Anglikaner: Verschärfte Krise

Bekennende Homosexuelle kandidieren für das Weihbischofsamt

Washington (DT/KAP) Für die episkopalische (anglikanische) Kirche in den USA stehen neue Belastungsproben bevor. In Los Angeles sind unter den sechs offiziellen Kandidaten für zwei neue Weihbischöfe der episkopalischen Diözese auch der „bekennende“ Homosexuelle John Kirkley und die „bekennende“ Lesbierin Mary D. Glasspool. Die Entscheidung über die Ernennung dern beiden Weihbischöfe wird im Dezember fallen. Mit der Nominierung offen homosexueller Kandidaten wird der Streit in der episkopalischen Kirche vertieft.

Bei ihrer letzten „General Convention“ im Juli hatte sich die episkopalische Kirche mehrheitlich auf der Ebene der Bischöfe, Priester und Laien dafür ausgesprochen, „praktizierende“ Homosexuelle zu allen kirchlichen Ämtern zuzulassen. „Ich unterstütze alle Kandidaten und freue mich über die Vielseitigkeit, die sie unserer Diözese bieten“, sagte jetzt der Episkopal-Bischof von Los Angeles, Joseph Jon Bruno, in einer Stellungnahme. Bruno gilt als „liberal“, ist aber gleichzeitig einer jener episkopalischen Bischöfe, die ganz stark auf eine „missionarische“ Ausrichtung der Kirche setzen.

Parallel dazu muss sich die Episkopalkirche auch mit dem Fall des Priesters Kevin T. Forrester auseinandersetzen. Forrester war im Februar zum Bischof der kleinen Diözese Nord-Michigan gewählt worden. Seiner Wahl wurde aber von den Gremien der Episkopalkirche nicht zugestimmt, weil die Vorliebe Forresters für die Zen-Meditation Zweifel an seiner christlichen Glaubensüberzeugung aufkommen ließen. Diese Zweifel wurden vor allem von „Bloggern“ genährt, die systematisch alle Predigten, Ansprachen und Zeitungsartikel Forresters auf ihre Orthodoxie hin abklopften. Anstoß wurde daran genommen, dass Forrester die „Pluralität der Heilswege“ lehrt. In der Episkopalkirche ist es bisher fast nie vorgekommen, dass ein erwählter Bischof von den Gremien nicht bestätigt wird.