30. Juni: Der Wochenheilige

Der selige Vasyl Velyckovskyj. Von Claudia Kock

Als der ukrainische Untergrundbischof Basil Velyckovskyj am 30. Juni 1973 im Exil im kanadischen Winnipeg starb, sah zunächst alles nach einem natürlichen Tod aus. Erst durch eine Autopsie wurde nachgewiesen, dass in seinem Körper ein Gift vorhanden war, das seine Wirkung langsam entfaltet und schließlich den Tod herbeigeführt hatte. Das Gift war ihm in der Sowjetunion heimlich ins Essen gemischt worden, um den glühenden Katholiken und überzeugten Antikommunisten, den auch lange Jahre in Arbeitslagern nicht hatten beugen können, zum Schweigen zu bringen. Er wurde am 27. Juni 2001 von Papst Johannes Paul II. zusammen mit 24 weiteren ukrainischen Märtyrern des Sowjetregimes seliggesprochen.

Viele Menschen konvertierten unter seinem Einfluss zur katholischen Kirche

Vasyl Vsevolod Velyckovskyj wurde am 1. Juni 1903 in Stanislawiw, heute Iwano-Frankiwsk, in der Westukraine geboren. Seine Familie gehörte der griechisch-katholischen Kirche an und hatte viele Generationen von Priestern in ihren Reihen. Im Ersten Weltkrieg trat Vasyl mit 15 Jahren in die ukrainisch-galizische Armee ein, um für die Unabhängigkeit seiner Heimat zu kämpfen. Nach dem Krieg ging er in das Priesterseminar von Lwiw und wurde 1924 zum Diakon geweiht. Im selben Jahr begann er sein Noviziat im Redemptoristenorden und empfing 1925 die Priesterweihe.

Seine Ordensoberen sandten ihn anschließend an verschiedene Orte zur Missionstätigkeit; viele Menschen, darunter auch einige orthodoxe Priester, konvertierten unter seinem Einfluss zur katholischen Kirche. Er setzte diese Tätigkeit unbeirrt auch nach der Besetzung der Ukraine durch die Sowjetunion im Jahr 1939 fort. Am 11. April 1945 wurde er verhaftet und in einem Prozess, der sich über zwei Jahre hinzog, zum Tod durch Erschießen verurteilt. Nach drei Monaten wurde das Urteil revidiert und in eine zehnjährige Haft in verschiedenen Arbeitslagern umgewandelt. Durch die schweren Haftbedingungen wurde seine Gesundheit sehr in Mitleidenschaft gezogen; ein Trost blieb ihm durch die Eucharistie, die er, wenn möglich, täglich feierte.

In seiner Wohnung baute er aus Pappkartons einen Altar

Nach seiner Haftentlassung im Jahr 1955 kehrte Vasyl Velyckovskyj nach Lwiw zurück, wo er in einer kleinen Wohnung lebte, in der er aus Pappkartons einen Altar baute und dort täglich die Liturgie feierte. Schnell wurde seine Wohnung zu einem Zentrum neuer Missionstätigkeit. Kleine Gruppen von Gläubigen kamen zur Feier der Eucharistie und zur Unterweisung im Glauben. Die Nachricht von seiner unermüdlichen und unerschrockenen Missionstätigkeit gelangte bis zu Papst Johannes XXIII., der ihn 1959 zum „Bischof der Kirche des Schweigens“ ernannte. Die Bischofsweihe musste allerdings aufgeschoben werden, da der Metropolit der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, der spätere Kardinal Jossyf Slipyji, in einem sibirischen Arbeitslager inhaftiert war. Als dieser 1963 aus der Haft entlassen wurde und über Moskau nach Rom reisen konnte, um am Zweiten Vatikanischen Konzil teilzunehmen, suchte Vasyl Velychovskyj ihn in der russischen Hauptstadt auf und empfing in einem Hotelzimmer von ihm die Bischofsweihe.

Velychovskyj: Ein Atheist kann kein guter Staatsbürger sein

1969 wurde Velychovskyj erneut inhaftiert, mit dem Vorwurf, antisowjetische Propaganda zu betreiben. Der unmittelbare Anlass war ein Buch des Bischofs über Unsere Liebe Frau von der Immerwährenden Hilfe, in dem er schrieb, dass ein Atheist kein guter Staatsbürger sein könne. Außerdem wurde ihm zur Last gelegt, die Programme von Radio Vatikan zu hören und die Menschen propagandistisch zu beeinflussen.