Heilige

Johannes von Gott - 8. März

Über das Leben und Wirken von Johannes von Gott, dem „Schöpfer des modernen Krankenhauses“. Von Katrin Krips-Schmidt
Johannes von Gott
Foto: KNA

Man weiß nicht, warum der heilige Johannes von Gott, der am 8. März 1495 im portugiesischen Montemor-o-Novo als Juan Ciudad geboren wurde, als kleiner Junge im Alter von acht Jahren sein Elternhaus verließ, um nie wieder zurückzukommen. Erschöpft vor Müdigkeit wurde er 150 Kilometer vor Madrid von einem reichen Grundbesitzer aufgelesen, der ihn als Schafhirten anstellte.

Johannes von Gott: Krieger und Heiliger

Zwölf Jahre später verpflichtete er sich im Heer von Kaiser Karl V., kämpfte zunächst im spanisch-französischen Krieg und zog dann gegen die Türken ins Feld, was ihn bis vor die Tore Wiens führte. Nach einer Wallfahrt nach Santiago de Compostela ließ er sich in Gibraltar nieder, wo er sich seinen Lebensunterhalt verdiente, indem er Bücher und Heiligenbildchen verkaufte. 1538 eröffnete er in Granada sogar eine eigene Buchhandlung.

Johannes von Avila
Foto: KNA | Das bei Johannes von Avila immer wiederkehrende Thema ist die Botschaft von der Liebe Gottes. Auf die Frage, was man tun müsse, um eine gute Predigt zu halten, antwortete der gefragte Prediger: „Man muss Gott ...

In Granada hörte er eine Predigt des heiligen Johannes von Avila, die ihn aufwühlte und völlig veränderte. Juan bekehrte sich von Grund auf. Als er über sein bisheriges sündiges Leben im Lichte seiner Bekehrung nachsann, erschütterte ihn das so sehr, dass er meinte, er müsse sofort handeln. Seinen Laden verwüstete er und lief schreiend durch die Stadt.

Juan bereute seine Sünden so spektakulär in der Öffentlichkeit, dass man ihn für verrückt hielt und ihn in eine Irrenanstalt einwies. Nach einigen qualvollen Monaten entließ man ihn wieder, und Juan beschloss – mit sich und seiner Vergangenheit versöhnt –, den Rest seines Lebens damit zu verbringen, denjenigen zu helfen, mit denen er Umgang hatte: den Gelähmten, den Obdachlosen, den Prostituierten, vor allem aber den geistig Kranken.

Der "Schöpfer des modernen Krankenhauses"

Zunächst scharte er all die Leidenden in einer notdürftigen Unterkunft um sich. Für das tägliche Brot ging er auf der Straße betteln. So wurde er bei der Stadtbevölkerung bekannt, die ihn „Johannes von Gott“ nannte. 1539 konnte er sein erstes Hospital für die Ärmsten der Gesellschaft gründen und 1572 rief er eine kleine Kongregation ins Leben, aus der sich der „Orden der Barmherzigen Brüder“ entwickelte, der der Regel des heiligen Augustinus folgt. Heute gehören dem Orden weltweit auf fünf Kontinenten etwa 1 100 Ordensmänner an.

Der „Schöpfer des modernen Krankenhauses“ starb am 8. März 1850 an seinem 55. Geburtstag in Granada. Der Schutzpatron der Krankenpfleger und Krankenhäuser, der Buchdrucker und Buchhändler wurde am 21. September 1630 von Papst Urban VIII. selig- und am 16. Oktober 1690 von Papst Alexander VIII. heiliggesprochen. Seine Reliquien werden in der nach ihm benannten Kirche in Granada aufbewahrt.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Weitere Artikel
13. Januar: Der Wochenheilige Der heilige Hilarius von Poitiers
Heilige

Der heilige Hilarius von Poitiers Premium Inhalt

Aus der Verwaltung in die Kirche. Der Kirchenlehrer Hilarius hat ein bewegtes Leben. Sein Kampf gegen den Arianismus bringt ihn sogar ins Exil.
12.01.2021, 21  Uhr
Claudia Kock
Themen & Autoren
Alexander VIII. Gott Heilige Karl V. Krankenhäuser und Kliniken Krieger Religiöse Orden Stadtbevölkerung Urban VIII. Wallfahrten

Kirche

Eröffnung der zweijährige Weltsynode im Vatikan
IM BLICKPUNKT

Für eine Kirche, die anders ist Premium Inhalt

Die bis 2023 dauernde Weltsynode beginnt mit der größten Befragung der Menschheitsgeschichte. Über die Gründe für diesen vom Papst gewollten Prozess kann man nur spekulieren.
16.10.2021, 17 Uhr
Guido Horst