Apostel der Deutschen

Zum Gedenktag des heiligen Missionars und Märtyrers Bonifatius am 5. Juni. Von Katrin Krips-Schmidt

Der heilige Bonifatius wurde um 673 in Crediton in der Grafschaft Devonshire in England als Spross einer Adelsfamilie geboren. Sein Taufname war Winfried. Er erhielt seine Ausbildung in einer Abtei in Exeter, kam dann zu den Benediktinern von Nursling, wo er mit dreißig Jahren die Priesterweihe empfing. Als gelehrter Mönch wurde er Leiter der Klosterschule von Nursling, schrieb aber auch Gedichte und verfasste die erste englische Grammatik der lateinischen Sprache.

716 überquerte er aus eigenem Antrieb den Kanal, um mit drei Gefährten als Glaubensbote zunächst bei den Friesen zu wirken. Misserfolge zwangen ihn zurück nach England, doch schon bald begab er sich auf eine erste Reise nach Rom. Von Papst Gregor II. erbat sich der eifrige Missionar eine neue Aufgabe. Der Heilige Vater erteilte sie ihm und gab ihm gleich noch einen neuen, einen weniger germanisch und stattdessen römisch klingenden Namen: Bonifatius. 719 sollte er nun in Thüringen sein Werk beginnen, bei dem ihm viele Helfer zur Seite standen: Wigbert, Burchard, die Brüder Willibald und Wunibald, ihre Schwester Walburga, Lioba und viele andere. Probleme bereiteten Bonifatius nicht nur die germanischen Gottheiten, denen die Heiden in den von ihm betreuten Gebieten anhingen. Auch beklagte sich Bonifatius in seinen zahlreichen Briefen an seine Vertrauten über die Sitten- und Disziplinlosigkeit einiger Priester.

Auf einer seiner Missionsreisen wollte Bonifatius beweisen, dass die im hessischen Geismar dem Donnergott Donar geweihte Donareiche ein heidnisches Heiligtum sei und dass die Menschen, die diese Eiche verehrten, einem Götzen dienten. Nachdem er sie mit einer Axt gefällt hatte, konnte er viele Menschen von der Kraft des Christentums überzeugen, die sich nun taufen ließen. Aus dem Holz des mächtigen Baumes ließ Bonifatius eine dem heiligen Petrus geweihte Kapelle errichten.

Von seiner zweiten Romreise, die er 722 in die Ewige Stadt unternahm, kehrte Bonifatius als Missionsbischof zurück. Auf seiner dritten Reise nach Rom ernannte ihn Papst Gregor III. zum Erzbischof und nach seiner Rückkehr gründete er zahlreiche Bistümer (wie in Hessen, Thüringen und Bayern) sowie Klöster (so in Fulda, wo er beigesetzt wurde), ordnete Strukturen neu und setzte sich für eine strikte Umsetzung kirchlicher Regeln ein.

747 ließ er sich als Bischof mit 72 Jahren in Mainz nieder. Fast achtzig Jahre war Bonifatius alt, als er sich noch einmal in das Land der Friesen begab, um dieses Mal seine Missionsversuche sehr erfolgreich fortzusetzen, die er vier Jahrzehnte zuvor schon einmal in Angriff genommen hatte. Zu Pfingsten des Jahres 754 wurden der „Apostel der Deutschen“ und seine 52 Gefährten von einer Gruppe von Heiden bei Dokkum (heute Holland) überfallen und ermordet.