Berlin

Sind Eltern Klimasünder?

Der Umwelt zuliebe auf Kinder verzichten? Die Frage des ARD sorgt für eine Welle der Empörung in sozialen Netzwerken.

Sendungswerbung des ARD
Ein Auszug aus dem YouTube-Video der aktuellen ARD-Themenwoche, in der es unter anderem behauptet wurde, dass Kinder die Ressourcen der Erde verbrauchten und es daher umweltfreundlicher sei, keine Kinder zu bekommen. Foto: youtube

Der Mensch als Krone der Schöpfung? Was als unhinterfragbare Wahrheit gilt, stellt der öffentlich-rechtliche Sender ARD während seiner Themenwoche, die unter dem Motto „Wie wollen wir leben?“ steht, in Frage. Vom fünfzehnten bis zum einundzwanzigsten November zeigt „Das Erste“ unterschiedliche Formate, die sich mit der Zukunft des Menschen und der Erde in Anbetracht von globalen Krisen wie der Corona-Pandemie und den Umweltproblemen auseinandersetzen. Da darf das Porträt „Ich bin Greta“ über die Umweltaktivistin Greta Thunberg nicht fehlen und auch nicht ein neuer, dystopischer Fernsehfilm mit dem Titel „Ökozid“. Der Aufreger ist allerdings ein Kurzfilm, der die Frage in den Raum wirft: „Was ist Dir wichtiger? Eigene Kinder oder die Ressourcen der Erde?“ Dieser wurde am Montag auf den diversen sozialen Medien, wie Twitter und Facebook, von ARD hochgeladen.

Fünf bekannte Fernsehmoderatoren äußern darin ihre Meinung, ob sie, der Umwelt zuliebe, auf das Kinderkriegen verzichten würden. „Ich habe keine eigenen Kinder, deshalb kann ich ganz cool sagen: mir sind die Ressourcen der Erde wichtiger.“ erklärt die Komikerin Carolin Kebekus, die im Juli mit einem kirchenkritischen Video die Aufmerksamkeit auf sich zog. Ariane Alter gibt zu, dass sie sich trotz dem vermehrten CO2-Ausstoß für Kinder entscheiden würde – jedoch „mit einem schlechten Gewissen“. Auf der längeren YouTube-Version kommen auch Passanten zu Wort.

„Es kotzt mich an, wie Kinder
und damit Familien diffamiert werden.“

In den Kommentarbereichen der sozialen Netzwerke wurde auf die Frage und das Video empört reagiert. Ein Vorwurf, der immer wieder fällt, ist, dass hier Umweltschutz und Kinder gegeneinander ausgespielt werden. Eltern mit mehreren Kindern fühlen sich durch das Video persönlich angegriffen. Die Autorin Birgit Kelle schreibt auf ihrem Twitter-Account „Es kotzt mich an, wie Kinder und damit Familien diffamiert werden.“ Der Leiter des Gebetshauses Augsburg, Johannes Hartl, bezeichnet den Inhalt als „Antihumanismus“. Auch der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak lässt kein gutes Haar an dem Film: „Was für eine absurde und weltfremde Debatte!“, twittert er.

Das ARD möchte beschwichtigen. Mitarbeiter schreiben als Anmerkung, dass die Fragen in dem Film bewusst formuliert sind, um zum Nachdenken und zum Austausch anzuregen. Daher werde ja auch gleich zu Beginn des Videos der Satz „Das ist ja unverschämt, diese Frage!“ eingespielt. Aufregung und Empörung hin und her: Fest steht, dass die ARD es geschafft hat, mit dem kleinen Filmchen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Neu ist das Thema freilich nicht. 2017 sorgte beispielsweise eine Studie für Furore, die besagte, dass der Verzicht auf ein Kind mehr als zehnmal so viel CO2-Emissionen einspart wie der Verzicht auf ein Auto.

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