Wien

Ein Vademecum für den katholischen Mann

Idealtyp des katholischen Mannes: Aus Wien kommt eine klare Ansage zu Geschlechter-Rollen.

Claus Graf Schenk von Stauffenberg
Hatte kein ungebrochenes Verhältnis zum Glauben: Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Foto: Wolff Verlag

Eine „Männerfibel“ zu schreiben – was für ein Unterfangen in einer Zeit, die keine Geschlechterrollen mehr anerkennen will. Darin Kategorien wie Vaterschaft, Tapferkeit, Stolz, Vaterlandsliebe, Schönheit zu verhandeln – das ist schon mutig und setzt die Verfasser dem Verdacht aus, politischen und ästhetischen Kategorien zu folgen, die im Zeitalter des Meinungszwangs mehr als randständig sind. Sei’s drum, werden sich P. Philipp Karasch und Daniel Plassnig gedacht haben, im Wiener Oratorium die Verantwortlichen für die Jugendgruppe, und haben zu Papier gebracht, wie sie sich heute den katholischen Mann vorstellen. Das wird nicht jedem gefallen, ist aber eine legitime Meinungsäußerung aus konservativer Sicht, jedenfalls aber ein Zeit-Dokument, weil es Verluste anzeigt.

Die beiden Autoren gehen ihre Arbeit so an, dass sie für die einzelnen Themen, die auch die Kapitel bilden, jeweils einen Gewährs-Mann anführen, dessen Beispiel den heutigen Geschlechtsgenossen lobend vor Augen gestellt wird. Beim Thema Vaterschaft zum Beispiel ist das Thomas Morus, dessen Briefe an Frau und Kinder, auch aus dem Gefängnis heraus, anrührend sind: „Er legt auf die gediegene intellektuelle Formung und eine wahrhaft christliche Herzensbildung seiner Kinder besonderen Wert. Die Weltliteratur kennt kaum Vaterbriefe, die feinsinniger, liebevoller und weitsichtiger sind als die seinen.“ Karasch und Plassnig lassen keinen Zweifel daran, wie sie sich die Aufgabe des Mannes in der Welt vorstellen: „Im Wesen des Mannes liegt die Berufung zur Vaterschaft als Familienvater, Lehrer oder geistlicher Vater (Priester, Ordensmann). Doch was ist ein wahrer Vater? Er ist lebensspendender Erzeuger, hingebungsvoller Ernährer, mutiger Beschützer, weiser Lehrer und respektvoller Mentor.“

Spätestens hier wird der BDKJ sich nicht weiter quälen lassen
und um formale Exkommunizierung bitten

 

Von offiziellen kirchlichen Jugendverbänden im deutschen Sprachraum wird man solche Worte eher nicht vernehmen. Die heute vielfach anzutreffende „egoistische Lebensführung nach dem Lustprinzip“‘, so die Autoren, führe viele allerdings zu einem „nichtigen, selbstbezogenen und verpfuschten Leben“. In diesem deutlich artikulierten Stil geht es weiter: der Vater ist „Haupt der Familie und Gott gegenüber für sie verantwortlich. Die christliche Familie ist Hauskirche und der Vater ihr Priester. Es gibt kaum einen eindrucksvolleren Anblick eines Mannes, als wenn er kniet und betet“. Spätestens hier wird der BDKJ sich nicht weiter quälen lassen und um formale Exkommunizierung bitten. Der Ton der beiden Wiener ist gelegentlich sehr prononciert, aber nichts, was sie sagen, hätte noch vor wenigen Jahrzehnten Aufsehen erregt. Wie weit die geistige Kulturrevolution vorangekommen ist, lässt sich daran ablesen, wie fremd diese klare Sprache auch dem Kirchgänger geworden ist. Ebenso bemerkenswert ist, dass es heute wieder – wenn auch nur in wenigen Reservaten – eine katholische Gegenbewegung zur alles nivellierenden und alles entwertenden Verflachung gibt. Einige Fragen im Sinne eines Gewissenspiegels schließen jeden Abschnitt ab.

Das Kapitel Ordnung, für das sehr sinnenfällig Albertus Magnus der Pate ist, der die Naturwissenschaften zu unterscheiden trachtete, erwähnt den diabolos, den heute so wirkmächtigen Durcheinanderwirbler, und ruft in Erinnerung, dass „Ordnung nicht erst eigens erfunden oder konstruiert werden“ muss, sie bestehe bereits: „Gott hat nicht nur alles ins Dasein gerufen, sondern auch jeder Kreatur ihren Platz bestimmt und sie in die ewige Ordnung eingefügt, das gilt sowohl für die geistige Sphäre als auch für die materielle Schöpfung.“

Gelebtes Christentum führt zu geordneten Verhältnissen

Für den Menschen bedeute das: „Insofern wir in diese göttliche Ordnung eingeplant sind, ist sie der Garant für ein erfülltes Leben, da wir uns sonst selbst fremd würden.“ Den Champions des Synodalen Weges wird man mit so viel klassischem Naturrechts-Denken wohl nicht kommen können, doch ist es wohltuend, auf Autoren zu stoßen, die der überlieferten Lehre der Kirche noch etwas zutrauen. Sie ist der Grund, auf dem die Autoren stehen und von dem aus sie sagen können: „Unsere erste Identität ist immer das Christentum, welches nicht nur ein kulturelles Moment darstellt, sondern uns die Erkenntnis der Ebenbildlichkeit Gottes vermittelt und den wahren Wert unseres Lebens offenbart.“ Die sich anschließende prüfende Frage „Tust Du etwas für das Gemeinwohl?“ lässt den möglichen Verdacht, hier werde an einer katholischen Sonderwelt gearbeitet, in den Hintergrund treten. Vielmehr wissen die Autoren, was uns bevorsteht: „In Ländern, wo die Volkskirche schon länger Geschichte ist, sind die Katholiken gewohnt, nicht der Mehrheitsmeinung zu entsprechen.“ Man trete da überzeugter auf als dort, wo es eben noch Reste volkskirchlicher Strukturen gebe.

Tatsächlich führt gelebtes Christentum zu geordneten Verhältnissen, erst im Leben des Einzelnen, dann in der Gemeinschaft. Dazu beitragen will dieses Buch, das somit durch und durch konstruktiv und eben nicht elitär ist. Äußerlichkeiten, wie der etwas verträumte Titel, sollen davon nicht ablenken. Ob man Claus Graf Schenk von Stauffenberg auf das Umschlagbild (die beigegebenen Illustrationen von Giampiero Celani haben im übrigen einen künstlerischen Wert) setzen muss, der jedenfalls kein ungebrochenes Verhältnis zum katholischen Glauben hatte, lässt sich diskutieren. Nicht aber darüber, dass jeder Beitrag zur geistigen Klarheit, der auf das unaufgebbare Fundament des Glaubensgutes aufbaut, hoch willkommen und angesichts des Geredes von „fluiden Geschlechtern“ notwendig ist.


Daniel Plassnig/Philipp Karasch: Träumer – Kämpfer – Gentleman. Eine Männerfibel. Wolff Verlag, Berlin 2020, 113 Seiten, ISBN 9-783-941461-41-3, EUR 19,90

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