Würzburg

Fehler behoben

Die Sperrung von katholisch.tv auf Facebook hatte für Aufregung gesorgt. Jetzt ist die Ursache geklärt.

Aus der Weihnachtsbotschaft von Prinz Charles
Prinz Charles hat in seiner Weihnachtsbotschaft an die Wohltäter von „Kirche in Not“ an die verfolgten Christen erinnert. Als Facebook die Domain, auf der das Video abrufbar ist, gesperrt hat, vermutete man Christenfeindlichkeit. Foto: katholisch.tv

Es war eine böse Überraschung, die die Nutzer von Facebook in der vergangenen Woche erlebten. Ein wichtiger Beitrag war plötzlich verschwunden und es ließ sich durch Meldungen nicht klären, was der Grund war. Der britische Thronfolger Prinz Charles hatte eine Neujahrsansprache an die Spender von „Kirche in Not“ veröffentlicht. Darin wurde unter anderem auch an die massive Christenverfolgung weltweit erinnert. Das Päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hatte die Rede als Video auf seine neu erstellte Medienplattform gestellt. Von dort aus wurde es in den sozialen Medien, besonders Facebook und Twitter, reichlich geteilt. Erst vor wenigen Wochen hatte Kirche in Not seine Medienplattform technisch und optisch neu gestaltet. Unter der Domain katholisch.tv erreicht man nun ein reichhaltiges Medienangebot des Hilfswerkes. Bis zum Relaunch wurde die Domain auf die Mediathek der Internetseite von Kirche in Not umgeleitet. Nun steht diese auf eigenen Beinen.

Es war für die Plattform ein großer Erfolg, mit welcher Geschwindigkeit sich die Ansprache des Prince of Wales durch die Sozialen Medien verbreitete. Über die Filterblasen hinaus wurde das Video viel beachtet und geteilt. Wenig später gingen erste Gerüchte durch das Netzwerk, Facebook habe die Rede von Prinz Charles gesperrt. Nun kennt man es von Facebook nicht erst seit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz, dass schon mal unmotiviert gesperrt, gelöscht und geblockt wird. Nutzer haben dann die Möglichkeit, sich zu beschweren.

Im Netzwerk kursierten viele Spekulationen

Das allein wäre keinen zweiten Blick wert gewesen und hätte keine Sekunde Rechercheaufwand gerechtfertigt. Eine kurze Überprüfung zeigte schnell, dass mehr dahintersteckte. Es war nicht nur die Rede des britischen Thronfolgers, die nicht mehr geteilt werden konnte. Die gesamte Domain katholisch.tv war auf Facebook gesperrt. Wer Inhalte der Seite teilen wollte, bekam eine Fehlermeldung. „Dein Beitrag konnte nicht geteilt werden, da dieser Link (auf katholisch.tv, Anm. d. R.) gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstößt.“ Während sonst immer eine Meldung möglich ist, um Facebook auf den Fehler hinzuweisen, fehlte diese Möglichkeit bei vielen Nutzern. Andere berichten, der Link sei sichtbar gewesen, habe jedoch ins Leere geführt. Einige Beschwerden kamen durch.

Eine Anfrage bei „Kirche in Not“ ergab, dass man über die Sperre verwundert war, sich allerdings unverzüglich mit Facebook in Verbindung setzen wollte. Immerhin lag definitiv kein Verstoß gegen Gemeinschaftsstandards vor. Auf Nachfrage der „Tagespost“ sagte eine Sprecherin von Facebook eine sofortige Prüfung zu. Im Netzwerk schossen derweil die Spekulationen durch die Decke. Es ist eine zugleich faszinierende und erschreckende soziale Dynamik, die so eine virtuelle Plattform entwickeln kann. Man weiß von dem einen oder anderen Beitrag oder Nutzer, die auch schon mal gesperrt wurden. Man kennt die Problematik des sogenannten Overblockings. Facebook gerät immer wieder, nicht zuletzt wegen des umstrittenen Netzwerkdurchsetzungsgesetzes, in Verdacht, zu schnell zu löschen. Es hat in der Vergangenheit definitiv Fälle von Overblocking gegeben. Schnell war der Verdacht bei der Hand, dass hier geblockt wurde, weil der Prinz die Christenverfolgung so deutlich beim Namen nannte.

Problem gelöst, der Argwohn bleibt

Doch manchmal ist es einfach nur ein Bot. Ein Bot ist ein Programm, das automatisch Entscheidungen fällen kann, zum Beispiel, ob ein Inhalt veröffentlicht wird oder nicht. Nicht immer entscheiden die Bots von Facebook richtig. Zudem werden auch Beschwerden gegen Sperren und Löschungen zunächst von Programmen bearbeitet. Längst nicht jedes Problem bekommt ein Mensch zu sehen und darf mit menschlichem Sachverstand darüber urteilen. Und in der Tat war es auch hier die Technik, die sich voreilig zeigte.

„Die Sperrung der url (katholisch.tv, Anm. d. R.) war ein technischer Fehler. Dieser ist mittlerweile behoben und Inhalte der Webseite können wieder auf Facebook geteilt werden. Wir entschuldigen uns für die kurzzeitige Sperrung“, teilte eine Sprecherin von Facebook der „Tagespost“ am Abend des Tages mit. In der Tat funktionierten jetzt wieder alle Inhalte. Doch der Argwohn im Netz bleibt erhalten. Wirklich keine Christenfeindlichkeit?

Es hilft, der Technik über die Schulter zu sehen. Wäre die Sperre absichtlich erfolgt, so hätte nach ihrer Aufhebung unmittelbar alles wie gehabt funktionieren müssen. Genau das war aber nicht der Fall. Gelöschte Postings von Nutzern wurden zwar vollständig und original wiederhergestellt, weil sie im Nutzerprofil gespeichert bleiben. Wer allerdings neu posten wollte, konnte sehen, was passiert war. Teilte man einen Beitrag von der Seite katholisch.tv, zum Beispiel das besagte Video von Prinz Charles, so wurde kein Beitragsbild übernommen. Die von Facebook ursprünglich mal eingesammelten Informationen, wie das Beitragsbild, waren aus der Datenbank verschwunden. Das weist auf einen immer noch nicht ganz behobenen technischen Defekt hin. Erst wenn der Webcrawler von Facebook, ein Programm, mit dessen Hilfe Netzwerke Informationen sammeln, die Seite katholisch.tv wieder neu erfasst hat, wird auch die Verlinkung wieder so erfolgen, wie es sein sollte.

Eine Sperre macht Inhalte oft erst richtig interessant

Der Vorfall zeigt neben vielen anderen Aspekten, wie groß die Abhängigkeit von einzelnen Netzwerken ist. Obwohl das Video auch über andere Plattformen seinen Weg in die Öffentlichkeit fand, zum Beispiel über YouTube, war die Sperre auf Facebook im Grunde ein Desaster.

Auf der anderen Seite hat die Sperre das Video deutlich interessanter gemacht und zudem die neue Medienplattform von Kirche in Not promotet. Angenommen, man wollte Nachrichten sperren, um sie zu unterdrücken, hat das vorliegende Beispiel gezeigt, dass Sperren eine Nachricht unter Umständen erst richtig interessant machen. Denn im Internet findet jede Information immer noch eine Hintertür. Das Netz kann nicht vergessen.

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