Aktionsbündnis für Demokratie

Neue kirchliche Arbeitsgemeinschaft gegen Rechtsextremismus

Dresden (DT/KAP) Mit einem überkonfessionellen „Friedensgebet für gleiche Rechte aller Menschen – gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit“ haben am Samstag mehrere hundert Menschen in der Dresdner Altstadt gegen den Aufmarsch von Rechtsextremen protestiert. Nach ersten Polizeiangaben beteiligten sich gut 1 500 Menschen an der Neonazi-Demonstration.

Die Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestags und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Katrin Göring-Eckardt, erklärte zu Beginn des Gebets, „es ist gut, dass wir nicht stillhalten. Es ist gut, dass wir aufstehen und für die Demokratie kämpfen“. Sie rief die Teilnehmer des Friedensgebetes auf, die Gräuel des Nationalsozialismus nie zu vergessen.

Nach dem Gebet reihten sich die Teilnehmer in eine Menschenkette ein, die von Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz vor dem Rathaus der Stadt eröffnet wurde. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Bischof Reinelt und Landesbischof Bohl beteiligten sich daran.

Unter dem Geläut der Dresdner Innenstadtkirchen verbanden die Protestierer am frühen Nachmittag die Dresdener Synagoge mit dem Rathaus und dem Altmarkt, auf dem Pflastersteine die Umrisses des Krematoriums markieren, in dem 1945 die Opfer des Bombenangriffs verbrannt wurden.

Kirchliche Verbände in Deutschland hatten sich bereits in der vergangenen Woche zu einer „Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ zusammengeschlossen. Der Rechtsextremismus sei mit dem christlichen Glauben unvereinbar, erklärte Sachsens evangelischer Landesbischof Jochen Bohl in der Elbestadt. Die Kirche werde „den neuen Nazis nicht gestatten, durch ihre hasserfüllte Sicht auf die Geschichte den Frieden zu gefährden“, so Bohl weiter.

Die Generalsekretärin der deutschen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung „Pax Christi“, Christine Hoffmann, erklärte, derzeit drohten „die Grenzen zwischen dem, was wir die Mitte der Gesellschaft nennen, und dem rechten Lager fließend zu werden“. Im Internet gebe es verschiedene Auftritte, bei denen Vertreter der extremen Rechten als offizielle katholische Kirche getarnt aufträten. Es sei wichtig, „deutlich zu machen, wo christlich und katholisch aufhört und Menschenfeindlichkeit und Antisemitismus beginnt“.

Der Referent der deutschen bischöflichen Kommission Iustitia et Pax, Daniel Legutke, bezeichnete den Rechtsextremismus als Fundamentalismus. Er erreiche viele Bereiche der Gesellschaft und stelle die Gemeinschaft Europas grundsätzlich in Frage.