Mainz

Der Dicke Hund: Die Guten, die Bösen und das ZDF

Gleichberechtigung? Objektivität? Das ZDF hat bei seiner Berichterstattung über den Synodalen Weg hat lieber auf Klischees und unfaire Meinungsmache gesetzt.

ZDF
Klare Klischees von „Guten“ und „Bösen“: In seiner Berichterstattung über die erste Vollversammlung des Synodalen Weges brilliert das ZDF nicht gerade mit Qualitätsjournalismus. Foto: Fredrik von Erichsen (dpa)

Was ist eigentlich der Mehrwert eines TV-Magazins? Vielleicht möglichst objektive Information? Bei Öffentlich-Rechtlichen könnte man diese Dienstleistung vermuten. Sie gehört zum Grundauftrag. Oder genauer: Man konnte (!) es einst vermuten dürfen. Ebenso wie Kompetenz und Neutralitätsbemühen. Tempora mutantur.

Das ZDF-Magazin Frontal21 lieferte wenige Tage nach der ersten Versammlung des sogenannten Synodalen Weges einen neunminütigen Beitrag, der eher ein bemerkenswertes Machwerk war. Objektivität konnte man jedenfalls nicht entdecken. Es gab, mit entsprechender musikalischer Untermalung, die Präsentation der „Guten“ und der „Bösen“. Gut waren alle, die sich eine Modernisierung der Kirche, eine Anpassung an den politischen Zeitgeist wünschen.

Fakten können halt so störend sein

Lemmingen gleich folgte man zum Beispiel dem Narrativ, dass die Kirche sexualfeindlich sei, man die Sexualmoral abschaffen müsse und Liebe – was immer das auch sei – stets (aus)gelebt werden müsse. Die Frage nach einer Differenzierung zwischen sexuellen Bedürfnissen und geordneter gelebter Sexualität in Kombination mit der übernommenen Verantwortung war selbstverständlich ausgeklammert. Sach- und faktengerechte Informationen können halt – bei Tendenz-„Berichten“ – so wahnsinnig störend sein.

Dafür wurden viele passende Klischees passgenau bedient. Ein Theologe malte das Bild einer Kirche, die monarchisch und absolutistisch sei. Ein anderer „Guter“ warb „betroffen“ um Verständnis, weil er sich als Priester verliebt hatte und seine Liebe vertuschen musste. Die Botschaft: Die böse Kirche hatte ihm durch den „Zwangszölibat“ die Sexualität verboten.

Dass jedes Zölibatsversprechen wie jedes Eheversprechen zur Treue verpflichtet und nur freiwillig gegeben sakramental gültig ist, dass es ebenso keinen Zwangszölibat gibt wie eine Zwangseinehe – wen interessiert das schon! Auch der Gedanke, dass es bei beidem um wesentlich mehr geht als nur um Sex, ist wohl zu anspruchsvoll. Wichtig ist in dem Film, dass der Priester, der sein Treueversprechen brach und seinem Gefühl folgte, ein Guter ist und entsprechend sympathisch rüberkommt.

„Kann es sein, dass Ideologie
einfach keine Fairness verträgt?“

Das gilt auch für den schwulen Priester, der sich „mutig“ outete und die Gleichwertigkeit gleichgeschlechtlicher „Liebe“ fordert. Und auch ein älterer Kirchenkritiker, dem es erkennbar um eine Anpassung der Kirche an die Polit-Welt geht, bekommt Zeit und Raum. Das sind alles die „Guten“.

Und die „Bösen“? Klar, der Kölner Kardinal. Und US-Kardinal Burke aus Rom. Da findet man halt keine netten, freundlichen Bilder. Eher unsympathische. Objektivität? Gleichberechtigung wenigstens in den Bildbotschaften? Wo kämen wir da denn hin! Kann es sein, dass Ideologie einfach keine Fairness verträgt? Wenig überraschend für jeden wirklich Aufgeklärten ist auch: Der emeritierte Papst wie auch der konsequent katholische afrikanische Kardinal werden unscharf präsentiert, als „erz“-konservativ etikettiert. Zum krönenden Abschluss darf dann noch ein ehemaliger Priester, der als Experte und Journalist wirkt, gleichsam ex cathedra auftreten und – sprachlich gar nicht irenisch – den „letzten Schuss“ beschwören, den man mit dem Synodalen Weg jetzt habe. Der müsse halt sitzen.

Dialog- und Diskursbereitschaft atmet dieser Beitrag nicht. Differenzierungsbereitschaft ebenso wenig. Dafür viel Meinungsmache und Einseitigkeit. Subjektivität halt. Getarnt als „Bericht“. Ist das – teuer bezahlt und zwangsgebührenfinanziert – öffentlich-rechtlicher Qualitätsjournalismus? Vielleicht nur nichts anderes als ein dicker Hund!

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