„Vor dem Heiligsten Herzen Jesu“

Zwischen Kirche und Kino: Die französische Filmregisseurin Natalie Saracco über ihre Mission Von Stefan Meetschen

Filmemacherin Natalie Saracco
Kraft und Inspiration durch das Heiligste Herz Jesu: die Filmemacherin Natalie Saracco.Sipa Press/Salvator Foto: Foto:

Es ist ein Buch, geschrieben mit Kraft und Leidenschaft. Natalie Saraccos Werk „Zurück aus dem Jenseits“, in dem die französische Filmemacherin den Weg beschreibt, den sie nach einem schweren Autounfall absolvierte. Kein gewöhnlicher Weg, denn angetrieben wurde Saracco von einer ungewöhnlichen Nahtoderfahrung, die sich ereignete, während sie eingeklemmt in dem Autowrack saß. „Ich weiß nicht, ob ich das Bewusstsein verloren habe oder ob mein Herz aufgehört hat zu schlagen, aber ich weiß sicher, dass ich mich plötzlich vor dem Heiligsten Herzen Jesu befand.“ Für die Französin und „gute Katholikin“ ein erschütterndes Erlebnis. „Oh, mein Herr, deine Qual war so groß, dass mir deine Tränen wie ein ganzes Meer von Schmerzen erschienen, aller Schmerz war hier gebündelt!“ Damit nicht genug. An der Schwelle zum Tod sieht Saracco auch „die Stunde meines persönlichen Gerichts“, wie sie es bezeichnet. Der Eindruck ist gewaltig: „Das entblößte Geschöpf steht in seiner ganzen Wahrheit vor seinem Schöpfer. Alles ist vollendet, was jetzt zähle, sei die Liebe, die man im Leben für Gott übrig hatte oder nicht. „Wie jeder Liebende will der Herr um seiner selbst willen geliebt werden. Er gibt uns alles, aber er erwartet auch alles von uns.“

Saracco, die bis dato nur Kurzfilme gemacht hatte, spürt während der Rekonvaleszenz, den „Zwangsexerzitien“, die ein Jahr dauern werden und im „Rhythmus von Gebet und Lektüre“ vergingen, irgendwann den Anruf, Spielfilme zur Ehre Gottes zu drehen. Mit der Inspiration für ein Drehbuch beginnt das künstlerisch-spirituelle Abenteuer. Die „Geschichte einer modernen Maria Magdalena“ schwebt Saracco vor, sie wird in „die unglaubliche Geschichte von La Mante Religieuse katapultiert“. Sie schreibt auf Hochtouren. Mehr unter Heilig Geist-Diktat, denn als Kontrolle ausübende Autorin. „Nach zwölf Tagen, am Ende eines erbitterten Kampfes, war das Drehbuch des Films fertig. (…) Alles war da, die Geschichte, die Dialoge und die Bildfolgen.“

Doch mindestens zwei weitere Kampffelder, daran lässt Natalie Saracco keinen Zweifel, stehen ihr nun erst noch bevor: Nämlich die Finanzierung des Films und die Produktion. Fünf harte Jahre, die von allerlei Attacken begleitet werden. „Je mehr der Film Form annahm, desto mehr Ärger bekam ich. Befreundete Priester und Nonnen hatten mich gewarnt: Du arbeitest für Gott, mach dich darauf gefasst, dass du angegriffen wirst und alle möglichen Kämpfe durchstehen musst.“ Wahre Worte. Eine Person in ihrem Umfeld scheint ständig zu intrigieren, ein Schauspieler sagt plötzlich die zugesagte Verpflichtung ab. Zu unguter Letzt stirbt Saraccos Vater, ein Mediziner, sodass die dynamische Regisseurin, die ohne fromme Schnörkel, aber mit Herz und Direktheit schreibt, gezwungen ist, ständig zwischen Paris und dem Norden des Landes, wo ihr verwitwete Mutter lebt, hin und her zu pendeln. Irgendwie geht es. Auch weil Saracco erfahrene geistliche Begleiter um sich hat, welche sie unterstützen, motivieren und Kontakte anbahnen. Das Herz Jesu, als die mystische Inspirationsquelle und als Netzwerk-Magnet, nicht zu vergessen. In Paray-le-Monial lernt Saracco eine Nonne kennen, die ihr die Mitgliedschaft in der „Ehrengarde des Herzens Jesu“ vermittelt. Zufall, Schicksal, Gott?

