Hamburg

Meinungsmacher für Millenials 

Medien wie funk und bento sprechen die Generation YouTube an. Die Themen sind vor allem der Job, Drogen und Sex. Die Art der Aufbereitung und die ideologischen Ansätze sind mindestens diskussionswürdig.

Jugendkanal funk- Multimediales Angebot von ARD und ZDF
funk ist ein multimediales Angebot für Jugendliche von ARD und ZDF. Foto: Maurizio Gambarini (dpa)

Bei den Medien trennen sich schon lange die Generationen. Es lohnt einen Blick, welche Medien die Jugend ansprechen und welche Themen diese fokussieren. Sex und Liebe, Musik und Popkultur, Politik und Meinung, Sport und Lifestyle. Da liegen die Schwerpunkte, wenn man bento, vice oder funk anschaut. Es sind reichweitenstarke Medien, die viele junge Nutzer ansprechen. Auf vice dominieren die harten und schmutzigen Themen. Sex, Drogen und Party beherrschen das Bild. Die Printausgabe von vice liegt kostenlos in Kneipen aus. Die Videoabteilung des Projekts liefert auch Beiträge für öffentlich-rechtliche Sender. 

Die Themen der Magazine sind die Themen der Jugend: Klima, Schminke, Sex, Gender und Transsexualität stehen hier ganz selbstverständlich nebeneinander. Das bewegt die um die Jahrtausendwende geborene Generation. Im Augenblick nimmt auch Corona in verschiedenen Zusammenhängen breiten Raum ein. Jobsuche nach der Uni – macht Corona mir alles kaputt? Die Pizza wird jetzt gebracht. Aber es gibt auch Rezepte zum Selberkochen. Tipps und Livestylethemen wechseln sich munter ab. Fakten zu Job, Ausbildung und Schule ergänzen den Reigen. Gemacht wird sowas von Medienprofis. Das stylische Design und der manchmal amateurhafte Nimbus sind bis ins Letzte durchdacht. Die Zielgruppe tickt genau so, also bedient man sie so. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. 

joyn streamt Videos. Im Unterschied zu Netflix, wo alle Inhalte Geld kosten, gibt es hier einen großen freien Bereich. Man greift dazu auf Produktionen aus dem Fundus der Eigner zurück. Die Mediatheken der zur Gruppe gehörenden Sender können direkt aufgerufen werden, ohne das Portal zu verlassen. joyn ist ein Unterhaltungsmedium. Wer wissen will, was Generation Z unter guter Unterhaltung versteht, wird auf joyn fündig. Leichte Unterhaltung, Serien über Sonne, Sand und Segelboote dominieren die erste Zeile der angebotenen Videos. Auch hier wieder Liebe, Musik, Luxus, das Leben zeigt sich von seiner hedonistischen Seite. 

Heiß und hart  - Gefühle sind Sex

Heißer und härter wird es, schaut man unter die Rubrik „Gefühle“ bei bento oder „Sex und Liebe“ bei funk. Zwischen dem, was die Kirche über Sexualität und Beziehungen lehrt und dem, was bento und funk verbreiten, liegen Universen. Mehrere! vice liegt noch weiter weg. Hier rezensiert man Sexspielzeuge wie andere Magazine Bücher. Es ist die Ernsthaftigkeit solcher Rezensionen, die einen ratlos werden lässt. „Wie ist es, wenn man queer aufwächst?“, fragt man dort in Videos. Alles ist erlaubt und alles ist gut. Selbst Inzest wird auf diesen Portalen neutral thematisiert und die Frage aufgeworfen, wie weit man gehen kann. LGBT+ und Gender sind der Normalfall. Etwas Aufregung erzeugte ein Video auf funk, in dem junge Frauen ganz offen darüber sprachen, warum es besser ist, sich sterilisieren zu lassen. Der Aufreger entstand, weil dieses Video die Filterblase der Nutzer durchdrang. In der Altersgruppe wird ganz offen diskutiert, ob man nicht besser für das Klima auf Kinder verzichtet. 

