Würzburg

Katholik mit Licht und Schatten

Der amerikanische Horror-Autor Dean Koontz spielt in derselben Liga wie Steven. Sein christlicher Glaube ist ihm seit Studentenzeiten sehr wichtig, auch bei der Schreibarbeit.

Markt der Horror- und Thriller-Bestseller ist überschaubar.
King, Saul, Koontz - der Markt der Horror- und Thriller-Bestseller ist überschaubar. Foto: Foto:

Mit 500 Millionen verkauften Büchern zählt Dean Ray Koontz zu den weltweit erfolgreichsten Schriftstellern im Bereich der fantastischen Literatur. Kritiker sehen ihn auf Augenhöhe mit Stephen King. Seine Bücher erklimmen regelmäßig die Bestsellerlisten. Dass er sich offen zum Katholizismus bekennt, macht ihn zu einem Glaubenszeugen ersten Ranges.

Horror-Spezialist Koontz, am 9. Juli 1945 in Everett, Pennsylvania, geboren, begann schon als Kind Geschichten zu schreiben. Die Flucht in eine Parallelwelt stellte für ihn die einzige Fluchtmöglichkeit dar. Die Familie zählte zur Unterschicht. Von seinem alkoholkranken Vater bezog er häufig Prügel. Neben dem schriftstellerischen Talent kam früh Geschäftstüchtigkeit, als achtjähriger Steppke verkaufte er seine ersten Kurzgeschichten an Verwandte und Nachbarn, um sich wie die anderen Jungs auch mal einen Kinobesuch leisten zu können.

Der Weg zu großen Taten schien geebnet. Schon als Student fand Koontz einen Verleger. Damals schrieb er vorwiegend Science-Fiction. In dieser Zeit entwickelte er sich zwecks Gehaltsaufbesserung zum Fließbandschreiber und schloss nebenbei sein Studium am „State Teachers College“ mit dem Bachelor-Grad in Englisch ab. Bis 1969 arbeitete er als Lehrer für unterprivilegierte Kinder. Ein schwieriger Job. Einen von Koontz' Vorgängern hatte eine Gang krankenhausreif geprügelt. Der Gewinn der „Atlantic Monthly fiction competition” ermutigte ihn zur Schriftstellerei. Nach einigen erfolglosen Jahren wandte er sich dem Horror-Genre zu. Seine Frau Gerda Ann, die er 1966 geheiratet hatte, unterstützte ihn dabei finanziell. Wie man sieht, durchaus eine gute Geldanlage. Wie auf Koontz Website zu lesen ist, erscheinen seine Bücher in 38 Sprachen, „und er hat bis heute über 500 Millionen Exemplare verkauft“. Ein großer Teil erschien unter verschiedenen Pseudonymen: David Axton, Deanna Dwyer, Anthony North oder Aaron Wolfe – um nur einige zu nennen.

Einen ersten Erfolg verzeichnete er 1972 mit dem Thriller „Chase“2. Acht Jahre später der endgültige Durchbruch mit „Whispers“. Darin geht es um eine Serie mysteriöser Frauenmorde. Realität und paranoide Wahrnehmungen vermischen sich bei Koontz zu einer unergründlichen Melange verquerer Fantasien. In vielen seiner Bücher leiden die Hauptpersonen unter traumatischen Kindheitserlebnissen. Da mag seine eigene Biografie mit hineinspielen. Das Böse drückt sich über Soziopathen aus, deren brutaler Geltungsdrang die Quintessenz aus einer entchristlichten Welt ist. Doch Koontz malt nicht nur Schwarz-Weiß, sondern kennt viele Abschattungen bis in finstere Grauzonen hinein. Herauskommen dabei zumeist intensive Thriller mit starken Mystery-Elementen.

Dean Koontz
Kreativ: Dean Koontz. Foto: Foto:

Zu Beginn der 1980er entschied sich Koontz, seine Bücher nur noch unter eigenem Namen zu veröffentlichen. Jedes Jahr publiziert der Workaholic, dessen Arbeitstag nicht selten 15–18 Stunden umfasst, mehrere Bücher. Zu seinen wichtigsten Romanserien zählen: „Odd Thomas“ und „Dean Koontz' Frankenstein“. Von seinen mehr als 80 Romanen stechen für deutsche Leser „Drachentränen“, „Blindwütig“, „Brandzeichen“ und „Der Rabenmann“ am meisten hervor. Nebenbei verfasst Koontz auch Sachbücher, wie „How to write Best Selling Fiction“. Soviel Material müsste für Hollywood ein gefundenes Fressen sein. Doch bis jetzt wuchs nicht zusammen, was eigentlich zusammengehört. „Hideaway“ wich sogar derart extrem von der Romanvorlage ab, dass Koontz den Produzenten das Geld für die Filmrechte zurückerstatten wollte, wenn nur nicht sein Name im Vorspann erscheint.

