Würzburg

Internationale Zeitungsschau

Trauriges Schicksal einer jungen Muslimin - Wie urteilen katholische Heilige über den Islam? - "Christentum muss immer gegenkulturell sein": Rod Dreher im Gespräch - 59 Staaten für Abtreibung - Das Virus als Rache an alten weißen Männern?

Französische Wochenzeitschrift Courrier International
Die französische Wochenzeitschrift Courrier International berichtet vom Schicksal der 13-jährigen Iranerin Romina Ashrafi, die aus ihrem Elternhaus flüchtete, um mit ihrem 30-jährigen Freund zusammenzuleben und nach ihrer Festnahme von ihrem Vater im Schlaf enthauptet wurde. Foto: Kargozaran/Courrier International

Trauriges Schicksal einer jungen Muslimin

„Die Tragödie von Romina“ betitelt die iranische Tageszeitung Kargozaran ihren Bericht über ein 13-jähriges Mädchen, das von seinem Vater im Schlaf enthauptet wurde. Auf dem Cover der Ausgabe ist das Mädchen abgebildet. Die französische Wochenzeitschrift Courrier International, die Presseartikel aus 900 internationalen Zeitschriften und Zeitungen auswählt und ins Französische übersetzt, gibt eine Zusammenfassung des iranischen Beitrages über das Schicksal der Romina Ashrafi, die aus ihrem Elternhaus flüchtete, um mit ihrem 30-jährigen Freund zusammenzuleben. Ihr Vater widersetzte sich einer Heirat – aber nicht aufgrund des Alters des Mannes, sondern wegen seiner sunnitischen Ausrichtung, während die Familie Ashrafi schiitischen Glaubens ist. Nach dem Verschwinden der Jugendlichen habe er Strafanzeige wegen „Entführung“ gegen den Freund seiner Tochter erstattet. Fünf Tage später sei das Pärchen verhaftet worden.

Das junge Mädchen habe die Behörden angefleht, nicht seinem Vater übergeben zu werden. Doch es war vergeblich: „Am nächsten Tag wurde sie im Schlaf von ihrem Vater getötet, der zunächst sie zu erwürgen versuchte, bevor er sich einer Sichel bediente.“ Diese Tragödie habe in den sozialen Netzwerken im Iran „zu einem Aufschrei der Entrüstung gegen die patriarchalischen Gesetze und den fehlenden Schutz für Frauen und junge Mädchen geführt, da nach dem islamischen Strafgesetz der Vater als Eigentümer seines Kindes betrachtet wird“. Somit wird „der Vater, der seinen Nachwuchs ermordet, nach dem richterlichen Urteil nur zu drei bis zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Obwohl Mord im Iran mit der Todesstrafe geahndet wird.“ In seinem Leitartikel frage sich Kargozaran, weshalb die Jugendliche „in Anbetracht des Charakters des Vaters und der Kultur der Region ihrer Familie übergeben wurde, obwohl sie doch bei der Polizei oder bei Kinderschutzorganisationen hätte bleiben können. Warum schweigt das Gesetz in diesen Fällen?“ Dies seien Fragen, resümiert der Courrier International, die sich viele Iraner nach der Medienberichterstattung über die Tragödie stellten.

Wie urteilen katholische Heilige über den Islam?

La Nef bespricht das Buch von Antoine Régis mit dem Titel „Les saints catholiques face a l'islam“. Zunächst gelte es, schreibt Marie-Dominique Germain in ihrer Rezension, „die beachtliche Dokumentationsarbeit dieses Werkes zu würdigen, das uns eine Zusammenstellung von Texten im Hinblick auf den Islam zur Verfügung stellt, die von Heiligen unterschiedlicher Epochen verfasst wurden – vom achten Jahrhundert bis in die heutige Zeit –, vom heiligen Johannes von Damaskus über den heiligen Bernhard, den heiligen Thomas von Aquin, dem heiligen Louis-Marie Grignion de Montfort und vielen weiteren bis hin zum heiligen Johannes Paul II.“

In praktisch allen Zeitaltern hätten sich bedeutende Stimmen erhoben, „um die Irrtümer des Islam kraftvoll anzuprangern“. Was auffalle, sei die durchgängige „unmissverständliche Verurteilung“ des Islam – bei allen hier versammelten Heiligen zu allen Zeiten und mit nahezu den gleichen Worten.

