Heilige

Der selige Dedë Maçaj 

Ein Opfer der Verfolgung in Albanien unter Enver Hoxha.
Selige Dedë Maçaj
Foto: IN | Sel. Dedë Maçaj

Im September 2014 besuchte Papst Franziskus Albanien. Seine Fahrt durch die Hauptstadt Tirana führte ihn vorbei an den monumentalen Porträts von 38 Märtyrern, die zwischen 1945 und 1974 Opfer des kommunistischen Regimes des Balkanstaates geworden waren. Erst 1991 wurde die Religionsausübung wieder zugelassen. 2016 wurden die 38 Märtyrer seliggesprochen. Einer von ihnen ist der selige Dedë Maçaj, dessen Gedenktag die Kirche am 28. März feiert. 

Geboren in Nordalbanien

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Dedë Maçaj wurde am 5. Februar 1920 in dem nordalbanischen Dorf Mal i Jushit geboren. Er besuchte das Jesuiteninternat in Shkodra, wo er anschließend in das Priesterseminar eintrat. Seine theologischen Studien absolvierte er an der Päpstlichen Universität „Urbaniana“ in Rom: Hier wurde er 1944 zum Priester geweiht. Im selben Jahr wurde die deutsche Besatzungsmacht aus Albanien vertrieben und Enver Hoxha begann, mit Hilfe von Jugoslawien und der Sowjetunion ein diktatorisches Regime aufzubauen. Sofort begann die Verfolgung der Kirche mit der Konfiszierung von Kirchengütern und der Errichtung einer Nationalkirche. Kirchlichen Würdenträgern wurden alle Auslandskontakte untersagt. 

In diesem Klima der Unterdrückung trat Dedë Maçaj 1945 seinen ersten priesterlichen Dienst in seiner Heimat an, als Kaplan an der Kathedrale von Shkodra, musste aber schon kurze Zeit später eine Pfarrstelle in Sheldija übernehmen, nachdem der dortige Pfarrer am 25. März 1945 erschossen worden war. Wenig später wurde der 25-Jährige zum Militärdienst eingezogen, als Fahrer eines Sanitätsfahrzeugs. 

Spionageverdacht

Als Priester, der einige Jahre in Rom verbracht hatte, geriet Dedë Maçaj schon bald in den Verdacht, für den Vatikan Spionagearbeit zu leisten. Aus diesem Grund wollte man ihn eliminieren und wartete nur auf eine günstige Gelegenheit. Diese kam, als er mit dem Sanitätsfahrzeug einen Unfall hatte und verspätet in die Kaserne zurückkam. Er wurde der Sabotage angeklagt, gefangengenommen und zwei Wochen lang grausam gefoltert. 

Am 28. März wurde er vor seine Truppe geführt, die ihn kaum wiedererkannte, da er völlig entstellt war, und der für das Verhör verantwortliche Funktionär fragte die Soldaten: „Was hat dieser gefährliche Vatikanspion verdient?“ – „Dass man ihm den Schädel einschlägt“, kam es von den linientreuen Männern zurück. Es erinnerte auf fatale Weise an das Gespräch zwischen Pilatus und dem Volk vor der Verurteilung Christi. Man legte ihn in Ketten und führte ihn vor die Hinrichtungsmauer. Als acht Soldaten das Gewehr auf ihn anlegten, kniete Dedë Maçaj nieder, um zu beten. Der Beamte befahl ihm, wieder aufzustehen, aber er antwortete energisch: „Lasst mich in Ruhe“, und setzte sein Gebet fort. Schließlich erhob er sich und sagte: „Vor Gott, in dessen Gegenwart ich jetzt gehe, und vor euch, liebe Soldaten, erkläre ich, dass ich aus Hass gegen die katholische Kirche ermordet werde. Und ich sage das ohne Bitterkeit und ohne Hass gegen jene, die mich erschießen werden. Es lebe Christus, der König! Es lebe der Papst!“ 

Tod mit 27 Jahren 

Dann ging eine erste Gewehrsalve auf ihn nieder, aber keine Kugel traf ihn. Einige riefen: „Er ist unschuldig, lasst ihn gehen!“, aber andere schrien noch lauter: „Jagt ihm eine Kugel in den Kopf!“ Erst an diesem Punkt fiel der Priester leblos zu Boden. Er starb mit nur 27 Jahren.

„Die Kommunisten wollten Gott in ganz Albanien ausradieren, aus der Geschichte des Landes, aus dem öffentlichen und dem privaten Leben“, sagte der Erzbischof von Shkodra, Angelo Massafra, anlässlich der Seligsprechung der 38 albanischen Märtyrer. „Alle kirchlichen Gebäude waren geschlossen, alle Kreuze verbannt, schon 1946 hatten sie die katholischen Schulen und Seminare dichtgemacht; sie hatten Kulturgüter und Möbel beschlagnahmt. Bis heute haben sie uns einen Großteil des Bücherschatzes unserer Bibliotheken nicht zurückgegeben. Uns haben sie mit Mikrofilmen abgespeist, während die Bücher noch immer im staatlichen Zentralarchiv in Tirana stehen. Die katholische Kirche hat in dieser Zeit also sehr gelitten, sich aber niemals dem Diktator gebeugt.“ 

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