Heilige

Heilige Dismas - 25. März

In diesem Jahr fällt der Gedenktag des heiligen Dismas, des „rechten Schächers“, der zusammen mit Jesus gekreuzigt wurde , auf den 25. März. Wer war er?
Der heilige Dismas am Kreuz

Der Palmsonntag ist die feierliche Eröffnung der Karwoche, in der die Kirche von alters her des Leidens und Todes Jesu gedenkt. In diesem Jahr fällt er auf den 25. März, Gedenktag des heiligen Dismas, des „rechten Schächers“, der zusammen mit Jesus gekreuzigt wurde und dem Jesus am Kreuz verheißen hat: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Von den beiden „Schächern“ – ein heute veraltetes, nur noch im biblischen Bezug übliches Wort für „Räuber“ oder „Verbrecher“ –, die rechts und links von Jesus gekreuzigt wurden, berichten die drei synoptischen Evangelien. Bei Matthäus und bei Markus schließen beide sich dem Spott und der Verhöhnung Jesu durch das Volk an, nur Lukas differenziert zwischen ihnen: Während der „linke Schächer“ Jesus verhöhnt, indem er sagt: „Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns!“, weist der andere ihn zurecht mit den Worten: „Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“ Dann wendet er sich an Jesus und bittet: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“, woraufhin Jesus ihm die Aufnahme in das Paradies verheißt.

Das Neue Testament berichtet nichts weiter über den „rechten Schächer“, aber in mehreren apokryphen Evangelien wird seine Geschichte weiter ausgeschmückt. Im sogenannten „Nikodemusevangelium“ aus dem vierten Jahrhundert ist für ihn der Name Dismas überliefert, während der „linke Schächer“ Gestas genannt wird. Im „Arabischen Kindheitsevangelium“, das im sechsten Jahrhundert in Syrien verfasst wurde, heißt es an der Stelle, wo über die Flucht von Maria und Josef mit dem Jesuskind nach Ägypten berichtet wird: „Sie machten sich auf den Weg und kamen in eine Wüstenregion, wo, wie man sagte, Räuber ihr Unwesen trieben. Daher beschlossen Josef und Maria, die Region bei Nacht zu durchqueren. Plötzlich sahen sie am Wegrand zwei Räuber liegen und bei ihnen eine Menge weiterer Räuber, die schliefen. Die beiden Räuber hießen Titus und Dumacos [hier anstatt Dismas und Gestas]. Titus sagte zu Dumacos: ,Ich bitte dich: Lass sie gehen, damit sie an unseren Gefährten unbemerkt vorüberziehen können.‘ Als Dumacos sich weigerte, sagte Titus erneut: ,Nimm von mir 40 Drachmen, und nimm auch dies als Unterpfand.‘ Und er nahm seinen Gürtel und verschloss Dumacos den Mund, um ihn zum Schweigen zu bringen. Als Maria sah, mit welcher Güte dieser Räuber sie behandelte, sagte sie: ,Gott, der Herr, wird dich in seiner Rechten halten und dir die Vergebung deiner Sünden gewähren.‘ Der Herr Jesus sagte darauf zu seiner Mutter: ,In 30 Jahren, o Mutter, werden die Juden mich in Jerusalem kreuzigen, und diese beiden Räuber werden zusammen mit mir gekreuzigt werden, Titus zu meiner Rechten und Dumacus zu meiner Linken. Dann wird Titus mir in das Paradies vorausgehen.‘“

In der ebenfalls syrischen „Lehre des Apostels Addai“ aus dem vierten Jahrhundert wird von der Auffindung des Kreuzes des „rechten Schächers“ neben dem Kreuz Jesu berichtet, das dann erst nach Zypern und später nach Bologna überführt worden sein soll, wo bis heute Reliquien des Kreuzes des „rechten Schächers“ verehrt werden.

Der „rechte Schächer“ ist der Grund, warum Christus auf Ikonen sein Haupt stets nach rechts geneigt hält – er ist also in jeder Darstellung des Gekreuzigten präsent, wenngleich meist nicht sichtbar. In der Kunst werden die beiden Schächer oft an einem Y-förmigen Gabelkreuz – dem sogenannten „Schächerkreuz“ – dargestellt, und den apokryphen „Pilatus-Akten“ zufolge wurde der „rechte Schächer“ mitsamt seinem Kreuz vom Erzengel Michael im Paradies empfangen. Mit diesem Kreuz führt er auf Auferstehungsikonen auch die Schar der alttestamentlichen Heiligen an und geht ihnen voran ins Paradies.

Im Mittelalter standen an Galgenbergen häufig Bildnisse des „rechten Schächers“, wo Verbrecher vor ihrer Hinrichtung ein letztes Gebet sprechen konnten. Bis heute ist er der Schutzpatron der Sterbenden und der zum Tode Verurteilten.

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