Anglikaner treffen sich zu Krisengipfel

London (DT/KNA) Die Spitzen der anglikanischen Kirche kommen am Montag zu einem Versöhnungsgipfel zusammen. Bis zum folgenden Samstag wollen die Leiter der 38 Kirchenprovinzen weltweit am Sitz von Anglikaner-Primas Justin Welby im englischen Canterbury über kontroverse Fragen beraten. Unter anderem gegensätzliche Ansichten zur Bischofsweihe für Frauen und zum Umgang mit Homosexualität belasten die Kircheneinheit schwer. Der anglikanischen Kirche gehören nach eigenen Angaben weltweit 85 Millionen Christen an. Erzbischof Welby sprach im Vorfeld von „sehr, sehr schwierigen Fragen“, die sowohl die anglikanische Gemeinschaft als auch Christen insgesamt beträfen. Die Tagesordnung des Treffens solle von den Kirchenführern gemeinsam erstellt werden. Wahrscheinlich werde es aber auch um „religiös motivierte Gewalt, den Schutz von Kindern und schutzbedürftigen Erwachsenen, die Umwelt und menschliche Sexualität“ gehen, so Welby. Höchstes ordentliches Beschlussgremium der anglikanischen Weltgemeinschaft ist die Lambeth Conference, die turnusmäßig alle zehn Jahre stattfindet. Die nächste Konferenz steht 2018 an. 2008 hatte etwa ein Viertel der Nationalkirchen die Lambeth Conference aus Protest gegen die Bischofsweihe eines homosexuellen US-Priesters boykottiert. Die anglikanische Kirche entstand 1533 aus einem Streit Heinrichs VIII. mit dem Papst über eine Eheannullierung für den König. In Glaubensfragen blieben die Anglikaner zunächst bei der katholischen Lehre. Später setzten sich protestantische Einflüsse durch, die 1549 zur Veröffentlichung des ersten anglikanischen Glaubensbuches führten, des „Book of Common Prayer“.