Berlin/München

Zwischen Optimismus und Ungewissheit

Die Entscheidung der Evangelischen Journalistenschule, vorerst keine Volontäre mehr auszubilden, hat zunächst Bestürzung und dann Solidarität hervorgerufen. Wie es weitergeht, hängt nicht zuletzt von der Unterstützung durch die EKD ab. Beim katholischen Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses ist der Blick in die Zukunft optimistischer.

Katholische Journalistenschule ifp
Studierende der katholischen Journalistenschule ifp. Die Unterstützung durch die Deutsche Bischofskonferenz lässt hier zuversichtlich in die Zukunft schauen. Foto: KNA

Es war eine Schockwelle, die Journalistenkreise in Deutschland erfasste. Die Evangelische Journalistenschule in Berlin ist von Schließung bedroht. Erst einmal, so beruhigt Jörg Bollman, Geschäftsführer des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik, sei die Ausschreibung eines neuen Jahrganges aus finanziellen Gründen nur ausgesetzt worden. Die GEP muss sparen. Die Stellen des ausscheidenden Leiters der Schule und des Stellvertreters sollen nicht neu besetzt werden. Bis Mitte des Jahres werde eine Entscheidung fallen, ob es einen weiteren Jahrgang geben werde, teilte die Schule mit.

Die Bekanntgabe dieser Entscheidung löste eine Welle der Solidarität aus. Zahlreiche Journalisten, nicht nur Absolventen der Schule, forderten ein Weiterleben der Schule. Viele Medien berichteten darüber. Eine Unterschriftenaktion unter dem Offenen Brief des Förder- und Freundeskreises der Schule zum Erhalt der EJS in Berlin fand bislang weit über 1 000 Unterschriften. Journalistenverbände zeigten sich betroffen. Darunter auch die Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP), die mit Sorge und Bedauern auf die vorläufige Aussetzung reagierte. Man ging hier sogar noch einen Schritt weiter. Auf der GKP-Webseite war zu lesen: „Der Journalistenverband regt zum Erhalt des Angebots eine Kooperation mit dem katholischen Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) an.“

Ein Vergleich der Schulen ist nur begrenzt möglich

Das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e. V. (ifp) ist die katholische Journalistenschule. Die Deutsche Bischofskonferenz hat das ifp beauftragt, katholische Journalisten auszubilden. Auch hier steht mehr die Qualität als die Konfessionalität im Vordergrund. Katholisch ist das Leitmotiv, wie die Internetseite des ifp ausweist, es werde „in seinem ursprünglichen Sinn eines globalen humanitären Anspruchs“ gebraucht, ist auf der Webseite der Schule zu lesen. Das ifp ist weit mehr als eine reine Journalistenschule, wie Bernhard Remmers, Journalistischer Direktor, betont. Neben der Ausbildung spielt im ifp die Fortbildung eine große Rolle. Remmers verweist als Beispiel auf den Ausbildungsgang zum „Fachjournalist Religion“, den das ifp anbietet. Zahl und Art der Ausbildungsgänge im ifp ist weitaus größer und breiter aufgestellt als in der EJS Berlin. Die Ausbildungen umfassen das Volontariat in katholischen Medien, die Studienbegleitende Journalistenausbildung und Angebote für Tageszeitungen.

Eine Vergleichbarkeit der Schulen ist nur begrenzt möglich. Auf die Frage, ob so eine Kooperation überhaupt vorstellbar sei, antworten sowohl Remmers für das ifp als auch Bollmann für das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik mit einem ausweichenden, man könne sich vieles vorstellen. Sondierungsgespräche solle es allerdings geben.

Genügend Nachwuchs gibt es

„In den kommenden Wochen werden wir uns mit Vertretern der Evangelischen Journalistenschule und des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GKP) zu einem Gedankenaustausch treffen, um mögliche Kooperationen auszuloten“, so Remmers auf Nachfrage der „Tagespost“. Danach werde man seitens des ifp zunächst die Aufsichtsgremien und auch die Bischofskonferenz informieren. Ob dann mehr daraus wird und wie das aussehen kann, steht verständlicherweise in den Sternen. Entscheidend ist für Remmers, „ob solche Kooperationen mit dem Auftrag und der katholischen Identität des ifp vereinbar sind“. Über die Grenzen der konfessionellen Ausrichtung steht in beiden Fällen qualitativ hochwertiger Journalismus im Fokus der Ausbildung. Da jedenfalls treffen sich die Interessen und Ausrichtungen der beiden Einrichtungen.

Es sei eine Erfahrung aus der Nazizeit, so berichtet Jörg Bollmann, dass man unbedingt für das Funktionieren einer freiheitlichen Demokratie gute, qualitativ hochwertig ausgebildete Journalisten brauche. Der Nachwuchsmangel in vielen Berufen trifft auch den Journalismus. Ein leichter Rückgang der Bewerber ist feststellbar. Doch die konfessionellen Schulen haben eigenen Angaben zu Folge keinen Nachwuchsmangel. Jörg Bollmann unterstreicht, dass die Aussetzung der Ausschreibung einzig und allein aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Schule erfolgt ist. Es gibt in jedem Falle genügend Nachwuchs. Auch das ifp kann über Bewerbermangel nicht klagen. Noch immer überwiege, so Remmers, die Zahl der Bewerber bei weitem die Zahl der ausgeschriebenen Stellen, so dass eine qualifizierte Auswahl gesichert bleibe.

Die Entscheidung der EKD steht noch aus

Während Bernhard Remmers auf die sehr eindeutige Unterstützung des ifp durch die Deutsche Bischofskonferenz verweisen kann, wird sich die Haltung der EKD zur evangelischen Journalistenschule jetzt erst zeigen müssen. Der Vorsitzende der EKD, Landesbischof Bedford-Strohm, betont bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Bedeutung von Qualitätsjournalismus. Welche Konsequenzen sich daraus ergeben, wird sich zeigen. Die Februarsitzung des Rates der EKD hatte sich mit dem Thema beschäftigt, war jedoch zu keinem Ergebnis gekommen. „Die Beratungen werden in der nächsten Sitzung im März fortgesetzt. Es soll mehr Zeit sein für die ausführliche Beratung der Fragen, wie wir uns weiter im Qualitätsjournalismus engagieren“, so Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) auf der Webseite der EKD.

Die Zukunft der evangelischen Journalistenausbildung in Berlin bleibt vorerst unsicher. Die Zukunft des ifp sieht Bernhard Remmers sehr viel optimistischer und beruft sich dabei auf die klare Unterstützung der DBK und hier besonders der Publizistischen Kommission und deren Vorsitzenden Bischof Gebhard Fürst, die das ifp sehr unterstützen.

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