Die seligen Märtyrerinnen von der Drina - 15. Dezember

In Bosnien und Herzegowina gibt es sieben katholische „Europaschulen“, in denen Kinder unterschiedlicher ethnischer Herkunft und Religionszugehörigkeit gemeinsam im europäischen Geist unterrichtet werden, unterstützt von Hilfswerken wie „Renovabis“ und „Kirche in Not“. Die Europaschule in Sarajewo liegt im Haus der „Kongregation der Töchter der christlichen Liebe“, die 1868 von der bayrischen Lehrerin Franziska Lechner ins Leben gerufen wurde. Hier ist auch die offizielle Gedenkstätte für fünf Schwestern der Kongregation, die 1941 das Martyrium erlitten. Ihr gemeinsamer Gedenktag ist der 15. Dezember.

Die älteste der fünf Märtyrerinnen war die 1865 im niederösterreichischen Enzersdorf geborene Sr. Berchmana Leidenix, die als Kind einer verarmten Familie selbst Zögling der Kongregation gewesen war, in die sie als junge Frau eintrat. 1883 wurde sie nach Sarajewo versetzt, wo sie als Lehrerin und in der Kinderkrankenpflege tätig war, dann nach Breške bei Tuzla, wo sie als „Türkenschwester“ bekannt wurde, da sie sich aufopfernd um kranke türkische Kinder kümmerte. Im Ersten Weltkrieg diente sie im Lazarett von Višegrad und kam 1923 schließlich als Novizenmeisterin nach Pale, wo später der Leidensweg der fünf Märtyrerinnen begann.

Oberin der kleinen Gemeinschaft war die 1893 geborene Sr. Jula Ivanišević, die aus einer kroatischen Bauernfamilie stammte. Sie war über lange Jahre hinweg mit verschiedenen Leitungsdiensten in der Kongregation betraut, da sie sich als sehr vernünftig und gleichzeitig liebevoll im Umgang mit Menschen erwies. Ihr besonderes Markenzeichen war die Fröhlichkeit: „Wo sie war, war Spaß und Lachen“, hieß es.

Die Slowenin Sr. Krizina Bonjac war sehr bescheiden, ernst und arbeitsam und erledigte Garten- und Stallarbeiten mit großem Pflichtbewusstsein. In der Region war sie ein Vorbild für Bäuerinnen, die von ihr lernten, durch fleißige und ausdauernde Arbeit den größtmöglichen Nutzen aus dem kargen Boden zu ziehen.

Aus Slowenien stammte auch ihre 1907 geborene Mitschwester Antonija Fabjan, die mit 30 Jahren ihre ewigen Gelübde ablegte. Sie war eine sehr schöne und kluge junge Ordensfrau, die mit großem Einsatz in der Haus-, Garten- und Stallarbeit tätig war. Zahlreiche Briefe belegen, dass sie im Kloster ein sehr glückliches und erfülltes Leben führte. Die jüngste der fünf Märtyrerinnen war die Ungarin Bernadeta Banja. Sie war 1912 geboren und legte mit 20 Jahren die ersten Gelübde ab. Zum Zeitpunkt des Martyriums war sie als Küchenschwester tätig. Sie erledigte die Küchenarbeit mit großer Hingabe und Fröhlichkeit, oft mit einem Lied zum Lob Gottes auf den Lippen.

Im April 1941 wurde die Region, in der Pale lag, zum „Unabhängigen Staat Kroatien“ erklärt, einem Vasallenstaat der Achsenmächte Deutschland und Italien. Dagegen rebellierte vor allem der serbische Teil der Bevölkerung. Am 10. Dezember stürmten sogenannte „Tschetniks“, verrohte serbische Milizen, das Kloster, um es zu plündern. Die fünf Schwestern wurden bei beißender Kälte in Hauskleidung über verschneite Bergpfade getrieben, um im 65 Kilometer entfernten Goražde vor Gericht gestellt zu werden, unter dem Vorwurf der Spionage und der Prostitution für die feindlichen Mächte. Bereits nach wenigen Kilometern versagten der 74-jährigen Sr. Berchmana, die von Mitschwestern gestützt auf Hausschuhen unterwegs war, die Kräfte. Sie musste unter dem Vorwand, man würde einen Schlitten für sie besorgen, zurückbleiben und wurde dann wahrscheinlich in einem Wald erschossen.

Die übrigen Schwestern erreichten am 15. Dezember Goražde, wo sie in einer Kaserne im dritten Stockwerk interniert wurden. Als in der Nacht betrunkene Milizen versuchten, sie zu vergewaltigen, sprangen die vier Ordensfrauen in äußerster Not aus dem Fenster in die Dunkelheit und blieben schwer verletzt am Ufer der Drina liegen, die dort vorbeifloss. Die wütenden Milizen erstachen sie und ließen sie liegen. Erst Tage später wurden ihre Leichen vom Fluss fortgespült. 2011 wurden die fünf Schwestern in Sarajewo als „Märtyrerinnen von der Drina“ seliggesprochen.

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