Würzburg

Internationale Zeitungsschau

„Zu männlich“ - „Selbstdiskriminierung“ - Französisch-deutsche Partei-Parallelen - US-Air Force sperrt sich nicht mehr gegen Hidschab, Bart und Turban.

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Valeurs actuelles berichtet unter anderem über die Lockerung der militärischen Kleiderordnung bei der US-amerikanischen Luftwaffe. Foto: Valeurs actuelles

„Zu männlich“

„Zu männlich und zu europäisch“ sei die renommierte, bereits seit Jahrzehnten bestehende Lehrveranstaltung „Einführung in die Kunstgeschichte“ der Yale University. Aus Sorge um die „Diversität“ wird diese Veranstaltung nun abgeschafft, wie Homme Nouveau unter Berufung auf die US-amerikanische Studentenzeitung „Yale Daily News“ notiert. In dieser heißt es: „,Die Einführung in die Kunstgeschichte: von der Renaissance bis in unsere Tage‘ war bis heute Bestandteil der Lehre von Yale.“ Mit der Einführung einer neuen Lehrveranstaltung, die auch andere Kulturen und auch Frauen miteinbeziehe – Stichwort „Diversität“ –, wolle man reagieren „auf das Unbehagen der Studenten in Bezug auf einen idealisierten abendländischen ,Kanon‘, der das pure Produkt einer Gruppe von ausschließlich weißen, heterosexuellen, europäischen und männlichen Künstlern ist“. Den Yale Daily News zufolge sagte Tim Barringer, Professor für Kunstgeschichte an der Yale University, dass ein „Schlüsselthema“ der neugestalteten Lehrveranstaltung nunmehr auch „der Bezug zum Klimawandel“ sein werde. Homme Nouveau kommentiert das Geschehen wie folgt: „Dies ist nur eines der zahlreichen Zeugnisse des Irrsinns an den amerikanischen Universitäten, der zunehmend auch unsere Hochschulen erobert.“ Zu der aktuellen „Einführung in die Kunstgeschichte“, die an der Universität derzeit zum letzten Mal in dieser Form angeboten wird, versuchten sich übrigens mehr als 400 Studenten anzumelden, nachdem der Fachbereich seine Pläne bekannt gegeben hatte. Allerdings ist die Veranstaltung auf 300 Teilnehmer begrenzt.

„Selbstdiskriminierung“

Ein Blick in die Rangliste der Vornamen, die Eltern in Frankreich ihren Kindern 2018 im Departement Seine-Saint Denis nördlich von Paris gaben, offenbart Erstaunliches: Die beliebtesten männlichen Vornamen waren größtenteils muslimischen Ursprungs, wie Mohamed, Ali, Amir, Moussa et cetera. Bei einer von den Franzosen lange erwarteten Fernsehdiskussion auf dem Nachrichtensender CNews zwischen dem konservativen Journalisten Eric Zemmour und der Staatssekretärin für die Gleichstellung der Geschlechter, Marlene Schiappa, zum Thema „Diskriminierung“ sagte Zemmour laut Valeurs Actuelles: „Sein Kind Mohammed zu nennen, ein Kopftuch zu tragen, auf der Straße weiterhin Arabisch zu sprechen – das wird in Frankreich nicht diskriminiert. Aber es bedeutet, sich selbst zu diskriminieren, es bedeutet, Frankreich und seine Kultur abzulehnen.“ Zemmour plädiert dafür, Kindern in Frankreich französische Vornamen aus dem Heiligenkalender zu geben.

Französisch-deutsche Partei-Parallelen

In einer Analyse für den Figaro über die jüngsten Ereignisse in Thüringen stellt Eric Zemmour fest: Zumindest eine Domäne gebe es, in der Deutschland seinem Nachbarn Frankreich 20 Jahre hinterherhinke: die Politik. Die Ereignisse von Thüringen, die einen „medialen und politischen Heidenlärm“ verursachten sowie zum Rücktritt der CDU-Vorsitzenden führten, erinnerten stark an die französischen Regionalwahlen von 1998. Damals wurden vier Präsidenten des Regionalrates aus konservativen Parteien (RPR oder UDF, in französischer Diktion: „rechte“ Parteien) mit den Stimmen des damaligen Front National (heute Rassemblement National, RN) gewählt.

