Jakob von Ghazir OFMCap: Der Wochenheilige am 21. Juni

Der selige Jakob von Ghazir OFMCap. Von Claudia Kock
21. Juni: Der Wochenheilige Der selige Jakob von Ghazir OFMCap

Auf einem Hügel bei der libanesischen Hauptstadt Beirut steht die Kirche „Unsere Liebe Frau vom Meer“, auf der sich ein zehn Meter hohes Kreuz erhebt. Es wurde errichtet auf Initiative des Kapuziners Jakob von Ghazir, als Ort des Gedenkens und des Gebets für die vielen Libanesen, die unter der osmanischen Militärregierung im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren hatten oder von Hunger und Not getrieben ihr Land verlassen mussten. Jakob von Ghazir legte den Grundstein für viele Sozial- und Bildungseinrichtungen im Libanon. Der Apostolische Nuntius des Landes nannte ihn nach seinem Tod „der größte Mensch, den der Libanon unserer Zeit geschenkt hat“. Sein Gedenktag ist der 26. Juni.

Als Khalil Al-Haddad wurde er am 1. Februar 1875 in einer maronitischen Familie in Ghazir bei Beirut geboren und trat mit 19 Jahren in den Kapuzinerorden ein, wo er den Namen Jakob erhielt. Am 1. November 1901 wurde er zum Priester geweiht. Der Libanon war zu dieser Zeit eine Provinz des Osmanischen Reiches mit einem christlichen Gouverneur. Abuna Jakob – wie er mit dem arabischen Ausdruck für „Vater“ genannt wurde – besaß großes Organisationstalent und wurde zunächst mit der wirtschaftlichen Verwaltung der Klöster und dann auch mit der der ordenseigenen Schulen betraut. Außerdem predigte er mit großer Leidenschaft – nicht nur im Libanon, sondern auch in Syrien, im Irak und in Palästina. Er schrieb seine Predigten, von denen etwa 8 000 Seiten erhalten sind, nachts vor dem Allerheiligsten. „Sät Hostien, ihr werdet Heilige ernten!“, lautete sein Motto.

Abuna Jakob gründete einen Drittorden des heiligen Franziskus und organisierte Wallfahrten nach Lourdes, Assisi und Rom. Eine große Herausforderung kam 1914 auf ihn zu, als die französischen Kapuziner wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs den Libanon verließen und er die gesamte Mission leiten musste. Es war eine äußerst schwere Zeit. Ende 1915 wurde im Libanon eine osmanische Militärregierung eingesetzt, die zahlreiche Menschen hinrichten ließ; weitere starben durch Hungersnöte und Seuchen. Insgesamt kamen damals im Libanon fast eine halbe Million Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Christen. Abuna Jakob half wo er konnte, indem er Hungernde speiste und Tote begrub, die am Straßenrand lagen. Mehr als einmal geriet er in Konflikt mit den Behörden und entging selbst nur knapp der Hinrichtung.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Libanon zum französischen Mandatsgebiet; die französischen Kapuziner kehrten zurück. Zur Erinnerung an die schwere Zeit mit den vielen Märtyrern und Vertriebenen sorgte Abuna Jakob für die Errichtung eines riesigen Kreuzes auf dem sogenannten „Feen-Hügel“, der damals in „Kreuzeshügel“ umbenannt wurde.

Ein Schlüsselerlebnis wurde für ihn der Besuch bei einem alten Priester in einem öffentlichen Spital, dem er die Beichte abnehmen sollte. Er fand ihn in einem verwahrlosten Zustand vor, ohne jede Möglichkeit, die Messe zu feiern. Kurz entschlossen brachte er ihn bei der Kirche „Unsere Liebe Frau von Meer“ unter, wo in den folgenden Jahren ein Spital für alte und kranke Priester entstand. Für deren Pflege gründete Abuna Jakob die Kongregation der Franziskanerinnen vom Kreuz des Libanon. Das von ihnen geleitete Spital ist heute die größte psychiatrische Klinik im Nahen Osten, die Patienten aller Religionen offensteht. „Wir gleichen der Quelle, die dem Durstigen nie sagen wird: Sag mir zuerst, aus welchem Land du kommst, sonst kann ich dir nicht zu trinken geben“, lautet ein Leitspruch der Schwestern. Die Pflege alter und kranker Priester wurde von Abuna Jakob in ihren Satzungen verankert und stellt bis heute einen besonderen Dienst dieses Ordens dar.

Abuna Jakob gründete noch viele weitere Spitäler, Sozial- und Bildungseinrichtungen im Libanon. Als er am 26. Juni 1954 um 15 Uhr nachmittags starb, wurden in vielen Kirchen die Glocken geläutet, Radio und Zeitungen vermeldeten den Tod des einfachen Kapuziners, der sich unermüdlich für die notleidenden Menschen im Libanon eingesetzt hatte. Im Namen des amtierenden Präsidenten wurde seinem Leichnam die „Goldmedaille Zeder Erster Klasse“ auf die Brust gelegt. Am 22. Juni 2008 wurde Abuna Jakob in Beirut seliggesprochen.

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