der Mitbruder Pater Kolbe erneut zu den Festgenommenen zählte, sollte jedoch in den Untergang führen. Am 4. April 1941 wurde Pater Pius mitten in der Karwoche nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er zu Bauarbeiten herangezogen. Nach einer schmerzhaften Verletzung am Bein und nachdem sich weitere schwere körperliche Leiden eingestellt hatten, verlegte man ihn auf die Krankenstation, wo er Mithäftlingen geistlich beistand und ihnen die Beichte abnahm. Der „Apostel des Leidens“, wie er im Konzentrationslager genannt wurde, verstarb schließlich 32-jährig in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember 1941 in der Krankenstation von Auschwitz.