Eime

Nur „Idioten“ haben ein Problem damit

Samenspende, Feminismus, Familienkritik: Mit dem Kanal „Anders Amen“ sorgt ein lesbisches Pastorinnenpaar für mediales Aufsehen.

„Anders Amen“
Zelebrieren ihr Privatleben auf YouTube: Das lesbische Pastorinnenpaar Ellen (links) und Stefanie Radtke. Foto: Anders Amen

Ellen und Steffi Radtke sind seit rund drei Wochen mit – das zeigen die Reaktionen und Kommentare – großem Erfolg auf YouTube unterwegs. Sie wurden eingeladen von ARD, RTL, SAT.1, viele größere Zeitungen berichten schon von ihnen. Warum? Weil sie anders sind und zeigen wollen, wie normal das ist.

Und genauer, weil sie Pastorinnen sind, lesbisch, seit sieben Jahren verheiratet. „Anders Amen“, so heißt der Kanal, in dem sie von ihrem Alltag im niedersächsischen Dorf Eime berichten und ihr Publikum wissen lassen, dass sie sich ihren Kinderwunsch durch den teuren Einkauf von eingelieferten Samen erfüllen möchten, dass sie den Sonntagsgottesdienst „gar nicht mal so scheiße“ fanden, oder dass sie etwas an dem heterogenen Familienbild, wie es das Beispiel der Heiligen Familie vermittelt, auszusetzen haben. Ganz als könne man die Geschichte unserem Gutdünken anpassen, erheben sie sich offensichtlich auch über jegliche Theologie und Glaubenslehre.

„Immerhin geben die beiden Frauen in einem Interview an,
an Gott zu glauben. Dass der Moderator überhaupt solch eine Frage
an Pastorinnen richten muss, stimmt nachdenklich“

Woran die beiden Radtkes glauben, ist schwer zu erschließen. Das zu bewerten steht Außenstehenden auch nicht zu. Dagegen meint Ellen, all diejenigen, die an ihren Aktionen Anstoß nehmen, als „Idioten“ bezeichnen zu dürfen: „Idioten (…), auf die man auch in der Kirche trifft und die damit ein Problem haben.“ Eine außergewöhnlich tolerante Einstellung. Immerhin geben die beiden Frauen in einem Interview an, an Gott zu glauben. Dass der Moderator überhaupt solch eine Frage an Pastorinnen richten muss, stimmt nachdenklich.

Auch interessant: Die lesbischen Pastorinnen werden unterstützt vom Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen-Bremen. Möglicherweise eine wichtige Information für alle evangelischen Kirchensteuerzahler. Und wo wir schon beim Thema Finanzen sind: Eine Samenbestellung aus Dänemark, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen, kostet die Damen über zweieinhalbtausend Euro. Diese Kosten übernimmt das Radio ffn im Rahmen der Aktion „Wir bezahlen Ihre Rechnung“, wie mehrmals in einem Video der Frauen betont wird. Vielleicht ist das wiederum eine wichtige Information für all diejenigen, die Radio ffn hören oder an der Gewinnaktion teilnehmen, in der Überzeugung, dass hier Chancengleichheit auf Gewinn besteht. Chancengleichheit – auch ein wunderbares Schlagwort der diskriminierten feministischen Gerechtigkeitsaktivisten. Wie auch immer, sobald es mit dem Kind klappt, soll auch Steffi ihren Traum von Minipigs, also Minischweinen, erfüllt bekommen, damit Kind und Schwein gemeinsam aufwachsen können.

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