Kurz vorgestellt

Kurz vorgestellt: "CDU, AfD und die politische Torheit" von Werner J.Patzelt

Der Aufstieg der AfD im Zuge der Flüchtlingskrise und das Versagen der CDU gegenüber ihren Stammwählern – das ist das Thema von Werner Patzelts neustem Buch. Der Dresdner Politikwissenschaftler hat Interviews sowie Aufsätze und Artikel von ihm aus den letzten Jahren zu diesem Themenkomplex zusammengestellt – darunter auch einige Beiträge aus der „Tagespost“. Das Buch zeichnet eine Entwicklung nach und unterstreicht, welche langfristigen Folgen es haben kann, wenn Politiker die Zeichen der Zeit nicht zu deuten wissen. Trotzdem ist Patzelt nicht zur Kassandra aus Dresden geworden. Denn der Politik-Professor liefert in seiner Analyse auch Lösungsansätze. Er muss aber auch optimistisch sein, schließlich berät er die sächsische CDU dabei, wie sie für die kommende Landtagswahl Wähler von der AfD zurückgewinnen kann. Aber davon unabhängig: Patzelts Ausführungen sind auch für diejenigen interessant, die nicht seinen Ansatz teilen. Die Analysen des Politikwissenschaftlers sind anregend für alle, die spüren, dass unser politisches System vor einer Wende steht und darüber nachdenken, was dies für die Weiterentwicklung unserer politischen Kultur bedeutet. Eine wichtige Antwort Patzelts lautet: Achtet das Argument – gerade auch das der Anderen – und keine Angst vor Debatten! sesa

Werner J. Patzelt: CDU, AfD und die politische Torheit. Weltbuch Verlag 2019, 292 Seiten, ISBN-13: 9-78390621-243-2, EUR 14,99

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Zwei Politiker, die in positiver Weise der Bundesrepublik ihren Stempel aufgedrückt haben: Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Die neueste Veröffentlichung der Rhöndorfer Ausgabe, der Reihe der Stiftung Bundeskanzler Adenauer-Haus, nimmt das Verhältnis zwischen dem ersten Bundeskanzler und seinem Wirtschaftsminister in den Blick. Der Quellenteil ist etwas für Fachleute. Die umfangreiche Einleitung aber, die von Holger Löttel verfasst worden ist, ist auch für den historischen Laien von Interesse. Hier wird nämlich deutlich, wie die Zwei sich kongenial ergänzt haben. Einmal der konsequente Ordnungspolitiker Erhard, der fortwährend argwöhnt, es würden Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft geschliffen, etwa weil der Kanzler unterschiedlichen Wählergruppe etwas Gutes tun will. Auf der anderen Seite aber der Kanzler, der weiß, dass sich ohne gewonnene Wahlen überhaupt keine Ordnungspolitik umsetzen lässt. Der Leser bekommt auch Einblick in Adenauers wirtschaftspolitische Grundvorstellungen. Für ihn hatte die Anstrengung, die etwa der Unternehmer leisten muss, um sich auf dem Markt zu behaupten, eine ethische Dimension. sesa

Dominik Geppert: Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und die Soziale Marktwirtschaft. Schöningh 2019, 1 216 Seiten, ISBN: 978-3-506-702548, EUR 129,–