Olpe

09. Februar: Die selige Maria Theresia Bonzel

„Er (Gott) führt, ich gehe“: Unter diesem Leitspruch stand das Leben von Regina Christine Wilhelmine Bonzel, kurz „Aline“ genannt, vom Tag ihrer Erstkommunion an.

In der Anbetungskapelle der Martinus-Kirche in Olpe ruhen seit dem 12. November 2013 die sterblichen Überreste von Maria Theresia Bonzel. Sie wurden zwei Tage nach ihrer Seligsprechung im Hohen Dom zu Paderborn aus der Kapelle des Mutterhauses der von ihr gegründeten „Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung“ hierher überführt. Als der Aufbau der Kongregation im späten 19. Jahrhundert durch den Kulturkampf in Preußen überschattet wurde, erweiterte die Ordensgründerin ihren Aktionsradius auf die Vereinigten Staaten. „So erwies sich die Verfolgung in Deutschland als großer Segen für die Kirche in Amerika“, liest man auf der Webseite der amerikanischen Ordensprovinzen der „Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung“, die den Gedenktag ihrer Gründerin zusammen mit ihren Schwestern im Mutterhaus im sauerländischen Olpe und andernorts am 9. Februar feiern.

Mit 20 Jahren Gelübde der Ehelosigkeit

„Er (Gott) führt, ich gehe“: Unter diesem Leitspruch stand das Leben von Regina Christine Wilhelmine Bonzel, kurz „Aline“ genannt, vom Tag ihrer Erstkommunion an. Am 17. September 1830 in einer wohlhabenden Olper Familie geboren, sandten ihre Eltern sie auf die höhere Schule der Ursulinen in Köln, wo ihr Wunsch heranreifte, Ordensfrau zu werden. Nach dem frühen Tod des Vaters hoffte ihre Mutter jedoch auf einen gutsituierten Schwiegersohn und die damit verbundene wirtschaftliche Absicherung der Familie. So war Aline zunächst hin- und hergerissen, legte aber mit 20 Jahren ein Gelübde der Ehelosigkeit ab und trat in den Drittorden des heiligen Franziskus ein, wo sie den Namen „Maria Theresia“ bekam. Sie schloss sich einem karitativen Verein zur Unterstützung mittelloser kranker Menschen in Olpe an und wurde 1857 seine Vorsitzende.

Zwei Jahre später folgte ein entscheidender Schritt: Zusammen mit ihrer Jugendfreundin Regine Löser und der Lehrerin Clara Pfänder mietete Maria Theresia ein Zimmer im Haus einer Witwe, wo die drei ein klösterliches Leben begannen. Im Mittelpunkt ihrer Spiritualität stand die eucharistische Anbetung, was Maria Theresias fester Überzeugung entsprang, dass nur die Kontemplation wirklich die Augen für die Welt öffnet. Die junge Gemeinschaft wuchs schnell an; so kam es zur Gründung der „Kongregation der Franziskanerinnen, Töchter der hl. Herzen Jesu und Mariä“. Ihre karitative Tätigkeit war vor allem auf notleidende Kinder gerichtet. Sie gründeten das erste Waisenhaus im Sauerland und waren bald als die „Waisenschwestern“ bekannt.

1863 als selbstständige Kongregation anerkannt

Als das Mutterhaus 1863 nach Salzkotten verlegt wurde, kam es zu Spannungen, die der Bischof von Paderborn, Konrad Martin, dadurch löste, dass er den in Olpe verbliebenen Teil der Schwestern als selbstständige Kongregation anerkannte, die jetzt den Namen „Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung“ erhielt. Maria Theresia wurde zur ersten Generaloberin und blieb bis zu ihrem Tod in diesem Amt.

In den 1870er Jahren wurde die karitative Arbeit der Schwestern durch den Kulturkampf erheblich behindert, da sie keine erzieherischen Aufgaben mehr wahrnehmen und keine neuen Kandidatinnen aufnehmen durften. In dieser Situation nahm Maria Theresia die Einladung des Bischofs von La Fayette im amerikanischen Bundesstaat Indiana an und entsandte sechs Schwestern in seine Diözese. Die Kongregation wuchs auch dort schnell an, Mutter Maria Theresia selbst reiste dreimal in die Vereinigten Staaten.

Ordensoberin mit großer Weitsicht und Praxisbezogenheit

Maria Theresia Bonzel war eine Ordensoberin mit großer Weitsicht und Praxisbezogenheit. 1902 gründete sie als eine der ersten Frauen eine GmbH, um die Arbeit der Kongregation wirtschaftlich und rechtlich abzusichern. Heute sind die „Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung“ in Deutschland, den Vereinigten Staaten, in Brasilien und auf den Philippinen tätig. Ihre Arbeit erstreckt sich auf verschiedene soziale und pastorale Bereiche, stets mit dem geistlichen Anliegen, „durch ,ständige Anbetung‘ und die Feier der Eucharistie Gott und den Menschen nahe zu sein und so eine feste Verbindung zwischen diesen zu schaffen“. Mutter Maria Theresia Bonzel, die seit ihrem 20. Lebensjahr an herzkrank war, starb am 6. Februar 1905 in Olpe.

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