Drogen sind ein selbstverständlicher Bestandteil der Kultur dieser Magazine. Die Frage auf vice, was passiert, wenn man die 500fache Dosis LSD nimmt, findet eine geradezu abstruse Auflösung. Bei einer jungen Frau wird dadurch angeblich eine manisch-depressive Störung geheilt. Wenn es denn stimmt, ist es trotzdem ein Spiel mit dem Feuer. Ausgesprochen fragwürdig ist es, eine solche Räuberpistole so unkritisch zu erzählen. LSD ist eine psychedelisch wirkende Droge, die schon in „normaler“ Dosierung alles andere als ungefährlich ist. Die Droge soll unbedingt normal sein. Dazu ist jedes Mittel recht. Wer von Freitag bis Sonntag durchtanzen will, muss sich aufputschen. Das ist die Botschaft und die Wirklichkeit. 

Die ARD muss sich fragen lassen,
mit welcher Berechtigung so etwas
aus Rundfunkgebühren finanziert wird. 

 

Erziehung zu kritischer Distanz

Gut und nützlich ist es, um die Existenz dieser Medien zu wissen. Sie zu konsumieren empfiehlt sich allerdings nicht. Erst recht nicht, wenn man die vorgesehene Altersgrenze überschritten hat. Seine Kinder sollte man tunlichst davon fernhalten, wenn es denn möglich ist. Lässt sich der Konsum nicht vermeiden, weil die Peergroup es nicht zulässt, hilft nur die unbedingte Erziehung zu kritischer Distanz. Eines Urteils sollte man sich enthalten. Es wäre kontraproduktiv. Diese Art Medien erreichen die junge Generation und wollen sie in ihrem „So-sein“ konservieren. Die Kinder müssen entdecken, dass Entwicklung ebenso wie kritische Distanz zum Mainstream dort nicht vorgesehen ist. Das ist zugleich die Gefahr und die Chance. Hat ein junger Mensch diese Einsicht gewonnen, wächst die Distanz zu solcherlei eindimensional hedonistischen Inhalten sehr schnell. 

Wo die Quellen dieser Medien sprudeln

Es lohnt sich, die Quellen zu suchen, aus denen diese Medien hervorsprudeln. bento gehört dem Spiegel. vice ist ein internationales Projekt, das einer kanadischen Gruppe gehört. joyn schließlich gehört zur Mediengruppe ProSiebenSat.1 Media und Discovery. Es ist ein Streamingdienst für eben jene Zielgruppe, die auch die anderen Medien anspricht. funk.net ist ein Projekt der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Betrieben wird es vom SWR. Allein schon das Konstrukt einer Anstalt öffentlichen Rechts in einen Satz mit einem derartigen Projekt zu bringen, sprengt das Denken vieler User von funk. Den Rundfunkbeitrag zahlen die Eltern auch dann, wenn sie solche Medien ablehnen. 

Ein Blick zurück auf die Inhalte muss Fragen aufwerfen. Abtreibung beispielsweise sehen alle diese Portale als logische Verlängerung der Verhütung an. Verhütung ist ohnehin der Normalfall. Beim Sex ist erlaubt, was gefällt. Wer nur ein wenig ehrlich zu sich selber ist, gesteht sich ein, dass die Kirche hier nicht nur den Anschluss verloren hat, sondern überhaupt nicht mehr als eine Organisation wahrgenommen wird, die dazu etwas zu sagen hat. Bei einem Spiegelderivat wie bento darf das nicht verwundern. Ein Projekt der öffentlich-rechtlichen Anstalten muss mit solchen Inhalten Stirnrunzeln auslösen, denn die Kirche sitzt im Rundfunkrat. Die ARD muss sich fragen lassen, mit welcher Berechtigung so etwas aus Rundfunkgebühren finanziert wird. 

 

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