München

Magazin "Réaction": Antworten auf Europa geben

Alexander Pschera gibt das Magazin "Réaction" heraus.

Magazin „Réaction“ , Januar 2019
Die Machthaber in demokratischen Staaten können oft nicht mehr zwischen dem Wohl der Nation und politischer Ideologie unterscheiden, meint Alexander Pschera. Deshalb seien häufig monarchische Modelle gefragt. Foto: „Réaction“
Publizist Alexander Pschera.
Europa nicht Technokraten überlassen: der Publizist Alexander Pschera. Foto: Privat

Herr Pschera, ab Dezember 2019 geben Sie zweimal jährlich das Magazin „Réaction“ heraus, das – wie es in der Selbstdarstellung heißt – „die Geschichte des reaktionären Denkens in Europa dokumentieren und neu beleben will“. Warum braucht Europa im Jahr 2019 mehr „reaktionäres Denken“?

Zunächst benötigt Europa heute mehr „Reaktion“, Gegen-Aktion, Handlung. Das ist ja auch eine Bedeutung des Titels. Ich habe das Gefühl, wir lassen Europa zu sehr „geschehen“. Wir überlassen es der Bürokratie. Da ist ein Gegensteuern nötig, und zwar nicht durch anti-europäisches Ressentiment, sondern durch die Besinnung auf tiefere und ältere Bedeutungen des europäischen Gedankens. Europa ist ja kein Phantom, keine Fantasmagorie, sondern es ist nicht weniger als unsere 2 000-jährige Geschichte. Sie ist zu wertvoll, um sie den Technokraten und Finanzspekulanten zu überlassen. Und hier kommt das „reaktionäre“ Denken ins Spiel, das ja als eine „Reaktion“ auf den Kahlschlag der Französischen Revolution entstand, um die Werte des Christentums und der Monarchie zu retten. An einem ähnlichen, wenngleich nicht ganz so blutigen Punkt stehen wir heute wieder. Und deshalb der Bezug auf die „Réaction“ der Geschichte.

Haben Sie keine Angst, mit dem Projekt in die rechtspopulistische Ecke gestellt zu werden? Für katholisch-monarchistische Träumereien scheint im gegenwärtigen Diskurs kein großer Bedarf zu sein.

Jeder sieht, was er sehen möchte. Ich bin mir aber sicher, dass die Gebildeten unter uns und diejenigen, die ihr Differenzierungsvermögen noch nicht an der Garderobe der Massenmedien und des Internets abgegeben haben, sehr wohl verstehen werden, worum es uns mit diesem Projekt geht: Um die Bewusstmachung, dass die europäische Geschichte nicht erst 1789 begann und dass Geschichte und Gesellschaft keine linearen Wesenheiten sind, die automatisch immer besser werden. Die Demokratie hat sich als Gesellschaftsmodell an vielen Stellen erschöpft, das ist offensichtlich. Die Machthaber in demokratischen Staaten sind oft nicht mehr dazu in der Lage, Entscheidungen zu treffen und zwischen dem Wohl der Nation und politischer Ideologie zu unterscheiden. Nehmen wir den Brexit: Wieviel Geld hätte England sparen können, hätte die Queen ein Machtwort gesprochen? Es gibt viele Situationen, in denen monarchische Modelle unseren politischen Alltag klären würden.

Wie sieht Ihre Zielgruppe aus? Wie erreichen Sie diese?

Wir sprechen alle intelligenten Menschen an, die mit dem Herz in der Vergangenheit, mit dem Kopf aber in der Zukunft leben und die auch außerhalb des Rahmens denken können und wollen, der sich in Europa als absolut darstellt. Menschen, deren Fantasie dazu ausreicht, sich eine heilige katholische Kirche und ein friedliches, am Wohl der Nationen orientiertes Zusammenleben in Europa vorstellen können. Menschen auch, denen Umgangsformen und Etikette nicht vollständig egal sind und die noch wissen (wollen), warum Stil im Leben entscheidend sein kann. Ich hoffe, dass sich das Projekt „Réaction“ unter diesen Menschen in Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet, weil es eine Alternative darstellt zu den wutschäumenden Diskursangeboten der Rechten. Und natürlich hoffe ich auf die gelegentliche Unterstützung derjenigen Journalisten, die ich schätze, weil sie schon stark in diese Richtung arbeiten. Die anderen können uns gestohlen bleiben.

Bei der ersten Ausgabe sind renommierte Autoren wie Alexander von Schönburg oder Michael Feldkamp mit dabei, aber auch Pater Franz Schmidberger, der Regens des Priesterseminars der Piusbruderschaft. Wie frei und unabhängig ist „Réaction“?

Momentan bin ich allein für die redaktionelle Ausrichtung verantwortlich. Es gibt aber noch einige Autoren mehr, die beratend um die „Réaction“ kreisen: Der Karolinger Verleger Peter Weiss, der Burgschauspieler Michael König, der russische Philosoph Alexander Michailowski, der bekannte französische Essayist Marin de Viry, der junge deutsche Autor Malte Oppermann und viele andere, auch bekannte Namen, die ich aber hier nicht nennen will. Die Idee der Zeitschrift ergab sich aus diesem Netzwerk. Wir sind absolut frei (und daher absolut mittellos).

Wie groß ist die Redaktion? Auf welche europäischen Autoren setzen Sie?

Wir haben Autoren in vielen europäischen Ländern, hoffen aber natürlich, dass sich dieser Kreis stets erweitert. Russland zähle ich übrigens zu Europa. Wir sind offen für neue Autoren, wenn Sie unsere Ideen teilen und sehr gut schreiben können, das heißt noch nicht durch übermäßiges Bloggen, Twittern und den Massenjournalismus verdorben sind.

Wie finanzieren Sie das Projekt eigentlich?

Durch Abonnements und Heftverkäufe (Die Bestelladresse ist: pschera@maisberger.com). Das Abo für zwei Hefte kostet 50 Euro, dafür bekommt man einen 200-seitigen buchähnlichen Almanach. Ich halte das für ein gutes Investment in die europäische Idee. Auch Spenden gegenüber sind wir aufgeschlossen. Ansonsten ist die „Réaction“ völlig werbefrei und wird es bleiben.

Online ist „Réaction“ bereits präsent – auf dem Blog findet man ein aktuelles Interview mit Rod Dreher („The Benedict Option“), der sich unter anderem zu Donald Trump bekennt. Wie wichtig ist Tagesaktualität für „Réaction“?

Der Blog soll ein- bis zweimal in der Woche sondieren, welche Berührungspunkte es zwischen unseren Ideen und der Wirklichkeit gibt. Er ist ein Testfeld, ein Labor, ein reaktionäres Experimentierfeld, in dem auch amerikanische Denker Spielraum erhalten.