Würzburg

Internationale Zeitungsschau vom 26.02.2020

Promiskuität und Krebs - Polygamie soll wieder erlaubt werden - Pariser Konkurrentinnen - Ein neuer „McCarthyismus“.

Internationale Zeitungsschau - L'Express
Seit mehreren Monaten schon sieht sich ein Teil der akademischen Welt in Frankreich durch die Angriffe „studentischer Zensoren“ in seiner Freiheit bedroht, berichtet L'Express. Foto: L'Express

Promiskuität und Krebs

Einer kürzlich im medizinischen Fachjournal The BMJ Sexual & Reproductive Health veröffentlichten Studie zufolge hat die Anzahl der Sexualpartner, die ein Mann oder eine Frau im Laufe ihres Lebens haben, einen Einfluss auf die Krebsrisiken. So seien Personen, die mehr als zehn Geschlechtspartner hatten, anfälliger für diese Krankheit. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass diese Tendenz sowohl bei Frauen als auch bei Männern beobachtet wurde. Britische, kanadische, italienische, österreichische und türkische Forscher befragten fast 6 000 Personen, die mindestens 50 Jahre alt waren, nach der Anzahl ihrer Partner, die sie im Laufe ihres Lebens hatten. Im Vergleich zu den Frauen, die keinen oder nur einen Sexualpartner hatten, lag die Anfälligkeit für eine Krebsdiagnose bei den Frauen mit zehn oder mehr Geschlechtspartnern um 91 Prozent höher. Männer mit zwei oder vier Sexualpartnerinnen waren um 57 Prozent empfänglicher für eine Krebsdiagnose als diejenigen, die als Anzahl Null oder Eins angegeben hatten. Das Risiko für diejenigen Männer, die zehn oder mehr angaben, stieg um 69 Prozent an. Das Fazit der Studie: Eine höhere Anzahl an Sexualpartnern sei mit einer erhöhten Krebswahrscheinlichkeit verbunden. Allerdings betonten die Forscher, dass es sich nur um eine Beobachtungsstudie handelte und es schwierig sei, einen Kausalzusammenhang herzustellen.

Polygamie soll wieder erlaubt werden

Der Senat von Utah entscheidet demnächst über einen Gesetzentwurf, der „Polygamie zwischen zustimmenden Erwachsenen“ entkriminalisieren soll. Bigamie und Polygamie sollen keine Straftaten mehr sein. Schon in den vergangenen Jahrzehnten hatte der US-Bundesstaat in den meisten Fällen abgelehnt, jemanden aufgrund von Polygamie zu inhaftieren, wie Valerie Hudson in den Deseret News, einer großen Tageszeitung in Salt Lake City, der Hauptstadt von Utah, bemerkt. Die Autorin findet die hinter der Gesetzesänderung stehende Auffassung „unhaltbar“: „Wo Polygynie davon betroffen ist – und die überwiegende Mehrzahl der Polygamie-Fälle sind tatsächlich Polygynie-Fälle (die Verbindung von einem Mann mit mehreren Frauen)“, schade dies in der Praxis.

Im Jahr 2011 wurde der Oberste Gerichtshof von der kanadischen Provinz British Columbia angerufen, über die Verfassungsmäßigkeit des kanadischen Verbots von Polygamie zu entscheiden. Einer der wichtigsten Experten des Prozesses war die Professorin Rose McDermott von der Brown University, die über „The Evils of Polygyny“ – „Die Übel der Polygynie“) ein ganzes Buch verfasst hatte. McDermott entdeckte einerseits „einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Legalität der Polygynie und deren Überhandnehmen in einem Land“. Andererseits ließ sich eine Vielzahl an „nachgelagerter negativer Konsequenzen auf Männer, Frauen, Kinder und den Nationalstaat“ feststellen.

