Würzburg

Medien-ABC: K wie Kirchenzeitung

Bistumszeitungen spiegeln wider, was der Trend bei gedruckten Medien insgesamt ist: Auflagen werden kleiner, Redaktionen schließen. Dabei darf es aber nicht allein um Geld gehen.

Titelblätter: „Bonifatiusbote“, „Der Sonntag“ und „Glaube und Leben“.
Seit 1884 erscheint der "Bonifatiusbote", in den 70ern kam es zur Kooperation mit den Bistumszeitungen "Der Sonntag" und "Glaube und Leben". Foto: Bistum Mainz

Eine Kirchenzeitung wird auch derjenige schon mal in die Hand genommen haben, der nicht zu den „Intensivchristen“ zählt, sondern nur zu Weihnachten, Ostern und Hochzeiten den Gottesdienst besucht. Ihre Namen sind mal nüchtern-bieder („Würzburger Katholisches Sonntagsblatt“, „Kirchenzeitung Eichstätt“), mal programmatisch („Tag des Herrn“, „Glaube und Leben“, „Der Pilger“), mal mit gut-katholischem Regionalkolorit gespickt („Bonifatiusbote“, „Konradsblatt“), mal in wuchtiger Erhabenheit gesetzt („Der Dom“), mal mit legerem Wortwitz, offenbar auf der Suche nach neuen Leserkreisen („Bene“). In Österreich gibt es zudem Kirchenzeitungen auf kroatisch („Glasnik“, Eisenstadt) und auf slowenisch („Nedelja“, Klagenfurt).

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Neue Leserkreise erschließen – das ist bitter nötig. Wenn es ein Genre gibt, das den Niedergang der gedruckten Periodika getreu widerspiegelt, dann sind es die von den Landeskirchen (evangelisch) beziehungsweise den Diözesen (katholisch) herausgegebenen Kirchenzeitungen. Betrug die Gesamtauflage aller katholischen Kirchenzeitungen Anfang der 1960er Jahre noch etwa 2,4 Millionen Exemplare, so waren es 30 Jahre später noch 1,5 Millionen. Derzeit – wieder sind rund 30 Jahre vergangen – werden zum Sonntag noch etwa 0,4 Millionen Kirchenzeitungen gedruckt und verkauft.

Düstere Prognosen für kirchliche Blätter

In jeder Generation sank die Auflage also um rund eine Million Exemplare. Geht es in diesem Tempo weiter, wird es spätestens 2035 keine katholischen Kirchenzeitungen in Deutschland mehr geben. Zu dieser düsteren Prognose trägt in jüngster Zeit auch der Umstand bei, dass nicht nur die Auflagenzahl der jeweiligen Kirchenzeitung gesenkt wird, sondern, dass Kirchenzeitungen ihr Erscheinen gänzlich einstellen. Vor einigen Tagen haben die Bistümer Fulda („Bonifatiusbote“), Mainz („Glaube und Leben“) und Limburg („Der Sonntag“) angekündigt, ihre Bistumszeitungen nur bis Ende 2023 herauszugeben.

Es träfe kleinere, aber sehr traditionsreiche Kirchenzeitungen. Der „Bonifatiusbote“ (Auflage: circa 4.500) erscheint seit 1884 wöchentlich (mit einer Zwangspause von 1939 bis 1946). Über die „Gesellschaft für kirchliche Publizistik Mainz“ kooperieren „Glaube und Leben“ sowie „Der Sonntag“ seit den 1970er Jahren mit dem „Bonifatiusboten“. Über die „Verlagsgruppe Bistumspresse“ sind die drei Periodika mit acht weiteren Bistumszeitungen verbunden. Es droht ein Dominoeffekt.

Ansprüche und Realitäten

Gegen die Einstellung der drei Kirchenzeitungen regt sich Widerstand der Laien. Das „Landeskomitee der Katholiken in Bayern“ spricht in einer Pressemitteilung von einem „traurigen und fatalen Signal zur falschen Zeit“. Weiter heißt es: „Von den Verantwortlichen in den Bistümern wünschen wir uns mehr Mut zu Printprodukten, die journalistisch eigenständig verantwortet und in eine umfassende Medienstrategie eingebettet sind.“ So bedauerlich die Entwicklung auch sei – „Mut“ darf nicht zu Übermut werden. Und genau das wäre der Fall, druckte man trotzig eine Zeitung, die nicht gekauft und gelesen wird. Der Markt regelt das – und wenn die Nachfrage ausbleibt, muss man die Konsequenzen ziehen. Das gilt zunächst einmal auch für Produkte im Raum der Kirche.

Diese sollte es sich mit dem Abwickeln der Kirchenzeitungen aber auch nicht zu leicht machen. Solange es Menschen gibt, die Gedrucktes dem Bildschirm vorziehen, sollte um die Existenz der Kirchenzeitungen gerungen werden. Denn von diesen zumeist älteren Menschen leben die Gemeinden. Auf sie Rücksicht zu nehmen, ist ein Gebot der Pastoral. Da müssen im Zweifel auch Marktgesetze zeitweilig zurückstehen.