Auch bei den Vorpremieren des Films geht alles gut. Überall sind die Zuschauer aufgeschlossen und berührt von der religiösen Handlung. So sehr, dass Natalie Saracco keinen Hehl macht, wo sie persönlich steht. „Wenn ich mich mit diesem Film als eine in Christus verliebte Katholikin geoutet habe auf die Gefahr hin, zum wiederholten Mal alle möglichen Kritiken zu provozieren, dann geschah es nur deshalb, weil es sich um ein Zeugnis handelt, nämlich meines. Ich bin nicht hier, um zu gefallen, noch weniger, um zu verführen, sondern von meiner Begegnung mit dem Heiligsten Herzen Jesu Zeugnis abzulegen.“ Wobei sie ihren Film, der inzwischen auch als DVD erhältlich ist, nicht als ein Werk für-oder-gegen-Religion versteht. „Mir kam es beim Schreiben allein auf die Aufrichtigkeit an.“ Das müssen die vielen Zuschauer gespürt haben. Aber nicht alle Gläubigen. So unterstreicht die Regisseurin: „Traurig bin ich darüber, dass manche Christen – glücklicherweise waren es nur sehr wenige – diesen Film ziemlich negativ aufgenommen haben.“ Ein Werk also für echte Sucher, Menschen am Rand, keine religiösen Fundamentalisten und Frömmler.

Das Buch „Zurück aus dem Jenseits“ von Natalie Saracco ist ein sehr persönliches Buch. Ein Buch, mit flinker Feder verfasst. Alltagssprachlich und getragen von einer geradezu kindlichen Begeisterung. Ein Buch, das besonders junge, kreative Menschen ansprechen dürfte. Solche, die nach ihrer Berufung suchen oder einen Schubs der Erinnerung dahin brauchen, die Leidenschaft des Glaubens, den Glauben an große Dinge nicht zu verlieren.

Am Ende ihrer Schilderung deutet Saracco nicht nur ein neues Filmprojekt an, sie fasst die wesentlichen „Früchte“ ihrer Begegnung mit dem Heiligsten Herzen Jesu auch in kurzen Kapiteln zusammen: Maria, die Eucharistie, Glaube und Gebet, das Gesetz und die Gebote, die Kernbotschaft des Evangeliums, Barmherzigkeit und die Kunst des Verzeihens.

Am Konflikt zwischen Gut und Böse, Gott und Satan hat die Regisseurin keinen Zweifel. Dahinter steckt mehr, als ihr Sinn für das Dramatische. Sie hat die Widerstände und Attacken von der anderen Seite erlebt. Doch entscheidend für sie ist der Glaube. „Der Glaube hat seine Grenze nicht in einer Überzeugung, er lädt dazu ein, im Namen der Hoffnung über sich selbst hinauszuwachsen. Glauben bedeutet, trotz aller Widrigkeiten zu vertrauen und davon überzeugt zu sein, dass Gott uns liebt und uns nicht verlässt.“

Man darf gespannt sein auf Natalie Saraccos weitere Filme und Bücher, die noch ins Deutsche übersetzt werden sollten.

Natalie Saracco: Zurück aus dem Jenseits. Eine Filmemacherin verliebt sich in Christus.
Media Maria Verlag, 2020, 208 Seiten, ISBN 978-3-9479310-9-5, EUR 18,95