Andere Experten wiesen auf „schweres seelisches Leid bei Frauen und Kindern in polygynen Ehen hin, darunter Angstzustände und Depressionen“, außerdem werde in solchen Beziehungen der Missbrauch begünstigt. Darüber hinaus sei es wichtig, so Hudson in ihrem Artikel, das Fazit anderer Länder zu bedenken, die eine beträchtliche Anzahl von Immigranten aus polygynen Kulturen aufgenommen haben: Statt die Polygamie zu entkriminalisieren, „haben sich praktisch alle europäischen Staaten, wie auch Kanada, geweigert, solche Ehen infolge der damit verbundenen Schäden anzuerkennen“. Durch eine Nicht-Anerkennung hätten diese Staaten zudem das Vorgehen von Männern verhindert, „die regelmäßig in ihr Heimatland zurückkehren, um zusätzliche Ehefrauen zu nehmen und sie mit in ihr Zielland zu bringen“. Laut USA Today lebten schätzungsweise 30 000 Menschen in Utah in polygamen Beziehungen.

Pariser Konkurrentinnen

Bei den Pariser Kommunalwahlen im kommenden März ist die konservative Bürgermeisterkandidatin Rachida Dati bei den jüngsten Umfragen der Noch-Amtsinhaberin und Kandidatin der Sozialisten, Anne Hidalgo, dicht auf den Fersen. Pierre Lepelletier zitiert im Figaro die ehemalige Justizministerin im Kabinett Fillon (2007–2009) mit Aussagen zu ihrer Konkurrentin, die „überall in der Hauptstadt Anarchie“ verbreitet habe. Angesichts einer von Hidalgo geplanten Umwandlung der Straßen im Pariser Zentrum zu Fußgängerzonen fragt die Republikanerin Dati: „Und wo sollen die Kinder und die älteren Menschen hin? Auf den Roller? Wo packen Sie Ihre Einkäufe hin? Auf den Kopf? Und dann geht's auf's Fahrrad?“ Dati jedenfalls möchte „die Mobilität der Einen nicht der der Anderen entgegensetzen“. Ihr Konzept will auf die „alltäglichen Sorgen“ der Pariser reagieren: „Sicherheit, Sauberkeit, Mobilität und Wohnungswesen“.

Ein neuer „McCarthyismus“

„Zensur an der Universität“ lautet das Titelthema des französischen Nachrichtenmagazins L'Express: Vortragsabsagen, die Infragestellung bestimmter Werke oder Themen im Lehrplan der Universität und ein auf Professoren ausgeübter Druck – seit mehreren Monaten schon sieht sich ein Teil der akademischen Welt in Frankreich durch die Angriffe „studentischer Zensoren“ in seiner Freiheit bedroht. Selbst Bildungsminister Jean-Michel Blanquer sei auf den Plan getreten und habe eindringlich auf das Aufkommen eines „neuen McCarthyismus“ an den Fakultäten hingewiesen. Eigentlich seien „diese neuen Inquisitoren, die die Universitäten unter Beobachtung stellen“, in der Minderheit. Doch ihre Aktionen, die darin bestehen, die Debatte zum Schweigen zu bringen, breiteten sich zunehmend aus. Die Machtspiele hinter den Kulissen der Fakultäten gelangten oftmals nicht in die Öffentlichkeit.

Die Angriffe und Forderungen einer „radikalen Linken“ seien zudem „diffuser als diejenigen ihrer Vorgänger“. Der Philosoph und Historiker Marcel Gauchet erinnert dabei an die „früheren Trotzkisten, Maoisten oder die diversen Kommunisten, die sich gegen Unternehmer oder die Ausbeutung des Proletariats einsetzten“. Doch heute drehten sich die Themen rund um „Identitäten, Minderheiten, ,Gender‘ und Opfer ,rassistischer Diskriminierung‘“. Es gebe derart viele sogenannte progressive, direkt aus den USA importierte Ideen, die in der „Kulturwissenschaft“ an den Unis kopiert würden: „Diese manichäische Sicht, die mit den universitären Prinzipien unvereinbar ist, die sich wiederum auf die Debatte, eine kritische Haltung und wissenschaftliche Vorgehensweise gründen, bereitet einem Teil des Universitätskollegiums Sorgen.“

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