Würzburg

Ende einer Ära

Nach 20 Jahren: Prälat Günter Putz tritt als Mitherausgeber der „Tagespost“ zurück.

Würzburger Domdekan Prälat Günter Putz
Prälat Günter Putz wurde als Herausgeber der "Tagespost" verabschiedet.

Man kann es getrost das Ende einer Ära nennen: Nach zwanzig Jahren scheidet Prälat Günter Putz als Herausgeber, zuletzt Mitherausgeber dieser Zeitung aus. Der Würzburger Diözesanpriester hatte die Aufgabe, über die Einhaltung der vom Gründer vorgegebenen Zeitungslinie und die katholische Rechtgläubigkeit zu wachen, in stürmischen Zeiten übernommen. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt des Konflikts um die Ausstellung eines kirchlichen Beratungsscheins innerhalb des staatlichen Systems, war es zum Zerwürfnis zwischen Redaktion und dem seinerzeitigen Herausgeber Prälat Wilhelm Schätzler gekommen. Zu unterschiedlich waren die Auffassungen. Die Redaktion unter Chefredakteur Guido Horst folgte der Linie Papst Johannes Pauls II. und Kardinal Joseph Ratzingers, Schätzler, lange Jahre Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, wollte die Lehmann-Linie durchsetzen. Die Mehrheit der Leser reagierte auf entsprechende Versuche empört. Die Leserbriefseiten quollen über. Irgendwann wurde die Situation unhaltbar. Schätzler musste gehen, Putz kam. Mit seiner Berufung war seitens der Eigentümer die Hoffnung verbunden, die Wogen zu glätten. Und sie glätteten sich. Der neue Herausgeber trug die Linie Roms in Sachen Schwangerenkonfliktberatung aus Überzeugung mit und stellte so den Redaktionsfrieden wieder her.

Für eine Kirche der Inhalte

Römisch, weltkirchlich und so selbstverständlich wie reflektiert katholisch von seiner Haltung her, begleitete der gebürtige Würzburger seitdem das Wirken der Redaktion unter verschiedenen Chefredakteuren. Das Tagesgeschäft überließ er dabei den Mitarbeitern. Ihm lag vor allem daran, das Katholische vor eitler Vereinnahmung zu schützen. Auf den Übergang von einer Kirche der bloßen Repräsentation hin zu einer Kirche der Inhalte komme es an, predigte er anlässlich einer Dankeswallfahrt für 70 Jahre „Tagespost“ 2018 in Rom. Gemeint war damit nicht etwa ein Aufruf zu liturgischem Minimalismus, sondern die Mahnung, das Wesentliche von Glaube und Kirche nicht aus den Augen zu verlieren. Diese Gefahr sah Putz nicht etwa nur im Zuge des Synodalen Wegs gegeben, sondern auch da, wo zur Schau getragene Orthodoxie und Selbstdarstellung Hand in Hand gingen.

Er begriff „Die Tagespost“ deshalb nicht als klerikales Projekt zur eigenen Profilierung, sondern entsprechend den Intentionen des Gründungsverlegers Naumann als Ausdruck eines vom Glauben inspirierten Laienapostolates. Von dieser Überzeugung her regte er 2019 an, nicht mehr alleiniger Herausgeber der Zeitung zu sein, sondern im Rahmen eines sonst aus Laien bestehenden Herausgebergremiums Mitherausgeber zu werden. Seither firmieren die Mitglieder des Stiftungsrates der Johann Wilhelm Nauman Stiftung, der Eigentümerin der „Tagespost“, als Herausgeber im Impressum der Zeitung. Mit seinem 70. Geburtstag im März dann beschloss Prälat Putz kürzerzutreten und gab intern bekannt, sich bis Ende Juli ganz von allen „Tagespost“-Aufgaben zurückziehen zu wollen. Seine Ämter als Leiter des Schulreferates des Bistums Würzburg und Domdekan hatte er da schon abgegeben.

„Das Ausscheiden aus dem aktiven Dienst und die Zeitnahme für das In-Blick-nehmen des eigenen Lebens.
Für ,Die Tagespost‘ ist dieser Geburtstag Anlass, erneut die Zeit, die Welt, die Kirche in Blick zu nehmen
und aus der Glaubensgeschichte der katholischen Kirche die nötige Gelassenheit zu haben,
Wesentliches von Unwesentlichem, Zeitbedingtes von Überzeitlichem,
Kirchliches von Unkirchlichem zu trennen
und auf diese Weise zur ,Unterscheidung der Geister‘ beizutragen.“

Sehr vorausschauend klingen vor diesem Hintergrund die Worte, die er 2018 zum 70. Geburtstag der „Tagespost“ fand. In der Jubiläumsausgabe schrieb er: „Im menschlichen Leben beginnt für viele mit dem 70. Geburtstag eine wichtige Phase des Lebens: Das Ausscheiden aus dem aktiven Dienst und die Zeitnahme für das In-Blick-nehmen des eigenen Lebens. Für ,Die Tagespost‘ ist dieser Geburtstag Anlass, erneut die Zeit, die Welt, die Kirche in Blick zu nehmen und aus der Glaubensgeschichte der katholischen Kirche die nötige Gelassenheit zu haben, Wesentliches von Unwesentlichem, Zeitbedingtes von Überzeitlichem, Kirchliches von Unkirchlichem zu trennen und auf diese Weise zur ,Unterscheidung der Geister‘ beizutragen.“ Die Zeitnahme für das In-Blick-nehmen des eigenen Lebens: Ebendies sei Prälat Putz für seinen Ruhestand von Herzen gewünscht. Verlag und Redaktion der „Tagespost“ sind ihm zu großem Dank verpflichtet.

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