Anspruch auf Menschenwürde im Fokus

Internationales Symposium in Lublin setzt sich mit Philosophie Johannes Pauls II. auseinander

Lublin (DT) Aus Anlass des 30. Jahrestages des Pontifikatbeginns von Johannes Paul II. hat in Lublin ein Internationales Symposium im Gedenken an seine theologischen und philosophischen Verdienste stattgefunden. Veranstalter waren das Institut Johannes Paul II. und die Katholische Universität Lublin. Hochkarätigen Referenten aus Amerika, Deutschland, Polen und Italien nahmen daran teil.

Dabei ging der italienische Politiker und Philosoph Rocco Buttiglione in seinem mit Spannung erwarteten Eröffnungsvortrag auf die Betonung der Menschenrechte im philosophischen Werk Karol Wojtylas, des späteren Papstes, ein. Ausgehend vom Anspruch der Kirche auf die Existenz einer objektiven Wahrheit stellte Buttiglione die Frage: „Ist es möglich, das Recht auf Freiheit mit dem Recht auf Wahrheit zu versöhnen?“ Um darauf eine facettenreiche, an das Wojtyla-Werk „Person und Akt“ angelehnte Antwort zu geben. Buttiglione wies darauf hin, dass der Mensch zur Wahrheit berufen sei und dass es das Menschsein auszeichne, die Wahrheit zu erkennen. Es sei ferner nicht nur wichtig, die Freiheit der anderen zu respektieren, sondern auch zu lernen, die eigene Freiheit beim Zusammensein mit anderen Menschen zu verteidigen. Jeder Mensch, so Buttiglione, habe Rechte und Pflichten, das erste und fundamentale Recht des Einzelnen sei es aber, seine eigenen Pflichten zu erfüllen.

Der in Polen sehr bekannte Dominikanerpater Maciej Zieba, Direktor des Solidarnosc-Zentrums in Danzig, untersuchte daraufhin die philosophische Bedeutung des Begriffs „Solidarität“ im Werk Johannes Pauls II. „Für den Papst war Solidarität die Basis für eine positive Form der Teilnahme des Menschen an der Gesellschaft. Der Papst verband Solidarität mit dem allgemeinen Wohl“, stellte Zieba fest und fügte hinzu, dass Solidarität im Geiste Johannes Pauls II. den „Respekt vor den Unterschieden in der Einheit“ ausdrücke. Dabei machte Zieba deutlich, dass der entscheidende Platz von Solidarität in der Familie stattfinde. Im Laufe der Jahre, so der Dominikanerpater, sei der Familienaspekt der Solidarität für die Lehre des Papstes immer wichtiger geworden. „Solidarität als kulturelle Herausforderung, die sich in der Liebe einer Person ausdrückt.“

Diese Linie aufgreifend und vertiefend sprach der amerikanische Professor Adrian Reimers über die in seinem Heimatland ungeheuer populäre „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. und ihre Beziehung zur heutigen Konsumwelt. Dabei wies Reimers – ebenfalls auf Grundlage von „Person und Akt“ – nach, dass wahre Sexualität nur im „freien“ Geben der Partner erlebbar sei. Eine Auffassung, die konträr zum modernen Utilitarismus sei, welcher anstelle der Verantwortung und der Liebe lediglich die Lust ins Zentrum des Interesses stelle, was so einseitig betont auf sexuellem Gebiet jedoch zwangsläufig in die Unlust und Langeweile führe. „Die Menschen hungern nicht nach Sex, sondern nach unbedingter Liebe!“, fasste Reimers seinen Vortrag provokant zusammen.

Der vielleicht profilierteste Intellektuelle unter den deutschen Spitzenpolitikern, Christoph Böhr, ging in seinem Vortrag auf den Zusammenhang von Würde und Personsein, dem Absoluten und einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung ein. Böhr grenzte die Würde entschieden von „relativierbaren Rechten“ ab und unterstrich, ausgehend von verschiedenen Werken Wojtylas, den „universellen Anspruch der Würde des Menschen“ unabhängig von seiner Kultur und Herkunft.

Mit Blick auf die aktuelle internationale Finanzkrise kritisierte Böhr die allgegenwärtige „Verzweckung des Menschen“. Wojtyla, so Böhr, habe genau das Gegenteil angestrebt. Der Mensch sei der letzte Zweck der Gesellschaft und nicht wie üblich die brutale Durchsetzung des eigenen Nutzens. Nur mit einem Menschenbild, das mit dem immer absolut, also transzendent zu verstehenden Begriff der Würde und der Person verbunden sei, könne man nach Auffassung Böhrs auf die drängenden Fragen der Zeit angemessen antworten. Johannes Paul II. habe Anleitungen zum richtigen Handeln gegeben, unterstrich der Politiker.