Als Beschenkte gemeinsam geistlich leben

Das Ehesakrament im Horizont des Glaubens – „Tagespost“-Serie (Teil XXIII) – Eine einjährige Vorbereitung auf die Ehe als Fundament des Lebens. Von Sebastian Pilz

Zwei Dinge vereinen meine Frau und mich von Anfang an bis heute: Wir wurden einander geschenkt und wir haben das gleiche Fundament im katholischen Glauben. Dies erlebten wir beim Weltjugendtag 2002 im kanadischen Toronto, wo wir uns als Pilger einer deutschlandweiten Jugendgruppe zum ersten Mal begegneten. Nach der Rückkehr aus Kanada trafen wir uns mehrfach und verliebten uns schließlich. Wir schrieben uns viel, da ich noch in Chemnitz und sie im Großraum Frankfurt/Main lebte. Bei Treffen und Ausflügen waren das gemeinsame Gebet oder die Feier der Eucharistie immer selbstverständlich. Durch das nähere Kennenlernen erfuhren wir, dass wir gleiche geistliche Wurzeln haben, dankbar geprägt durch ein katholisches Elternhaus auf beiden Seiten.

Der Weg vom verliebten Gefühl hin zur Liebe, die sich für das gemeinsame Leben rüstet, war für uns zugleich ein geistlicher Prozess. Wir stellten uns unter den Schutz des heiligen Josef und beteten jeden Tag eine Andacht zu ihm, entweder gemeinsam oder eben jeder für sich allein. Schon da machten wir uns das Prinzip der„Stellvertretung“ zunutze, indem der eine für den anderen betet, wenn dieser mal keine Zeit hatte. Wer auch immer, es betete immer einer für unsere Beziehung. Dieses Beten hat sich heute nicht geändert.

Der zweite Schritt war die Prüfung vor dem Allerheiligsten, ob wir wirklich für einander die Richtigen sind. In diesem Ringen half mir mein geistlicher Begleiter, Weihbischof em. Klaus Dick aus Köln, den ich auf einer Wallfahrt kennengelernt hatte. Er war es auch, der uns anlässlich unserer Verlobung eine heilige Messe in Lourdes hielt und fortan die „Verantwortung“ zur Ehevorbereitung übernahm, wie er es nannte.

So fuhren wir jeden Monat einmal nach Köln. Wir sprachen über biblische Texte und welche konkreten Auswirkungen wir aus ihnen für unsere Ehe ableiten können. Beim zweiten Schöpfungsbericht beispielsweise stellten wir fest, dass Adam und Eva sich im Paradies versteckten und ihr Inneres schützen. Dieser leibliche und seelische Schutzmechanismus ist gewiss nach außen hin gut, nicht aber nach innen und im Bezug zu Gott. Dort dürfen und sollen wir uns öffnen. In diesem Zusammenhang legten wir für uns fest: Der Sonntag ist ein Tag der Familie, wo wir immer versuchen, gemeinsam in die Heilige Messe zu gehen und uns Zeit zu schenken, über Dinge zu sprechen. Und wir gaben uns zur Regel, uns spätestens am Abend wieder zu versöhnen und keinen Streit mit über die Nacht zu nehmen. Dieses echte und ehrliche „gute Nacht“ ist manchmal nicht leicht und fordert uns beiden viel ab. Aber diese gemeinsame Grundregel stärkt unsere Ehe bis heute und bekräftigt das Versprechen, miteinander zu leben.

Weitere Texte waren die Seligpreisungen als Eheprogramm oder die Stadt auf dem Felsen als Thema für die Glaubensweitergabe an die Kinder in einer glaubensfeindlichen Welt. Wir sprachen genauso über Eifersucht und die Wahrung von Distanz bei guten Freunden, dachten anhand von Paulustexten über Sexualität und die Bedeutung des Leibes nach und lasen auch das Hohelied im Alten Testament, wo sich die zwei Verliebten immer wieder suchen und sich einander hinter sich her ziehen. Wir sahen darin ein Bild, täglich neu Braut und Bräutigam zu sein, indem man immer neu sich gemeinsam auf den Weg des Lebens begibt. Ebenso sprachen wir über Urlaube oder die Möglichkeit, allein auf Wallfahrten zu gehen und den anderen „im Herzen“ mitzunehmen.

Mehr und mehr wurde uns klar, dass die Unauflöslichkeit der Ehe unauflöslich mit unserem Leben und unserer Familie verbunden ist. Es geht darum, ein gemeinsames Lebensfundament zu bauen. Zu den gemeinsamen Gesprächen gehörten stets der Empfang der Beichte, sowie die Heilige Messe und ein Besuch im Kölner Dom. Für diese einjährige „Bauzeit“ sind wir überaus dankbar und schöpfen aus ihr bis heute. Weihbischof Dick traute uns am 31. Juli 2004, taufte später unsere drei Kinder Josefine, Matthäus und Cyprian und weihte auch unser neues Eigenheim ein. Die Zeit der geistlichen Vorbereitung auf unsere Ehe eröffnete auch das geistliche Leben in ihr. Durch die guten Vorbesprechungen sind trotz des Alltagsstresses einer Familie viele Dinge klar. Die Besuche in Köln haben bis heute nicht aufgehört. Unsere Kinder freuen sich jedes Mal, wenn es zu „Onkel Klaus“ geht, wie sie Weihbischof Dick liebevoll nennen. Wir sind von Gott miteinander beschenkt und in der katholischen Kirche mit ihm fest verbunden, in schönen wie auch in schweren Momenten. Der Glaube an Jesus Christus gibt uns die nötige Sicherheit, gemeinsam als „Licht der Welt und Salz der Erde“ (Mt 5, 13.14) durch das Leben zu gehen, wie unser Trauspruch auch lautet.