Würzburg

Twittern auf katholisch

Bischöfe, Pressestellen und einfache Gläubige: Auch zahlreiche Katholiken und kirchliche Einrichtungen nutzen den Kurznachrichtendienst Twitter. Ein Überblick.

Twitter- Katolisch
Der Papst hat 48 Millionen Follower auf Twitter. Die neun Accounts des Papstes folgen niemandem. Foto: IN

Der Papst tut es. Einige Bischöfe aus Deutschland tun es. Blogger, Journalisten und viele Privatleute sind dort unterwegs. Der Kurznachrichtendienst Twitter erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Seit 2006 ist der Dienst online und hat sich seitdem fest in der Medienwelt etabliert. Ursprünglich waren Nachrichten auf 140 Zeichen begrenzt. Inzwischen dürfen es 280 Zeichen sein. In der Kürze liegt die Würze. Das macht die Tweets, wie die Nachrichten heißen, attraktiv. Twitternamen werden mit dem „@“ vorweg angegeben. Der Dienst interpretiert alle Worte, die mit diesem Zeichen beginnen als Nutzernamen. Twitter funktioniert im Browser und in der App auf zahlreichen Geräten. Die Kurznachricht ist besonders für mobile Geräte interessant.

Papst Franziskus twittert unter @Pontifex in neun Sprachen. Dafür existieren neun päpstliche Accounts. Die Sprache wird durch ein Anhängsel an den Namen gekennzeichnet. In Deutsch twittert der Papst auf @Pontifex_ge. Der Papst hat 48 Millionen Follower und zählt damit zu den Stars auf Twitter. Die Verbindung miteinander nennt man jemandem folgen, man kann sich gegenseitig oder nur einseitig folgen. Die Accounts des Papstes folgen niemandem.

Auch einige deutsche Bischöfe auf Twitter

Einzelne Bischöfe sind auf Twitter vertreten und betreiben ihre Accounts sehr unterschiedlich. Der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, teilt hauptsächlich für das Bistum Essen relevante Artikel, die jeweils kurz angeteasert werden. Gelegentliche persönlich wirkende Statements auf dem Kurznachrichtendienst sind von Profis komponiert. Man erkennt dies an der Verwendung der sehr verdichteten PR-Sprache und dem gezielten, professionellen Einsatz von Hashtags. Hashtags sind Markierungen, die Themen auf Twitter kennzeichnen. Suchen nach Hashtags machen Beiträge zu einem Thema auffindbar. Ein Hashtag wird auf Twitter mit einem # (Doppelkreuz) markiert. Mit Hilfe gut gesetzter Hashtags kann man auf Twitter echte Nachrichtenwellen lostreten. Insofern ist es nicht unerheblich, will man in den sozialen Medien wahrgenommen werden, solche Tags (=Markierungen) zu setzen.

Auch der Erzbischof von Bamberg twittert. Die Botschaften auf diesem Account haben einen sehr viel persönlicheren Charakter. Der Account wird erkennbar von der Pressestelle gepflegt. Das persönliche Interesse des Erzbischofs, der hier seine persönlichen Ansichten teilt, wird sichtbar gemacht. Indem er, der selber Sportler ist, zum Beispiel aus bischöflicher Sicht ein Statement zum Problem des Dopings abgibt, wird es authentisch. Die meisten Tweets betreffen Aktivitäten des Erzbischofs. Besuche in Gemeinden, Reisen, Begegnungen und Wallfahrten sind sichtbar und jeweils mit einem kurzen Statement versehen.

Pressestellen twittern ganz offiziell

Im Unterschied dazu verbreiten die Twitteraccounts der deutschen Bistümer eher Nachrichten von offiziellem Charakter und werden von den Pressestellen oder Stab-stellen für Kommunikation betrieben. Von den 27 deutschen Bistümern sind 15 direkt auf Twitter vertreten. Dazu kommen noch besondere Accounts. Zur Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 betrieb das Bistum Trier einen eigenen Account, der sich nur mit Aspekten der Wallfahrt befasste.

