Heilige

Der heilige Bronislaus Komorowski

Karfreitag 1940 wurden im KZ Stutthof Priester erschossen. Die SS- Männer verspotteten sie mit dem Hinweis auf den Tod Christi am Karfreitag.
Der heilige Bronislaus Komorowski
Foto: Rudolf H. Boettcher CC-BY-SA-4.0 | Der heilige Bronislaus Komorowski

Der Karfreitag des Jahres 1940 fiel auf den 22. März. An diesem Tag wurden nach einem Augenzeugenbericht mehrere Priester und weitere Angehörige eines Strafkommandos von einem Aufgebot an SS-Männern aus dem Konzentrationslager Stutthof bei Danzig geführt. Der Augenzeuge, ein Mithäftling, schreibt: „Wir hörten nichts mehr von ihnen.

Den letzten Tag vor ihrem Tode, wie auch schon früher häufig, hatten diese Priester die Abtrittsgrube leertragen müssen, die letzte Entweihung und Entwürdigung von Geistlichen. Und doch haben sie mit Geduld, ja mit Freuden ihr Leid getragen. Zugleich waren sie uns treue Kameraden; stets haben sie uns Mut zugesprochen.“ Die Gefangenen wurden erschossen, nachdem man sie höhnisch auf den Kreuzestod Christi am Karfreitag hingewiesen hatte. Eines der Opfer war der Priester Bronislaus Komorowski, der mit 107 weiteren Märtyrern aus der Zeit des Weltkriegs am 13. Juni 1999 von Johannes Paul II. in Warschau seliggesprochen wurde.

Bronislaus Komorowski wurde am 25. Mai 1889 geboren und wuchs als Sohn einer polnischen Gutsbesitzerfamilie im Kreis Preußisch Stargard auf, der 1920 Teil des Polnischen Korridors wurde. Er wurde mit 24 Jahren zum Priester geweiht und diente anschließend zehn Jahre lang als Seelsorger an der St. Nikolai-Kirche in Danzig.

Er war bei polnisch- und deutschstämmigen Gläubigen beliebt und ein gesuchter Beichtvater. 1924 wurde er offiziell zum Seelsorger der polnischen Katholiken in Danzig bestellt und wechselte in die Pfarrei St. Stanislaus. Die von ihm gegründete Bahnhofsmission wurde zu einem Zentrum der polnischen Kultur.

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Komorowski betätigte sich auch politisch; 1933/34 war er Stadtrat von Danzig. Zusammen mit Pfarrer Franz Rogaczewski – er wurde ebenfalls 1999 seliggesprochen – erlangte er im Oktober 1937 vom Bischof von Danzig, Eduard O'Rourke, die mündliche Zusage, polnische Personalpfarreien zu errichten. Dieser musste jedoch wenige Tage später auf Druck der Danziger Regierung, die unter dem Einfluss der Nationalsozialisten stand, seine Zusage zurücknehmen und reichte seinen Rücktritt ein.

Bronislaus Komorowski ist einer der zahlreichen Glaubenszeugen, deren Biografien im „Deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ enthalten sind, das im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz von Helmut Moll herausgegeben wird. Hier wird auch aus einem Dokument zitiert, das Komorowskis Martyrium – das auch zahlreiche weitere Priester betraf – anschaulich beschreibt: „In der Frühe des 1. September 1939 wurde Komorowski sofort von SS-Leuten verhaftet und in die Viktoriaschule gebracht.

Wie Gerüchte in der Danziger Bevölkerung meldeten, wurde er zusammen mit Pfarrer Rogaczewski schon hier besonders brutal behandelt. Darauf kam er in das Gestapohaus in Danzig-Neugarten: Hier wurden er und die anderen verhafteten polnischen Geistlichen vom Konsistorialrat Monsignore Fedtke im Auftrag des Danziger Bischofs Splett, der sich sehr um ihre Freilassung bemühte, aufgesucht. Er war im Gesicht stark zerschlagen. Nach irgendwelchen Wünschen befragt, hatte er nur ein Anliegen: ,Wenn man uns doch ein wenig menschlicher behandeln würde!‘ Nach wenigen Wochen wurde er nach Stutthof zur Errichtung des Konzentrationslagers abgeführt. Hier wurden alle katholischen Geistlichen besonders hart und zynisch behandelt.“

Derselbe Bericht beschreibt auch die unmenschliche Behandlung in den Strafkommandos: „Die Männer der Strafkommandos bekamen schlechtere und geringere Kost und Kleidung; sie mussten alle Arbeiten im Laufschritt verrichten; ihr Nachtlager war der kalte Fußboden ohne Stroh; fast jeden Abend wurden sie geschlagen.“

Bronislaus Komorowskis Leichnam wurde 1947 bei Bergungsarbeiten in Stutthof in einem Massengrab gefunden und auf dem Ehrenfriedhof für die Opfer des nationalsozialistischen Regimes im Danziger Stadtteil Zaspa feierlich beigesetzt.

 

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