Angrogna

Eine bessere Homepage bekehrt keinen

Medienapostolat ist nur ein Nebengeschäft: Der Priester und YouTuber Johannes Maria Schwarz sieht nicht professionelle Medienarbeit, sondern die Anbetung Gottes als zentrale Aufgabe der Kirche.

Johannes Maria Schwarz
„Neues aus der Eigenbrödelei“: In „Hermit & Hog“ behandelt Johannes Maria Schwarz gemeinsam mit dem fiktiven Wildschwein Heinrich unterschiedlichste Glaubensfragen. Foto: kathmedia

Wir sind auf interpersonale Kommunikation ausgelegt, wir sind soziale Wesen. Und die sozialen Medien sind eigentlich nicht sozial in dieser Hinsicht, weil wir nicht wirklich mit Menschen Kontakt haben.“ Johannes Maria Schwarz ist kein allzu großer Fan von Facebook, Twitter, Whatsapp und Co. Das mag überraschen, denn der 42-jährige Priester ist nicht nur durch seine Pilgerreise nach Jerusalem – zu Fuß – sondern auch durch sein Medienapostolat bekannt. Viele kennen den sympathischen Österreicher aus „Mein Gott und Walter“ oder durch den „3mc“, einen 3-Minuten-Katechismus im Videoformat. Auch eine Videoreihe über Islam und Christentum, „At-Tariq“, hat Johannes Maria Schwarz entwickelt und in „Hermit & Hog“ nutzt er seine Pilgerreise durch die Alpen als Anlass, um mit viel Witz und Charme und unter zum Teil eher unkonventionellen Titeln („Gibt es im Himmel Stahlbeton?“, „Über die Religiosität von Hirschkühen“) theologische Fragen zu behandeln.

Johannes Maria Schwarz war Pfadfinder, ist vor seiner Matura als Straßenkünstler mit Marionetten durch Australien gezogen, als Zwanzigjähriger nach Santiago gepilgert und dann Priester im Erzbistum Vaduz, Liechtenstein, geworden. Aktuell lebt er mit Erlaubnis seines Bischofs in einer Einsiedelei in den Bergen des Piemonts und widmet sich dort medienapostolischen Projekten. Obwohl er mit Leidenschaft und Professionalität an seinen Videos arbeitet, hält der Dogmatiker die Wirkung dieses besonderen Apostolates für begrenzt, es sei eher etwas „Vertiefendes, Begleitendes“. Das „Kerngeschäft der Kirche“ müsse jedoch immer „die Anbetung des wahren Gottes“ sein. „Und das geschieht letztlich in der kirchlichen Gemeinschaft, in der Liturgie. Das ist das, wo das Herz der Kirche schlägt.“

„Die Kirche muss nicht modern werden“

Ein Tag in einem Kloster sei für einen jungen Menschen dann doch prägender als eine kurze Zeit vor dem Bildschirm. „Die Kirche muss nicht modern werden“, meint der YouTuber in Soutane. Und eine bessere Bistumshomepage bekehre die Menschen auch nicht. „Es heißt immer, die Kirche muss aktiver sein in diesen Dingen… Das einzige, wo die Kirche aktiv sein muss, ist in ihrer Anbetung Gottes und von diesem Glauben zu sprechen.“ Dazu solle sie dann natürlich alle Kanäle benutzen – und gerne professionell. Aber zuerst müsse sie ihre eigentliche Aufgabe, ihr „Kerngeschäft“, erfüllen. Erst dann bringe es etwas, „wenn sie das nach außen kommuniziert“.

Wenn sich viele Menschen heute von der Kirche abwenden oder das Glück des Glaubens nie entdecken, dann liegt das nach Schwarz also eher weniger an äußeren Strukturen oder an mangelnder „Modernität“ der Verkündigung, sondern an Problemen im Zentrum des kirchlichen Lebens. „Wir kranken im Herzen“, meint der Priester. Das stellt ihn auch in seiner Medienarbeit vor eine große Herausforderung, denn oft erlebt er eine Diskrepanz zwischen dem, was er von der Schönheit und Tiefe der katholischen Lehre zu zeigen versucht und dem, was seine Zuschauer dann vielleicht konkret in ihrer Pfarrei antreffen werden. Dass die Kirche ständig über Strukturfragen redet, erschwere jedes Apostolat. „Ich verstehe, dass das wichtig ist und dass das auch Menschen bewegt. Aber nichts von dem bringt etwas, wenn nicht der Kern und das Herz lebendig ist.“ Zurück also zum Wesentlichen, zu den Wurzeln, zu dem, was die Kirche eigentlich trägt und wachsen lässt. „Es gibt nur eine Antwort, und die ist Christus“, meint Johannes Maria Schwarz angesichts der vielen aktuellen Fragen in der Kirche. Alles muss sich um Christus drehen, nur so könne die Kirche als Leib Christi gesund sein.

„Mein Ziel ist, Wege zu nutzen, die Botschaft Jesu und das
Evangelium zu verkünden, die vielleicht wenige betreten werden“

Deshalb sieht Schwarz die Zukunft der Kirche dort, wo der Glaube, der Gottesdienst gepflegt und aktiv gelebt wird, besonders in den Klöstern und Gemeinschaften. Sie seien die starken, dicken Äste am Baum der Kirche, sie werden auch in den schwierigen Zeiten am Leben bleiben. Denn an einen Frühling glaubt Schwarz trotz vieler positiver „Aufbrüche“ nicht. „Ich glaube, dass der Winter kommt. Und im Winter werden Sachen abfrieren.“

Auch wenn er mit seinen Videos zur konkreten Begegnung mit Christus nur wenig beitragen könne, möchte Schwarz die Möglichkeiten der Medienarbeit dennoch fruchtbar machen. „Mein Ziel ist, Wege zu nutzen, die Botschaft Jesu und das Evangelium zu verkünden, die vielleicht wenige betreten werden.“ Das mag sowohl auf die vielen Straßen und Pfade in Richtung Jerusalem und über die Alpen zutreffen, als auch auf die unkonventionelle YouTube-Evangelisierung. Und so ist Schwarz dankbar, dass er vielleicht doch „in dem ein oder anderen etwas tun kann, das hoffentlich nützlich ist für die Kirche.“

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