Die Unterschiede der Twitteraccounts der Bistümer liegt vor allem in der Schwerpunktsetzung. Das Bistum Osnabrück setzt ganz auf Tagesbotschaften. Diese sind nicht immer christlichen Ursprungs. Manchmal sind es Weisheitssprüche aus aller Herren Länder. Gelegentlich funkt eine politische Botschaft dazwischen. Das Münster macht PR auf dem Twitterkanal und informiert mit einem Schwerpunkt auf Botschaften, Aussprüche und Nachrichten von Bischof Genn. Zahlreiche katholische Verbände sind auf Twitter. Diese Accounts zeigen je nach Möglichkeiten und Engagement der Mitarbeiter den Verband auf dem Kurznachrichtendienst. Der Caritasverband ist sowohl als zentraler Verband @caritas_web deutschlandweit, als auch mit wenigen Diözesan- oder Regionalverbänden vertreten. Bei Caritas Deutschland merkt man wieder, wie sehr die Tweets von PR-Mitarbeitern komponiert werden. Es zeigt sich ein virtuoser Einsatz von Hashtags. Die Tweets sind Werbebotschaften. Etwas authentischer geht es bei den lokalen Verbänden zu. Auch andere Verbände, wie der bdkj oder die kfd sind vertreten. Die Präsenz auf Twitter hängt in den einzelnen Gruppierungen stark von aktiven Personen ab.

Man sieht, dass Twitter nicht jedermanns Sache ist. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass eine den Sozialen Medien zugetane Pressestelle auch Twitter berücksichtigt. Die Kürze der Würze in den Mikroblogs, wie man Twitter+ auch nennt, verlangt, die Sprache hoch zu verdichten. Es zeigt sich im katholischen Twitter derselbe Trend, der sich insgesamt auf dem Dienst zeigt. Das Medium vereint Public Relations und persönliche Statements.

Rein zum Zweck der Nachrichtenvermittlung nutzen katholische Medien und Nachrichtenagenturen den Kurznachrichtendienst. Die katholischen Nachrichtenagenturen KNA und CNA sind auf Twitter. KNA gehört in die Medienaktivitäten der Deutschen Bischofskonferenz. CNAdeutsch gehört, wie die gesamte Agentur zur EWTN-Familie. Diese ist eine Gründung der US-amerikanischen Ordensfrau Mother Angelica. Aktuelle Agenturmeldungen gelangen hier direkt zum Follower.

Ein anderer Aspekt auf Twitter ist die Möglichkeit, in einen Dialog einzutreten. Hierin sind die privaten Twitterer viel aktiver, als die professionellen. Zahlreiche Katholiken sind auf Twitter unterwegs und twittern für ihren Glauben. Katholische Blogger, wie Cinderella vom Beiboot Petri finden sich auf Twitter. Katholische Journalisten twittern. Einer von ihnen ist der Philosoph Armin Schwibach, der seine Kurzbotschaften aus Rom sendet. Hier finden sich Tweets und Fotos vom sonntäglichen Angelus. Persönliche Statements zu kirchenpolitischen Fragen nehmen ihren Platz neben Dialogen zu theologischen Themen ein. Armin Schwibach zeigt sich kommunikativ, reagiert auf Rückmeldungen und twittert auch schon mal in Italienisch oder Englisch.

Auch gewöhnliche Gläubige geben Zeugnis auf dem Kurznachrichtendienst. Aus Österreich stammt Manuela Maria, die unter @MMVienna twittert. Es wechseln sich Bibelverse mit persönlichen Statements ab. Wichtige Nachrichten finden sich als Retweet. Twitter ermöglicht dies als einen Weg, Nachrichten eine weitere Verbreitung zu gewähren. Manuela Maria retweetet, was ihr aus der zumeist katholischen Twitterwelt wichtig erscheint. Sie ist eine von vielen Katholiken dort.

Twitter – Spiegel der Wirklichkeit

Auch wenn der Streifzug durch die katholische Twitterwelt hier sehr grob und oberflächlich bleiben musste, kann man sehr wohl erkennen, welchen Stellenwert dieser Dienst für medienaffine Katholiken haben kann und sollte. Katholisch auf Twitter wird immer nur eine Nische sein. Darin spiegelt Twitter die Wirklichkeit wider. Regelrechte Influencer mit wirklich breiter Resonanz sucht man vergebens. Innerhalb der katholischen Filterbubble machen die aktiven Twitterer durchaus ihren Einfluss geltend. Durch diese Präsenz wirken sie am Ende dann über die Blase hinaus, denn auf Twitter folgt man nicht nur seiner eigenen Bubble.