Zugleich aber auch die durchgängige Nächstenliebe, „mit der die Gläubigen geschützt und die Verirrten bekehrt werden sollen: Seit 1141 bemühte sich der selige Petrus Venerabilis, den Koran aus dem Arabischen in das Lateinische übersetzen zu lassen, um die Katholiken dabei zu unterstützen, die Muslime zu bekehren, und um sie selbst vor dem Irrtum zu bewahren. Im Laufe der Jahrhunderte wird sich diese Caritas noch verfeinern, wobei die Heiligen es uns zur Pflicht machen, nicht nur für die Muslime zu beten, sondern auch eine ernsthafte Gewissenserforschung über das Zeugnis zu betreiben, das wir durch die Achtung oder die Respektlosigkeit geben, mit der wir den Allerhöchsten ehren.“

„Christentum muss immer gegenkulturell sein“ – Rod Dreher im Gespräch

Einblicke in seine Auffassungen über das heutige Christentum gab „Benedikt-Option“-Autor Rod Dreher in einem ausführlichen Interview mit Tara Isabella Burton für die New York Times. Das Christentum müsse immer eine Gegenkultur zum bestehenden Mainstream darstellen, meint Dreher. Die sogenannten „christlichen Werte“ seien in den USA im Niedergang begriffen: „Ich glaube, dass der Begriff ,christliche Werte‘ bedeutungslos geworden ist. Er wird als Kürzel für den Widerstand gegen die sexuelle Revolution und für all das, was sie mit sich bringt, gebraucht – Abtreibung, sexuelle Freizügigkeit, Homo-Ehe und so weiter.“

Natürlich müsse ein gläubiger Christ die sexuelle Revolution ablehnen, in erster Linie aber deshalb, weil sie „eine radikal antichristliche Anthropologie bietet“. Doch auch die Moderne biete „eine antichristliche Anthropologie, die mit dem historischen Glauben in jeder Hinsicht kollidiert. Dabei denke ich daran, wie wir zur Technologie und zur Ökonomie stehen. Wollen Sie einen Raum leer bekommen, in dem sich lauter – liberale wie auch konservative – Christen befinden? Sagen Sie ihnen, dass, wenn sie ihren Kindern Smartphones mit Internetzugang geben, dies eines der schlimmsten Dinge ist, das man aus der Perspektive eines Lebens nach christlichen Werten tun kann. Doch das will keiner hören!“ Der wesentliche Grund dafür, warum christliche Werte in dieser Kultur „rasant schwinden, hat mit dem Verlust des Sinns für das Heilige, für das Transzendente zu tun, das Philip Rieff als ,heiligen Schrecken‘ bezeichnete“.

59 Staaten für Abtreibung

Die französische Tageszeitung Présent berichtet über den Aufruf von 59 Staaten für eine Förderung der Abtreibung während der Pandemie. Die vom 6. Mai datierende „Gemeinsame Erklärung zum Schutz der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte und Förderung einer Geschlechterperspektive in der Covid 19-Krise“ wurde von den meisten europäischen Ländern unterzeichnet, außer von Polen, Ungarn, der Slowakei und Malta.

Das Virus als Rache an alten weißen Männern?

Im britischen Monatsmagazin Stand-point zitiert Justin Webb eine Nachricht auf Twitter, derzufolge das Corona-Virus an Männern „Rache genommen“ habe als Konsequenz dessen, dass sie häusliche Gewalt an ihren Frauen ausgeübt hätten. In einem weiteren Tweet einer „Dozentin in Oxford“ hieß es, sie wolle nicht, dass der Impfstoff an einer Universität entwickelt würde, weil dies den „Vorrang alter weißer Männer“ weiter verstärkte.

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