Mit Hollywood klappt es noch nicht so gut

Gewiss, mit Hochliteratur hat Koontz' Werk nicht zwingend zu tun. Großmeister, wie der verschroben-genialische E. T. A. Hoffmann (Die Elixiere des Teufels) sind tot, und der Magier rabenschwarzer Mysterien Edgar Allan Poe („The Raven“, „The Fall of the House of Usher“) ebenfalls. Im Gegensatz zu deren unbestrittener Sprachmagie gerät Koontz' Sprach-Abrakadabra manchmal vorne konvex und hinten konkav: „Er trug zwar keinen flachen Filzhut, zeichnete sich jedoch durch seine verdrießliche Miene und sein verstohlenes Verhalten aus.“ Verstohlenes Lächeln oder doch verstohlene Blicke? Ein Verhalten ist verdächtig, schlimmstenfalls auffällig. Sätze wie „Wie so viele Dinge im Leben verzieh auch Beton nicht den kleinsten Fehler“, sind eher beklagenswert, denn ein Beweis hoher Kultur.

Das kann natürlich auch an einer nachlässigen Übersetzung liegen. Hochspannend sind Koontz' Geschichten dennoch. Er versteht, den Leser zu fesseln. Fast alle Romane sind Pageturner. Und im Gegensatz zu Dan Brown versteht er zu plotten. Sogar die altehrwürdige Times lobt: „Dean Koontz ist ein Meister unserer dunkelsten Träume.“ Längst wird er in einem Atemzug mit Stephen King und anderen Größen des Horror-Genres, oder Altmeistern, wie Bram Stoker oder H. P. Lovecraft genannt. Kritiker loben immer wieder die atemberaubende Spannung und die Stringenz seiner Geschichten.

Dabei ist Koontz' Oeuvre stark von katholischen Wertvorstellungen und christlicher Symbolik durchsetzt. Das wurde ihm nicht an der Wiege gesungen. Seine Familie gehörte der evangelisch-reformierten „United Church of Christ“ an. Für ihn keine bleibende Heimstatt, denn schon während seiner College-Jahre konvertierte er. „Der Katholizismus erlaubt mir einen Blick auf das Leben, um in allen Dingen ein Mysterium und ein Wunder zu sehen, was der Protestantismus nicht ohne weiteres zulässt. Als Katholik sehe ich die Welt geheimnisvoller, organischer und weniger mechanisch an, als es mir davor erschienen war, und ich habe eine direktere Verbindung zu Gott“, sagte er in einem Interview der katholischen US-Zeitung „National Catholic Register6“.

Für das Wochenmagazin „America – The Jesuit Review“ gehört Koontz neben Flannery O'Connor und Graham Greene zu den großen katholischen Autoren. In der Ausgabe vom 22.10. 2018 beschreibt Richard M. Doerflinger Koontz als „konservativen Katholiken“. Dabei bezieht er sich auf ein Interview mit „Recovering Faith“ von 2011, in dem der Schriftsteller schildert, wie er nach dem „Zweiten Vatikanischen Konzil“ aufhörte, die Heilige Messe zu besuchen. Er befürchtete damals, „die Kirche verkaufe ihre Traditionen zugunsten eines ,utopischen Impulses‘, der nichts als sozialpädagogische Handlungen hervorbringe“. Was ihn wieder in die geistige Heimat zurückführte, so Doerflinger, sei die Korrespondenz mit einigen Priestern und Bischöfen gewesen, sowie das Vertrauensverhältnis zu Prämonstratenser-Patres. Die pflegen bekanntlich in der Regel die „Alte Messe“ als auch den Novus Ordo nach den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Ganz nebenbei, der gläubige Katholik ist nicht nur ein ausgewiesener Menschenfreund, sondern auch ein großer Hundenarr. Im Verlauf der letzten 30 Jahre spendete er über zehn Millionen Dollar für das Hundezentrum „Canine Companions for Independence“. Dort werden Assistenzhunde für Menschen mit Behinderungen ausgebildet. Sein eigener Golden Retriever bewacht derweil Koontz's Heim im kalifornischen Orange. Dort lebt der Bestsellerautor zusammen mit seiner Frau und mehr als 25 000 Büchern. Kein Grund zur Besorgnis also, selbst wenn er oftmals bis in die schwarze Nacht schreibt, ist er sicher: „Auch in den dunkelsten Momenten gibt es Licht, wenn man daran glaubt, dass es da ist.“