Würzburg

Von Menschen und Mächten

Heinz-Lothar Barth stellt Christentum und Islam einander kenntnisreich gegenüber.

Minarett und Kirchturm
Die Kombination aus Kirchturm und Minarett – hier eine Aufnahme aus Bonn – beschäftigt Christen nicht nur aus theologischen Gründen. Foto: KNA

Das aktualisierte Werk des Bonner Philologen über Christentum und Islam öffnet den Blick auf eine kulturelle und politische Realität, die von einem Großteil der Bevölkerung kaum in ihrer ganzen Brisanz wahrgenommen wird. Während dem alten Europa das eigene christliche Erbe immer mehr entschwindet, arbeitet der Islam mit allen Mitteln daran, die westliche Welt im Sinne des Koran zu verändern. Diese Tendenz zeigte sich schon zu Beginn des islamischen Auftretens, denn mit einer in der Weltgeschichte unvergleichlichen Schnelligkeit unterwarfen sich die Kämpfer Mohammeds Völker und Reiche im Osten und im Westen. Einer der Gründe dafür waren die Abspaltungen, die schon in nachapostolischer Zeit die Lehre der Botschaft Christi erschütterten. Eine uneinige Christenheit jedoch, die zentrale Bereiche des Glaubens in Frage stellt, schafft auch heute Angriffsflächen für eine Religion, die den Anspruch erhebt, die ganze Welt unter muslimische Herrschaft zu stellen. Der Islam ist eine politische Ideologie mit unbedingtem Weltherrschaftsanspruch und einer absoluten Nicht-Tolerierung aller anderen Religionen. Dies bestätigen auch Muslime, die sich vom Islam abgewandt haben und nun verzweifelt um Europa kämpfen, mehr als die Einheimischen sich nur zu getrauen wagen.

Die Unterschiede von Islam und Christentum

Der erste Band beleuchtet die Unterschiede von Islam und Christentum, beschreibt den Kampf des Islam gegen christliche Glaubensgrundsätze sowie die Hintergründe und Folgen der Massenimmigration von Muslimen seit 2015 und behandelt unter verschiedenen Gesichtspunkten die Gestalt Jesu Christi in der Haltung des Islam gegenüber dem Sohn Gottes, der Zweiten Person der Heiligen Dreifaltigkeit. Die Aussagen des Korans belehren uns nachdrücklich, dass Jesus wohl ein besonderer Mensch war, „aber nicht mehr als ein Mensch“. Ein wesentliches Kriterium in der Verkündigung dieser beiden Glaubensrichtungen sind daher die völlig verschiedenen Gottesbilder und die dementsprechend unterschiedlichen Menschenbilder. Jesus hat uns in seinem Gebet an Gott, den Vater, durch diese Anrede mit dem Geist der Kindschaft bekannt gemacht. Ein solch konkretes bildhaftes Anschauen Gottes lehnt der Muslim in seinem unüberwindbaren Abstand zwischen Allah und dem Menschen ab. Für ihn ist die Anrede Vater in Bezug auf Gott eine Blasphemie. Ebenso der Hinweis auf den Heiligen Geist. Alles was die Kirche über den Heiligen Geist berichtet, lehnen Muslime ab, denn Mohammed selbst hat sich die „Rolle“ des Heiligen Geistes zu eigen gemacht.

Der zweite Band widmet sich der Haltung der katholischen Kirche gegenüber den Muslimen. Auch hier wie im ersten Teil informiert das Inhaltsverzeichnis detailliert den Leser durch klare Gliederung und kurze übersichtliche Kapitel.

Haltung der katholischen Kirche gegenüber den Muslimen

Die Tradition der Kirche war stets eindeutig in ihrer Ablehnung Mohammeds und seiner Glaubenslehre. Die Aussagen des II. Vatikanischen Konzils zum Islam hingegen stellen eine „radikale Neuerung“ oder noch deutlicher „einen Bruch“ dar. Die Konsequenzen sind zum Teil dramatisch. Nicht nur, dass der Koran – was die Inspiration der Texte anbelangt – mit der Bibel auf eine Stufe gestellt wird, in immer mehr kirchlichen Arbeitshilfen, Handreichungen, in ungezählten ökumenistischen Entgleisungen bis zur pastoralen Praxis finden wir nicht zuletzt durch hohe kirchliche Würdenträger eine unangemessene Anerkennung. Vom Missionsgeist scheint man sich verabschiedet zu haben.

Trotz der in ihrer Deutlichkeit unmissverständlichen Kritik geht der Autor ohne polemische Absicht an das Thema heran. Es geht ihm in dieser dramatisch zu nennenden Auseinandersetzung von Islam und Christentum keineswegs um ein Werturteil, schon gar nicht um eine feindselige Ablehnung der Muslime. Es ist keinesfalls zu leugnen, dass es unter den Muslimen erfolgreiche Integration gibt. In nicht wenigen Fällen ist die multikulturelle Vermischung mit verschiedenen islamischen Nationalitäten gelungen. Als katholischer Christ will Heinz-Lothar Barth zwischen den Menschen und dem religiös-politischen Machtsystem Islam unterscheiden. Daher gilt für ihn prinzipiell das bekannte Diktum des heiligen Augustinus, die Menschen zu lieben, jedoch den Irrtum zu hassen.

"Der realen Bedrohung durch den Islam
stehen eine kranke Kirche und ein kranker Staat
gegenüber… Wenn wir nicht islamisiert werden wollen,
müssen wir selbst wieder ernsthafte Christen werden"

„Der realen Bedrohung durch den Islam stehen eine kranke Kirche und ein kranker Staat gegenüber… Wenn wir nicht islamisiert werden wollen, müssen wir selbst wieder ernsthafte Christen werden“, ist der „Schlussappell“ des Autors im zweiten Band unter seine Arbeit. Der Blick auf die orientalischen Christen, die täglich um ihr Leben bangen, und trotz oft tödlicher Bedrohung in ihrem Glauben standhalten, soll für uns wegweisend sein. Muslime können und wollen mit uns keinen Dialog führen, wenn wir nicht wissen, was und an wen wir glauben.

Die überzeugende Arbeit wird gestützt durch umfassendes Quellenmaterial. Selten, dass sich eine wissenschaftliche Dokumentation von diesem Umfang auch spannend liest, dem Bonner Philologen ist dieser Wurf gelungen. Wenn wir die Umwälzungen der heutigen Zeit verstehen wollen, wird die Lektüre dieses Werks zur Pflicht.

Heinz-Lothar Barth: Christus und Mohammed, zwei Bände, Sarto Verlag, Dr.-Jaufmann-Straße 3, D-86399 Böbingen, info@sarto.de, EUR 37,80

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