Auch diese Wahlen führten zu innerparteilichen Kontroversen bei den französischen Pendants zur deutschen CDU. Insbesondere die CDU sollte, wie Zemmour meint, „mit Entsetzen auf das Schicksal blicken, das ihr verheißen ist. Die Vergangenheit der französischen Rechten ist ihre Zukunft. Das heißt, ihr langsamer und unaufhaltsamer Niedergang zugunsten des Front National. Ebenso ist die CDU zum Tod verurteilt, und der Aufstieg der AfD unaufhaltsam.“ Wie die konservativen Parteien Frankreichs begreife auch die CDU nicht, dass sich die Zeiten geändert hätten. Denn die Globalisierung habe unsere Länder völlig verändert. Die Mittelschicht sei verunsichert und die Immigration aus dem Süden habe „ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Die soziale Frage betrifft nicht mehr die Verteilung der Früchte des Wachstums zwischen bürgerlichen und Arbeiterschichten, sondern die Risse verlaufen zwischen dem Frankreich (oder Deutschland) der großen Städte und ihrem Umland.“

Wie „die französische Rechte Chiracs, so ähnelt die CDU Merkels in den Augen einer wachsenden Anzahl ihrer Wähler eher einer Partei der Linken“. Wie die Partei Sarkozys habe „die Partei Merkels nie gewagt, die Migrationsfrage in den Griff zu bekommen, und sie scheint tatsächlich die Bildung von ausländischen Enklaven auf ihrem Hoheitsgebiet und den Anstieg der Gewalt zu akzeptieren. Dem angekündigten Tod der CDU ist der Tod der SPD vorangegangen – genauso wie in Frankreich der Tod der PS (sozialistische Partei) bei den Präsidentschaftswahlen 2017 dem Einbruch der Partei Macrons, der EM, bei den Europawahlen 2019 vorausgegangen war.“

Die beiden Parteien regierten gemeinsam in Deutschland „und machten die gleiche Politik wie in Frankreich“. Zweifellos werde sich allmählich eine „neue Kluft bei dem Zweikampf zwischen den Nationalpopulisten der AfD und den internationalen Umweltschützern der Grünen auftun. Zwischen denen, die Angst vor dem großen Austausch und denen, die Angst vor der großen Erwärmung haben“.

US-Air Force sperrt sich nicht mehr gegen Hidschab, Bart und Turban

Nachdem die amerikanische Luftwaffe einem weiblichen Offizier das Tragen des muslimischen Kopftuchs erlaubt hatte, wurde die militärische Kleiderordnung noch weiter gelockert, wie Valeurs actuelles berichtet. 2018 wurde die Muslimin Maysaa Ouza zum Symbol für eine Öffnung der Air Force gegenüber den religiösen Vorschriften. Und die Lockerung der Kleiderordnung setzt sich weiter fort. Das Tragen von Bart, Turban wie auch eines Hidschabs in der Luftwaffe der Vereinigten Staaten sei nicht mehr generell verboten.

Solange die Soldaten eine „gepflegte Erscheinung ohne Extravaganzen“ aufwiesen, müssten sie nicht mehr individuell um die Genehmigung seitens ihrer Vorgesetzten bitten, um ihren religiösen Kleidungsvorschriften Genüge zu tun. Ibrahim Hooper, der Kommunikationsdirektor und Sprecher des Rates für amerikanische-islamische Beziehungen, begrüßte diese Entscheidung. Darüber hinaus sagte er: „Aber wir meinen, dass die amerikanische Armee noch weitergehen kann, indem sie diese Richtlinien auf sämtliche Einheiten ausweitet“.

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