Würzburg

Jenseits der Kirchenpolitik

Dass katholische Blogs auch Geistliches ansprechen, zeigt "sacerdos viennensis".

Eine Tastatur zeigt das Wort "Blogger".
Eine Tastatur zeigt das Wort "Blogger". Foto: dpa

Wer an die Wurzeln der katholischen Bloggersphäre im deutschsprachigen Raum geht, stößt in der Regel zunächst auf den Schwerpunkt Kirchenpolitik. Das ist in anderen Ländern anders. Die Vielfalt war von Anfang an größer. Der Grund liegt in der Zeit begründet, in der das Bloggen aufkam. Zugleich mit dem Beginn des Pontifikats von Benedikt XVI. sprossen katholische Blogs aus dem Boden. Der deutsche Papst spielte für deutsche katholische Blogger natürlich eine Rolle. Diese nahmen sich sofort „ihres“ Pontifex' an.

Geistliche Blogs gehören zur Vielfalt

Nachdem der Papst in Folge der Regensburger Vorlesung massiv unter Beschuss der deutschen Medien geriet, gingen die Blogger an die Medienfront und verteidigten den Papst via Faktencheck. Das hielt das ganze Pontifikat über an. In diesem Fahrwasser schwimmen viele Blogger noch heute. Andere haben ihre Blogs aufgegeben, denn der Nachfolger schwimmt auf einer Welle der Mediensympathie.

Das Bild des katholischen Bloggers in den sozialen Medien und in der kirchlichen Öffentlichkeit ist in Deutschland nach wie vor von diesem Schwerpunkt geprägt. Blogs mit dieser Ausrichtung werden nach wie vor am meisten geteilt, wie das Theoradar zeigt. Die Betreiber der Blogs sind ebenfalls aktiv in den Sozialen Medien vertreten. Ganz weit abseits dieser kirchenpolitischen Strömung bewegen sich zahlreiche Blogs völlig anderer Art. Es sind Blogs, die weit davon entfernt sind, sogenannte Influencer zu sein. Die Vielfalt hier ist grandios. Geistliche Blogs gehören dazu. Es lohnt, einen Blick darauf zu werfen.

Ein Priester aus Wien, der sich selbst und seinen Blog „Sacerdos viennensis“ nennt, gehört in diese Kategorie. Man könnte sein Blog auch einfach als ein Kleinod katholischer Bloggerkunst bezeichnen. Jener Priester gab am Anfang seines Blogs im Oktober 2011 über sich bekannt, dass er Priester ist. Mehr verrät er bis heute nicht. Das Foto einer Hl. Messe am Grab des Hl. Pfarrers von Ars macht den Auftakt. Der geistliche Schwerpunkt blieb Programm. Bilder von Kirchen, von Tieren, von der Natur in all ihrer Schönheit, von Prozessionen und Darstellung von Heiligen prägen das Blog.

Lange Reihen von Photos, die so gar nicht mehr unseren Sehgewohnheiten entsprechen, zeigen eine großartige Liebe zum Detail. Man ist heute eher Galerien gewöhnt, in denen man sich durch Bilder klickt. Durch ihre Kompaktheit im oder am Beitrag führen sie ein Eigenleben. Der Anachronismus langer Bilderreihen hat seinen Charme, indem er das Sehen entschleunigt. Bild für Bild scrollt sich der Leser den Beitrag hinunter. Manchmal bleibt man einen Moment hängen und schaut nur. Das hat offensichtlich Methode. Das Bild spielt oft eine viel größere Rolle als das Wort.

Dazwischen finden sich geistliche Texte. In manchen Posts ist es einfach ein zu den Bildern passendes Schriftwort. Manchmal stehen dort Porträts eines Heiligen. Ein andermal ist es eine kurze Betrachtung. Viele Heilige kehren immer wieder. Dazu finden sich interne Links unter den Beiträgen. Antonius von Padua taucht öfter auf, Aloisius Gonzaga ebenfalls. Weitere Heilige finden sich in der Stichwortlist am Rand. Gebete zu passenden Anlässen oder zu den dargestellten Heiligen finden sich als Zugabe zu vielen der Fotoserien. Es fällt auf, dass die Bilder aus unterschiedlichen Ländern kommen. Der Schreiber des Blogs zeigt sich reisefreudig und aufmerksam für die Vielfalt katholischer Traditionen. Wer jemals in mediterranen Ländern unterwegs war, erkennt vieles wieder.

Schönheit hat ihren Platz – ein echtes Schatzkästchen

Das Blog gewinnt durch seine inhaltliche Tiefe. „Design ,Einfach‘“ steht in der Fußzeile. Auch hier ist das Blog etwas aus der Zeit gefallen. Während viele Blogger heute selber hosten (also ein Blog mit eigener Software auf eigenem Webspace betreiben), kommt „sacerdos viennensis“ mit dem Standard von Blogspot aus. Kein modernes Theme, keine gestalterischen Kapriolen prägen die Oberfläche. Auch die gute alte Blogroll, eine dynamische Linkliste zu verschiedenen Blogs, findet sich an der rechten Seite. Es ist ein Blog wie aus einer anderen Zeit und ein echtes Schatzkästchen für Liebhaber.