Mehr als die Schwarzwaldklinik

Das Glottertal am Westrand des Schwarzwaldes ist ein ideales Herbstreiseziel. Von Sabine Ludwig
Foto: Enric Boixadós | Andrea Fischer: Mit ihrem Heu-Hostel hat sie sich einen Traum verwirklicht.
Foto: Enric Boixadós | Andrea Fischer: Mit ihrem Heu-Hostel hat sie sich einen Traum verwirklicht.

Schwarzwald, Glottertal. Ein weißes Golf-Cabrio steht vor dem Eingang zur Schwarzwaldklinik. Dr. Udo Brinkmann sitzt am Steuer, eine lächelnde junge Dame winkt ihm nach. Immer noch viele Menschen erinnern sich an diese Szene vor rund 30 Jahren, und natürlich an die Filmmusik. Ein Ohrwurm. „Die Schwarzwaldklinik“ war die TV-Serie der 1980er Jahre. Damals kannte sie jeder, nicht nur wegen ihrer charmanten Hauptdarsteller Sascha Hehn und Klausjürgen Wussow. Vielmehr entführte die Serie in eine Traumwelt inmitten der herrlichen Kulisse des Schwarzwaldes.

Glottertal heute. Die Klinik gibt es immer noch. Heute ist der Zugang allerdings beschränkt. Ein psychosomatisches Sanatorium nutzt ihre Räume. „Ende der 1980er Jahre kamen die meisten Serienfans“, sagt Andrea Würzburger von der Tourist-Information. „Hinzu kam die Grenzöffnung und mit ihr die Anhänger aus der früheren DDR.“ Heute kommt die Mehrheit der Gäste wegen der Vielfalt der Landschaft. Denn im Glottertal seien alle Jahreszeiten schön. Hinzu kämen das angenehme Klima und die Lage. „Alle Hotels bieten Gästekarten für die kostenlose Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel an. Im Nu ist man in Freiburg oder Basel.“ Den Herbst im Glottertal zu erleben sei schon etwas ganz Besonderes. „Bunte Blätter, die Weinreben an den Steilhängen und oben schließen sich die Wälder an“, schwärmt Würzburger.

So sieht es auch Hermann-Josef Strecker. Der Hotelier und Besitzer vom Hotel Hirschen ist viel in der Welt herumgekommen. Der gelernte Koch hat es bis ins Pariser Maxim's gebracht. Die Heimat hat er nie vergessen und für ihn war schon immer klar gewesen, das Familienhotel zu übernehmen. „Ich bin schon die vierte Generation. Das Hotel ist seit 1895 im Familienbesitz.“ Ganz jung sind die Stammgäste nicht mehr. „Wichtig ist uns die persönliche Begegnung und das Wohlergehen unserer Besucher. Viele kennen wir schon seit Jahren.“ Heute steht Strecker noch selbst mit in der Küche. Heimisches Wild als Spezialität und Wein aus eigenem Anbau stehen auf der Speisekarte. „Viele Gäste kommen nur wegen dem Essen zu uns. Beim Abendessen freuen sie sich schon wieder aufs Frühstück!“, lacht der 56-Jährige.

Ein paar Kilometer entfernt auf dem Kandel, dem Hausberg des Glottertals, liegt die Gummenhütte. Hier haben sich Andrea Fischer und Andreas Beha mit einem Heu-Hostel ein kleines Paradies geschaffen. Zu Recht stolz sind sie auf die 34 Betten im ehemaligen Kuhstall. Als es im April mit dem Umbau losging, war der Arbeitsaufwand kaum zu schaffen. „Das Anwesen war stark vernachlässigt, und wir haben jede Menge Abfall ins Tal schaffen müssen“, sagen die beiden Pächter. Als Hirten ist das Paar auch für rund 80 Kühe zuständig, die den Sommer auf den Weiden verbringen. Die Idee, ein Heu-Hostel zu eröffnen, kam zufällig. „Wir haben hier oben immer viel Besuch und uns oft gefragt, wo wir die Gäste unterbringen können“, schmunzelt Fischer. Der Gedanke des Heu-Hostels nahm seinen Anfang. Lebensgefährte Andreas war gleich begeistert, zumal er als Koch und Bäcker die idealen Voraussetzungen hat. Und Fischer wurde auf einem Bauernhof groß. Die Umsetzung ihres Traumes war für das junge Paar nur noch eine Frage der Zeit. „Für nächstes Jahr planen wir eine Desensibilisierung für Heuschnupfen-Patienten. Dazu arbeiten wir mit den Krankenkassen zusammen.“

Udo Opel bereitet sich auf die nächste Weinprobe vor. Der Laden der Winzergenossenschaft hat auch am Wochenende geöffnet. Der Glottertaler leitet den Betrieb seit 24 Jahren. „Ich bin sozusagen mit der Flasche groß geworden“, grinst der gelernte Küfer. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt. „Auch immer mehr Asiaten kaufen unseren Wein. Sie sind vor allem vom Spätburgunder begeistert.“ Dieser wird im Glottertal hauptsächlich produziert, die Anteile von Grauburgunder, Müller-Thurgau und Riesling sind viel geringer. „Weinanbau gibt es hier schon seit dem Jahr 1385“, ergänzt Opel.

„Die Reben wachsen auf Granitgestein, und der Geschmack ist etwas ganz Besonderes.“ Sein ganz persönlicher Tipp sei der Rosé-Feinherb, der nicht nur zu Salaten passe, sondern auch zu Meeresfrüchten und Geflügel. Weinproben gehören zu Opels Tagesgeschäft.

Für jeden Geschmack bietet er das Richtige an: Führungen im Weinberg, Fünf-Gänge-Menüs mit passenden Tropfen oder auch mal Weinproben ganz rustikal im Heu. „Hier können wir alles organisieren!“

Das idyllisch am Ortseingang gelegene Hotel zum Kreuz ist ein über 300 Jahre alter Familienbetrieb. Er gehört zur Gruppe der Naturpark-Hotels. „Wir haben uns verpflichtet, nur regional zu produzieren“, sagt Juniorchef Karl-Heinrich Kunz. „Das ist der einzige Weg für uns. Das Glottertal und seine Umgebung bieten einfach alles. Wir haben das Schlaraffenland vor der Tür“, sagt der gelernte Koch. Für seine Gäste hat er daher auch besondere Ernährungsformen parat. Von vegan bis laktosefrei. „Wir haben viele ernährungsgeschädigte Kunden.“ Der Familienbetrieb hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben. „Wir werden auch so wahrgenommen. Die Gäste kommen, da wir noch viel Wert auf die guten alten Dinge legen.“ Die Eltern sind immer dabei, plaudern mit den Gästen, erkundigen sich nach ganz besonderen Essenswünschen oder kümmern sich um die drei Kinder des 32-Jährigen. Kunz hat schon im Alter von 15 Jahren mit einer Kochlehre begonnen. Nach Aufenthalten in der Schweiz und Neuseeland kam er in die Heimat zurück. Denn zuhause wartete nicht nur die Familie auf ihn, sondern auch das jahrhundertealte Traditionshaus.

Schlemmen, Wandern sowie Kultur in den nahen Orten und dazu eine Prise Schwarzwälder Herzlichkeit. Das Richtige für einen Kurzurlaub, um vor dem Winter noch einmal richtig aufzutanken.

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