Wochenheiliger

Der selige Jan Balicki: Vorbild für die heutigen Priester

Papst Johannes Paul II. plädierte noch als Bischof dafür, Jan Balicki als Vorbild für die Priester der heutigen Zeit herauszustellen. Balicki war ein viel gesuchter Beichtvater und geistlicher Begleiter.
Seliger Jan Balicki
Foto: IN | Erzbischof Karol Wojtyla bat in einem Brief an Papst Paul VI. darum, den 1948 verstorbenen Jan Balicki als Vorbild für die Priester der heutigen Zeit herauszustellen. Im Jahr 2002 wurde Balicki seliggesprochen.

Am 22. Dezember 1975 schrieb Erzbischof Karol Wojtyla einen Brief an Papst Paul VI., in dem er diesen bat, den 1948 verstorbenen Jan Balicki als Vorbild für die Priester unserer Zeit herauszustellen. Balickis Seligsprechungsprozess war auf diözesaner Ebene 1959 eröffnet worden. 1974 wurde offiziell beglaubigt, dass seine Schriften nichts enthielten, was dem katholischen Lehramt widerspricht.

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Unterstützer der Kranken und Armen

1982 erklärte Johannes Paul II. Balicki zum Diener Gottes und sprach ihn zwei Jahrzehnte später, am 18. August 2002, auf seiner letzten Reise nach Polen selig. In seiner Predigt im Blonie-Park in Krakau sagte der Papst: „Der Dienst der Barmherzigkeit zeichnete das Leben des seligen Jan Balicki aus. Als Priester hatte er stets ein offenes Herz für die Bedürftigen. Sein Dienst der Barmherzigkeit kam nicht nur in der Unterstützung der Kranken und Armen zum Ausdruck, sondern mit besonderer Intensität im Dienst der Versöhnung, bei dem er mit viel Geduld und Demut stets bereit war, den reuigen Sünder an den Thron der göttlichen Gnade zurückzuführen.“

Der Gedenktag des seligen Jan Balicki ist der 15. März. Jan Balicki wurde am 25. Januar 1869 im südpolnischen Rzeszów geboren. Er trat mit neunzehn Jahren in das Priesterseminar in Przemysl ein und empfing am 20. Juli 1892 die Priesterweihe. Nach seiner einjährigen Kaplanszeit wurde er zur Fortsetzung seiner theologischen Ausbildung nach Rom gesandt, wo er vier Jahre lang an der Päpstlichen Universität „Gregoriana“ studierte. Er besuchte am Morgen die Vorlesungen, vertiefte das Gehörte nachmittags durch persönliches Studium – vor allem der Werke des heiligen Thomas von Aquin – und verbrachte dann Zeit in der Kapelle, um das Gelernte im Gebet zu vertiefen.

Gabe der Seelenschauung

Seine freie Zeit nutzte er, um die Kirchen und anderen heiligen Stätten in Rom zu besuchen. 1897 kehrte er an das Priesterseminar in Przemysl zurück, wo er über 50 Jahre lang blieb, bis zu seinem Tod. Die ersten drei Jahrzehnte unterrichtete er Dogmatik, wobei sein Anliegen nicht nur darin bestand, Wissen über Gott zu vermitteln, sondern vor allem seine Studenten zu Gott zu führen. Seine Vorlesungen waren Meditationen über die göttlichen Geheimnisse. Ab 1928 war er Rektor des Priesterseminars, wobei er besondere Aufmerksamkeit auf die geistliche Ausbildung und auf das Gebet legte, das auch bei seinen eigenen Entscheidungen immer im Mittelpunkt stand.

1934, im Alter von 65 Jahren, musste Jan Balicki aus gesundheitlichen Gründen die Leitung des Seminars und das Unterrichten aufgeben, wurde aber ein gesuchter Beichtvater und geistlicher Begleiter. Er hatte die Gabe, tief in die Seelen derer zu schauen, mit denen er geistliche Gespräche führte, und nutzte die Beichte, um Menschen zum geistlichen Wachstum zu bringen. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, versuchte er zunächst, die Seminarausbildung weiterzuführen, musste sich aber schließlich in ein Zimmer in der Bischofsresidenz zurückziehen.

Entwickeler von sieben Stufen für den Fortschritt
im geistlichen Leben

Er widmete seine Studien dem mystischen Gebet und entwickelte sieben Stufen für den Fortschritt im geistlichen Leben: einen ernsthaften Zugang zum Leben; Bereitschaft zur Selbstkritik; unerschütterliches Vertrauen in das Gebet; Freude im Geist; Liebe zum Leiden; Lobpreis der göttlichen Barmherzigkeit und beständige Selbstverbesserung.

Im Februar 1948 verschlimmerte sich sein Gesundheitszustand. Er wurde in das Krankenhaus von Przemysl eingewiesen, wo er am 15. März 1948 im Ruf der Heiligkeit starb. „Zu seinem Gedenken rufe ich den Priestern und Seminaristen zu: Brüder, bitte vergesst nicht, dass ihr als Ausspender des göttlichen Erbarmens große Verantwortung tragt“, sagte Johannes Paul II. bei seiner Seligsprechung. „Bedenkt auch, dass Christus selbst euch mit der durch Schwester Faustyna vermittelten Verheißung tröstet: ,Sage Meinen Priestern, dass verhärtete Sünder durch ihre Worte reumütig werden, wenn sie von Meiner unergründlichen Barmherzigkeit sprechen, vom Erbarmen, das Ich für sie im Herzen habe‘.“

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