Regensburg

„Kirche ist mehr“

Keine Diskussionen um Kirchenpolitik, sondern ein Fingerzeig auf die Schönheit christlicher Werte: Das vom Bistum Regensburg herausgegebene GRANDIOS-Magazin will inspirieren und herausfordern. Ein Gespräch mit Redaktionsleiter Tobias Liminski.

GRANDIOS-Magazin
„Zeit mit den Liebsten“ ist eine häufige Antwort: In der aktuellen Ausgabe fragt GRANDIOS nach dem perfekten Geschenk, unter anderem die ehemalige Spitzen-Biathletin Magdalena Neuner. Foto: Bistum Regensburg / Media21.TV / Bernhard Spoettel

Herr Liminski, gerade ist die fünfte Ausgabe des „GRANDIOS-Magazins“ erschienen. Warum braucht es eine solches Medium für junge Menschen?

Grundsätzlich richtet sich GRANDIOS an alle interessierten Leser. Und junge Menschen haben andere, eigene Interessen. Für diese Interessen braucht es eine eigene Ansprache. Das Magazin will seine überwiegend jungen Leser herausfordern, inspirieren, ihnen Perspektiven aufzeigen. Dabei wollen wir, das Bistum Regensburg und die GRANDIOS-Redaktion, Leitplanke und Wegweiser sein – ohne erhobenen Zeigefinger. Wir liefern Denkanstöße und bieten Orientierung.

Kirchenpolitik hat in GRANDIOS eher keinen Platz. Warum?

Weil Kirchenpolitik in der Lebenswelt der Zielgruppe kaum bis gar keine Rolle spielt. Wir wollen den Menschen den Glauben, Christus und seine Botschaft näherbringen. GRANDIOS ist dafür eine Chance. Ich sage bewusst, Glaube und Christus. Weil Kirche nicht mehr als das, was sie ist, verstanden wird. Leider sind wir da zum Teil selber schuld. Kirche steht in vielen Medien heute für Missbrauch, interne Auseinandersetzungen, Kirchensteuer und Reichtum. Wir blicken tiefer und zeigen, was Kirche für den Menschen leistet.

Was ist das Hauptanliegen des Magazins? Informieren, begleiten, evangelisieren?

GRANDIOS erzählt Geschichten aus dem Leben. Geschichten, die auch der Kirche eher Fernstehende verstehen. Die den Charakter unserer vom Christentum durchwirkten Gesellschaft zeigen. Einer Gesellschaft, die trotz allem noch geprägt ist von Solidarität und Personalität. Das sind zwei Säulen der katholischen Soziallehre. Von diesen abstrakten Begriffen redet GRANDIOS aber nicht. Es erzählt Geschichten, in denen die Liebe, der große Gott, gran Dios, direkt oder indirekt eine Rolle spielt.

„Das Magazin ist ein Dialogangebot.
Für alle, die suchen und Antworten finden möchten“
Redaktionsleiter Tobias Liminski

Das Magazin ist ein Dialogangebot. Für alle, die suchen und Antworten finden möchten. Die Antworten geben Menschen aus dem Bistum. Und Prominente. Vorbilder. Magdalena Neuner beispielsweise ist für viele ein solches Vorbild. Die immer noch beliebteste deutsche Sportlerin hat uns auf eine sehr authentische Art und Weise beschrieben, wie sie die Sonntagskultur geprägt hat.

Es ist nicht die erste christliche Zeitschrift dieser Art. Was macht GRANDIOS besonders?

GRANDIOS hat, anders als andere Formate, vor allem alle Menschen im Bistum Regensburg im Fokus. Nicht nur Katholiken. Es geht lediglich von der katholischen Kirche aus. Wie gesagt, ein Dialogangebot. Werte sind für alle da. Daher sind alle angesprochen, die sich angesprochen fühlen. Unser Ziel ist es, diese Werte mit der Sprache der jungen Menschen so zu kommunizieren, dass sich so viele wie möglich angesprochen fühlen.

