Heilige

Der selige Otto von Freising - 22. September

Bericht über das Leben und Wirken von Otto von Freising. Von Claudia Kock
Otto von Freising
| Altes Gemälde von Otto von Freising im Fürstengang Freising

Im September 2007 besuchte Papst Benedikt XVI. Stift Heiligenkreuz. Die Zisterzienserabtei wurde im Jahr 1133 durch den heiligen Markgrafen Leopold III. von Babenberg gegründet, auf Anregung seines Sohnes Otto, Mönch im burgundischen Kloster Morimond.

Herkunft und Jugend von Otto von Freising

Die Babenberger waren bis ins 13. Jahrhundert hinein die mächtigste Adelsfamilie Österreichs. Otto wurde um 1112 als eines der 17 Kinder Leopolds III. und seiner zweiten Ehefrau Agnes von Waiblingen, Witwe des Stauferherzogs Friedrich I., geboren. In mütterlicher Linie war Otto ein Onkel des späteren Kaisers Friedrich Barbarossa.

Seine Kindheit verbrachte Otto auf einer „Großbaustelle“, wie der Historiker Joachim Ehlers in einer Monographie über den Seligen schreibt (Otto von Freising. Ein Intellektueller im Mittelalter, München 2013).

Er kam in Neuburg bei Wien zur Welt, wo kurz nach seiner Geburt der Grundstein der väterlichen Stiftung Klosterneuburg gelegt wurde. Schon als Kind wurde er für den geistlichen Stand bestimmt und war bereits in früher Jugend Probst von Klosterneuburg. 1126 wurde er nach Paris gesandt, um eine theologische Ausbildung zu erhalten. Während des sechsjährigen Studiums kam er vor allem mit frühscholastischem Gedankengut in Berührung.

Eintritt in das Zisterzienserkloster Morimond

Auf dem Rückweg von Paris nach Wien wurde Otto 1132 zusammen mit weiteren Studienkollegen im Zisterzienserkloster Morimond beherbergt und beschloss, als Mönch hier einzutreten. Ob dies eine spontane Entscheidung war oder ob Otto sie schon vorher geplant hatte, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen.

Ehlers tendiert zu Letzterem, da zwischen dem „Pariser Milieu“ und den Zisterziensern gute Beziehungen bestanden, nicht zuletzt über Ottos berühmten Zeitgenossen Bernhard von Clairvaux. Auf jeden Fall geschah Ottos Eintritt in das Kloster gegen den Willen seiner Familie, da diese für ihn eine Karriere als Reichsfürst im geistlichen Stand geplant hatte, der ein Klostereintritt eher im Weg stand. Dieser entsprach also Ottos eigenem Wunsch, was auch daraus ersichtlich wird, dass er, nachdem er 1138 zum Bischof von Freising erhoben worden war, weiterhin den Habit der Zisterzienser trug.

Zeit als Bischof von Freising

Als Bischof war Otto bemüht, den wirtschaftlichen Bestand des Bistums gegen die Interessen der Wittelsbacher und der bayrischen Herzöge zu verteidigen, kümmerte sich jedoch auch intensiv um den Ausbau des geistlichen Lebens durch die Gründung mehrerer Stifte und Klöster sowie einer Reform des Domkapitels. An Reichstagen nahm Otto ebenso teil wie an dem von seinem Halbbruder Konrad III. ausgerufenen Zweiten Kreuzzug, in dem er den Teil des Zuges, der aus unbewaffneten Pilgern bestand, die Küste entlang durch Kleinasien führte.

Bedeutenden Geschichtswerke von Otto von Freising

Bedeutung erlangte Otto von Freising vor allem durch seine beiden Geschichtswerke: die Historia de duabus civitatibus und die Gesta Frederici. Nach dem Vorbild von Augustinus' De civitate Dei legte Otto in der Historia seine eigene theologisch-philosophische Auslegung der Weltgeschichte vom Fall Adams bis zur eigenen Gegenwart in sieben Büchern dar. Dabei entwickelt er eine Lehre von der dauernden Wandelbarkeit der Welt: Am Ende eines jeden Buches steht ein entscheidender historischer Umbruch.

Otto von Freising
| Otto von Freising in seiner Bischofsstadt

Von seiner eigenen Gegenwart zeichnete Otto ein pessimistisches Bild: Durch den Investiturstreit und den Bann Heinrichs IV. drohte Augustinus' „civita permixta“, die sich seit der Verchristlichung des Römischen Reiches unter Theodosius I. gebildet hatte, wieder zu zerbrechen und kündigte sich das Weltende an, das nur noch durch die Frömmigkeit der Mönche hinausgezögert wurde. Dahinter verbirgt sich bei Otto eine moralische Lehre: Der mit Verstand, Glaube und Entscheidungsfreiheit begabte Mensch soll aus der Wandelbarkeit lernen, sich innerlich Gott und der Ewigkeit zuzuwenden.

Gesta Frederici: Geschichten für Kaiser Barbarossa

Am 18. Juni 1155 wurde Ottos Neffe Friedrich Barbarossa zum Kaiser gekrönt. Dieser bat seinen Onkel, eine Geschichte seines Adelsgeschlechts, der Staufer, zu verfassen. So entstanden aus Ottos Hand die ersten beiden Bände der Gesta Frederici, die später von seinem Schüler Rahewin durch weitere Bände ergänzt wurden. In diesem Spätwerk ist von Ottos Geschichtspessimismus nichts mehr zu spüren. Vielmehr erscheint die Zeit der Staufer als neue Blüte- und Friedenszeit des Reiches.

Otto von Freising starb am 22. September 1158 auf dem Weg zum Generalkapitel der Zisterzienser. Die Gebeine dieses bedeutenden mittelalterlichen Geschichtsschreibers ruhen im Sockel des Hochaltars der Stiftskirche von Heiligenkreuz.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Barbarossa Benedikt XVI Bischöfe Das Römische Reich Domkapitel Haus Wittelsbach Heilige Heinrich Kaiserinnen und Kaiser Klöster Konrad III. Leopold III. Mönche Otto von Freising Theodosius I. Weltgeschichte

Kirche

Eröffnung der zweijährige Weltsynode im Vatikan
IM BLICKPUNKT

Für eine Kirche, die anders ist Premium Inhalt

Die bis 2023 dauernde Weltsynode beginnt mit der größten Befragung der Menschheitsgeschichte. Über die Gründe für diesen vom Papst gewollten Prozess kann man nur spekulieren.
16.10.2021, 17 Uhr
Guido Horst