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Die heilige Juliana von Lüttich

Am 5. April, dem diesjährigen Palmsonntag, gedenkt die Kirche der heiligen Juliana von Lüttich, die dazu beigetragen hat, dass im Fronleichnamsfest die Verehrung des Allerheiligsten einen festen Platz im Kirchenjahr erhalten hat.
Die heilige Juliana von Lüttich
Foto: Andreas Praefcke

In diesen außergewöhnlichen Tagen, in denen aufgrund der Coronakrise keine öffentliche heilige Messe gefeiert wird, ist die eucharistische Anbetung unerwartet in den Mittelpunkt gerückt. Jeden Morgen erteilt Papst Franziskus den Gläubigen in aller Welt am Ende der Messe in „Santa Marta“ per Livestream den eucharistischen Segen. Ebenfalls mit dem Allerheiligsten in einer schweren goldenen Monstranz spendete er am vergangenen Freitag den feierlichen Segen „Urbi et Orbi“; ihm voraus ging ein Moment der stillen eucharistischen Anbetung. Einige italienische Pfarrer tragen in dieser Zeit, in der der Kommunionempfang nicht möglich ist, die Monstranz mit dem Allerheiligsten durch Städte und Dörfer, um die Menschen zu segnen. So ist eine Form der Frömmigkeit, die vielerorts fast vergessen schien und oft belächelt oder sogar kritisiert wurde, plötzlich hochaktuell geworden. Am 5. April, dem diesjährigen Palmsonntag, gedenkt die Kirche der heiligen Juliana von Lüttich, die dazu beigetragen hat, dass im Fronleichnamsfest die Verehrung des Allerheiligsten einen festen Platz im Kirchenjahr erhalten hat.

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Als Waisenkind im Kloster der Augustinerinnen aufgewachsen

Juliana wurde 1191 oder 1192 im belgischen Lüttich geboren und wuchs als Waisenkind im Kloster der Augustinerinnen auf, wo sie um 1207 die Ordensgelübde ablegte. In diesen Jahren wurde die Realpräsenz Christi in der Eucharistie von den Theologen diskutiert; 1215 sprach sich das Vierte Laterankonzil für die Transsubstantiationslehre aus, die 300 Jahre später als Dogma definiert werden sollte. Juliana hatte mehrmals eine mystische Schau, die Papst Benedikt XVI., der der Heiligen die Katechese in der Generalaudienz am 17. November 2010 widmete, folgendermaßen beschrieb: In dieser Schau „zeigte sich der Mond in seinem vollen Glanz, von einem dunklen Streifen durchquert. Der Herr gab ihr die Bedeutung dieser Erscheinung zu verstehen. Der Mond symbolisierte das Leben der Kirche auf der Erde, die trübe Linie dagegen das Fehlen eines liturgischen Festes, für dessen Einführung Juliana sich tatkräftig einsetzen sollte: ein Fest, bei dem die Gläubigen die Eucharistie anbeten konnten, um den Glauben zu mehren, die Übung der Tugenden zu fördern und die Schmähungen des Allerheiligsten Sakraments zu sühnen.“

Erst nach 20 Jahren vertraute Juliana ihre Schau einer Mitschwester und einer Einsiedlerin an und schloss mit ihnen einen „geistlichen Bund“ zur Förderung der Verehrung des Allerheiligsten. Außerdem bat sie den Priester Johannes von Lausanne, die Meinung der Theologen über ihre Schau einzuholen. Der Bischof von Lüttich, Robert von Thorote, ließ daraufhin 1246 erstmals das Fronleichnamsfest in seiner Diözese feiern.

In ihrem Kloster stieß Juliana auf Widerstand, so dass sie es 1248 verließ und ihr letztes Lebensjahrzehnt in verschiedenen Klöstern verbrachte, wo sie sich weiter für die Verehrung der Eucharistie einsetzte. Sie starb am 5. April 1258 im belgischen Fosses-la-Ville, das Gesicht dem Allerheiligsten zugewandt, das in ihrem Sterbezimmer ausgesetzt war.

Ihr Leben lang setzte die Heilige Juliana sich für die Verehrung der Eucharistie ein

1261 wurde Urban IV. auf den Stuhl Petri gewählt, der Juliana zu Lebzeiten kennengelernt hatte. Als sich zwei Jahre später das Blutwunder von Bolsena ereignete – aus einer geweihten Hostie, die von einem Priester gebrochen wurde, der an der Realpräsenz Christi zweifelte, tropfte Blut –, beschloss er, das Fronleichnamsfest für die ganze Kirche einzuführen. „In der Einsetzungsbulle mit dem Titel Transiturus de hoc mundo“, so Benedikt XVI. in seiner Katechese, „verwies Papst Urban sehr zurückhaltend auch auf Julianas mystische Erfahrungen und bestätigte damit ihre Echtheit. So schreibt er: ,Wenngleich die Eucharistie jeden Tag gefeiert wird, so halten wir dafür, sie wenigstens einmal im Jahr ehrwürdiger und feierlicher zu begehen. Die anderen Dinge nämlich, derer wir gedenken, begreifen wir mit dem Geist und mit dem Verstand, erhalten aber deshalb nicht ihre Realpräsenz. In dieser sakramentalen Gedächtnisfeier Christi dagegen ist Jesus Christus, wenngleich unter anderer Gestalt, in seiner eigenen Substanz bei uns gegenwärtig. Denn bevor er in den Himmel aufgenommen wurde, sagte er: ,Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28, 20)‘.“

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