Wir alle kennen die Zahlenspiele. Viele Menschen treten aus der Kirche aus, sehen in ihr nur einen Apparat, wenden sich ab. Das kann man hinnehmen oder sich eben auf den Weg machen und diese Menschen versuchen zu erreichen. Das will das Bistum Regensburg. Ich finde diesen pastoralen Ansatz sehr schön. Er zeigt mir als Laie, jeder ist dem Bischof wichtig. Die Diözese will für jeden Menschen im Bistum da sein. Ihm Antworten anbieten auf Fragen, die das Leben stellt. Mit Geschichten aus dem Bistum, mit Geschichten, die nicht so weit weg scheinen, wie man zunächst annimmt. Mit regionaler Verankerung.

GRANDIOS ist aufwändig gestaltet, arbeitet multimedial und präsentiert sich vielfältig und stilsicher. Rentiert sich diese Arbeit überhaupt?

Ihre Frage zielt auf die Lebenswelt der Zielgruppe. Wie können wir sie erreichen? Ich denke mit der Aufbereitung der Themen, den Bilderwelten, der Sprache. Das Layout hat die Zielgruppe der jungen Menschen offensichtlich angesprochen und animiert, mehr zu lesen. Und es stellt sich überhaupt die Frage, ob die jungen Leute so weit weg sind, wie es die Medien immer suggerieren? INSA hat das mal in ganz Deutschland versucht zu ermitteln. Demnach beten 43% der Befragten nie. Wenn man aber die Antwort „weiß nicht“ und „keine Angaben“ abzieht, heißt das, dass 45% der Befragten aus irgendwelchen Gründen beten. Sie beten. Nur 26% sind sich sicher, dass es keinen Gott gibt. Und von knapp 2 000 zufällig Befragten besitzen knapp die Hälfte (46%) eine Bibel.

„Letztlich ist es die Chance,
Christus und seine Botschaft näherzubringen“
Redaktionsleiter Tobias Liminski

Das ist der Nährboden für die Herausforderung Verkündigung und Medienarbeit. Der Nährboden, um den Glauben zu kommunizieren, ihn erlebbar, greifbar, spürbar zu machen. Das ist der Nährboden für GRANDIOS. Es gibt schlechtere Voraussetzungen. Letztlich ist es die Chance, Christus und seine Botschaft näherzubringen.

Also ja, es lohnt sich. Wir konnten im Onlinebereich beispielsweise einen steten Zuwachs verzeichnen. Wir konnten mit jeder Ausgabe unsere Leserschaft verdoppeln. Das ist enorm. Immer mehr Menschen bestellen das Magazin über die Onlineseite. Lehrer verwenden das Magazin für ihre Arbeit, sogar evangelische Jugendseelsorger nutzen es. Viele fragen nach einem Abonnement.

Wen erreicht das Magazin konkret? Und auf welchen Wegen?

Nach einer zuletzt durchgeführten Evaluation zum Thema ist unsere Hauptleserschaft zwischen 24 und 45 Jahre alt. Aber auch bei den unter 24 Jahre alten Jugendlichen haben wir Leser. Hier vor allem in den weiterführenden Schulen. Das sind sicher nicht immer der Kirche Fernstehende. Aber ich merke es an mir selbst. Die Arbeit am Magazin stärkt auch meinen Glauben. Sie liefert auch mir Argumente und bestätigt schlummerndes Wissen. Also auch der Kirche Nahestehende, kirchlich Sozialisierte profitieren von GRANDIOS.

In der Regel ist das Magazin in der Pfarrei erhältlich. Dort liegt es aus und wird im Rahmen der pastoralen Arbeit oder an weiterführenden Schulen eingesetzt. Berufsschullehrer nutzen die Magazine für die Gestaltung von Unterrichtseinheiten. Krankenhäuser und Arztpraxen legen GRANDIOS in den Wartebereichen aus. Die Lektüre ist angenehm und sinnstiftend. Jugendseelsorger nutzen das Magazin für ihre Arbeit. Einzelne Pfarreien haben Veranstaltungen rund um das Magazin gestaltet. Und dann ist da die nicht zu verachtende Menge an Bestellungen über die Onlineseite des Magazins. Hier gehen Bestellungen auch aus anderen Bistümern ein.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .