Würzburg

Internationale Zeitungsschau

Die Agenda von Black Lives Matter - Zwei Bücher über den "nächsten Papst" - Vom Boykott bedroht - Das Gefängnistagebuch von Kardinal Pell.

Internationale Zeitungsschau: The Spectator vom 27.06.20
Der Spectator stellt die Frage, wofür steht die Organisation "Black Lives Matter" eigentlich steht. Foto: The Spectator

Die Agenda von Black Lives Matter

Wofür steht die Organisation „Black Lives Matter“? Der britische Spectator stellt sich dieser Frage, da „in den vergangenen Wochen 34 000 Briten die Kassen der britischen Filiale von BLM beunruhigenderweise mit mehr als 1 Million GBP füllten“. Obwohl BLM UK mit Spenden überflutet wurde, habe diese Organisation offenbar noch nicht einmal eine eigene Webseite und ist auch keine eingetragene Wohlfahrtsorganisation. Darüber hinaus widersetze sich BLM UK, zu einer solchen zu werden. Aber warum? „Die Struktur einer Wohlfahrtsorganisation ermöglichte uns nicht die Freiheit und Flexibilität, unsere politische Arbeit so zu tun, wie wir es gerne möchten“, heißt es bei BLM UK. Welche politische Arbeit meint die Gruppe damit?

Der Spectator benennt einige der Ziele, die BLM UK vertritt, und die manche ihrer Unterstützer möglicherweise zum Überdenken ihrer finanziellen Förderung führen könnten: So möchte BLM UK den „Kapitalismus demontieren“. Dieses Ziel könnte, so kommentiert das Magazin, „ein Schock für viele sein, die für die Anliegen von Black Lives Matter spendeten. Für Fußballer der ersten Liga, wie etwa Kevin De Bruyne von Man?s City, könnte dies eine besondere Überraschung sein. Sein Spielshirt war kürzlich mit dem Motto der Organisation geschmückt. De Bruyne ist der Spitzenverdiener der Mannschaft und erhält wöchentlich 350 000 Pfund. Unwahrscheinlich, dass er ohne den Kapitalismus ebenso viel verdienen würde“. Zudem hält BLM den Klimawandel für „rassistisch“.

Als die Gruppe 2016 zwei Londoner Flughäfen zu blockieren versuchte, um die Flugreisenden von ihrem Urlaub abzuhalten, twitterte sie den Grund dafür: „Die Klimakrise ist eine rassistische Krise. Schwarze Menschen sind die ersten, die bei dieser rassistischen Klimakrise sterben.“ BLM UK möchte ferner Gefängnisse und Polizei abschaffen sowie Landesgrenzen beseitigen. Aufgrund dieser ans Licht gekommenen politischen Ziele nehme die Beunruhigung unter den Unterstützern zu, so der Spectator.

Zwei Bücher über den „nächsten Papst“

Der National Catholic Register kündigt das Erscheinen zweier Bücher mit dem Titel „The Next Pope“ („Der nächste Papst“) an. Es sei „ein zwangsläufiges Kennzeichen eines jeden Pontifikats, dass eine Zeit kommt, in der an das folgende Pontifikat gedacht wird“. Damit werde jedoch „keine Geringschätzung des regierenden Papstes zum Ausdruck gebracht“, und es bedeute auch nicht, dass der derzeitige Papst vom päpstlichen Thron gestoßen werden solle. In der Kirchengeschichte gebe es eine lange Tradition der Spekulation über künftige Konklaven und führende Kandidaten. Bemerkenswert sei jedoch, „dass wir derzeit mit zwei Büchern mit dem gleichen Titel (The Next Pope) gesegnet sind“, auch wenn sie sich inhaltlich stark voneinander unterscheiden. Das erste Buch stammt von George Weigel „The Next Pope: The Office of Peter and a Church in Mission“ (Ignatius Press). Weigel ist einer der „schärfsten Beobachter der Kirche, und seine Reflexionen über das Petrusamt sind erfüllt von seinen eigenen Gesprächen mit den drei letzten Päpsten: Papst Johannes Paul II., Papst Emeritus Benedikt XVI. und Papst Franziskus. Und im Hinblick auf die Zukunft baut er nicht nur auf die Erfahrung der drei letzten Pontifikate, sondern auf die gesamte Kirchengeschichte als Grundlage für das Verständnis epochaler Umbrüche in der christlichen Geschichte. Der fünfte Umbruch wird, wie er schreibt, gerade eingeleitet – vom Katholizismus der Gegenrevolution hin zur Kirche der Neuevangelisierung“.

In seinem Buch, das im Juli auch auf Deutsch unter dem Titel „Der nächste Papst – das Amt des Petrus und eine missionarische Kirche“ erscheint, benennt er die erforderlichen Eigenschaften für den Mann, der die Kirche durch diesen Umbruch leiten werde. Der nächste Papst, so meint Weigel, „wird während des Zweiten Vatikanum wahrscheinlich ein Teenager oder ein sehr junger Mann gewesen sein. Vielleicht sogar noch ein Kind. Jedenfalls wird er nicht durch die Erfahrung des Konzils und die Debatten über dessen Bedeutung und Rezeption geprägt sein wie Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus“.

Daher werde der nächste Papst eine andere Gestalt als seine unmittelbaren Vorgänger sein. So scheine es angemessen, „sich nun darüber Gedanken zu machen, was die Kirche aus ihren Erfahrungen während der Pontifikate dieser drei Konzilspäpste gelernt hat, und darauf hinzuweisen, was der nächste Papst aus diesem Lernen mitnehmen könnte“.

Während Weigel sich dem „Was?“ eines kommenden Pontifikats widme, liefere Edward Pentin mit seinem Buch „The Next Pope – The Leading Cardinal Candidates“ einen Ausblick auf die Frage nach dem „Wer?“. Rom-Korrespondent Pentin „betont, dass der umfangreiche Text das Werk eines Teams von Wissenschaftlern ist, die an ihrer Aufgabe diskret arbeiteten. Dies wird an den detaillierten und eindrucksvoll recherchierten Biografien von 19 Kardinälen aus der ganzen Welt deutlich, die als papabile eingestuft werden könnten“.

Vom Boykott bedroht

Die Autorin von „Harry Potter“, J. K. Rowling, sieht sich nach Äußerungen auf Twitter, die von Angehörigen der LGBT-Szene als „transphob“ eingestuft wurden, einer Hexenjagd ausgesetzt. So musste das Verlagshaus Hachette UK seinen Angestellten untersagen, Rowlings neuestes Buch, das im November 2020 erscheinen soll, zu boykottieren. Das Verlagspersonal hatte laut Famille Chrétienne vorab angekündigt, „dass es ablehnte, an dem Buch ,L?Icklabog‘ – einem Märchen der Autorin – mitzuarbeiten, um seine Opposition gegen deren vermeintlich transphobe Äußerungen zum Ausdruck zu bringen“. Hachette erklärte: „Die Meinungsfreiheit ist der Eckpfeiler des Verlages. Wir meinen grundsätzlich, dass jeder das Recht hat, seine eigenen Gedanken und Überzeugungen zu äußern.“

Das Gefängnistagebuch von Kardinal Pell

Dem Catholic Herald zufolge sagte der Verleger des Gefängnistagebuchs von Kardinal George Pell, dass der Text „Mut, Überzeugung und christliche Nächstenliebe des Kardinals offenlegt “. Dieses Tagebuch „zeigt den Kardinal Pell, den ich kenne und den jeder treue Katholik kennenlernen sollte“, sagte Pater Joseph Fessio SJ. Pell verkünde „Christus und die Morallehren der Kirche ohne Furcht“. Das Buch soll im Frühjahr 2021 erscheinen, entweder als Kurzfassung des 1 000-seitigen Gefängnistagebuchs oder als ein erster Band des vollständigen Textes.

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