Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 5. November 2019

Was die Päpste schon immer lehrten - Fiktion oder Realität - Sind Ex-Muslime Rechtsextremisten? - Verängstigte Kinder - Ein Bischof schreibt über den Islam

la Nef

Was die Päpste schon immer lehrten

Eine US-Diözese in Michigan verkündete laut Catholic Herald, dass sie einen Priester unterstütze, der einer Angehörigen der Pfarrei sagte, sie solle aufgrund ihrer gleichgeschlechtlichen zivilen Ehe nicht die Eucharistie empfangen. In einer Stellungnahme der Diözese Grand Rapids heißt es: „In der gesamten Diözesangeschichte waren Inklusion und Akzeptanz Kennzeichen der katholischen Kirchen in der Diözese Grand Rapids. Das bleibt auch so. Dennoch setzen sie seitens der einzelnen Personen Ehrfurcht vor den Lehren und der Praxis der umfassenderen katholischen Gemeinschaft voraus.“ Denn „keine Glaubensgemeinschaft kann den öffentlichen Widerspruch gegenüber ihren Glaubensüberzeugungen seitens ihrer eigenen Mitglieder ertragen. Dies gilt besonders für Angelegenheiten, die für das katholische Leben so zentral sind wie die Ehe, an der die Kirche seit jeher festgehalten hat und weiterhin als einer heiligen Verpflichtung zwischen einem Mann und einer Frau festhält“, fügte die Diözese hinzu.

Hintergrund war ein Telefonat, das der 33-jährige Pfarrer von St. Stephan in Grand Rapids mit der 62-jährigen Richterin Sara Smolenski führte. Der Priester wies Smolenski an, in der Pfarrei nicht mehr zur Kommunion zu gehen. In einer Fernsehsendung verwies er darauf, dass er „das lehrte, was alle Päpste [in Bezug auf den Empfang der heiligen Kommunion], die sich je über Familie äußerten, dazu gesagt hatten, bis hin zu und einschließlich Papst Franziskus“.

Fiktion oder Realität

In der in Frankreich schwelenden Debatte über islamische Gewalt versus von alten weißen Männern ausgeübter Gewalt– Stichworte „Rassismus“ und „Islamophobie“ – ergreift Ivan Rioufoul im Figaro das Wort. So erinnert er an einen 2014 publizierten Film, der die Zwangsehen kleiner Mädchen anprangerte: „Um nicht die maghrebinischen, afrikanischen oder asiatischen Minderheiten zu stigmatisieren, die diesen Brauch praktizieren, wurde die Szene locker in das Universum einer Pariser Familie des katholischen Bürgertums verlegt.“

Kürzlich habe Papst Franziskus diese „Verfahrensweise aufgegriffen. Statt den Fundamentalismus des Koran und dessen Proselytismus zu verurteilen, suchte er die Schuld bei der ,Chanson de Roland‘ [,Rolandslied‘, ein fiktives Versepos über das heldenhafte Ende des Befehlshabers Karls des Großen] aus dem elften Jahrhundert, in der die Christen die besiegten Muslime zwingen, sich zwischen Taufe und Schwert zu entscheiden. ,Seien wir auf der Hut vor unseren fundamentalistischen Gruppen; jede [Religion] hat die ihren‘“, kommentierte Franziskus die Passage aus dem erdichteten Epos und „relativierte damit den islamistischen Fanatismus, der die Christen des Orients und die Juden überall auf der Welt terrorisiert“, wie Ivan Rioufoul folgert.

Sind Ex-Muslime Rechtsextremisten?

Im Figaro reagiert Mathieu Bock-Côté auf ein in der Zeitschrift L'Obs veröffentlichtes Dossier über Ex-Muslime mit dem Titel „#ExMuslims, diese ehemaligen Muslime, die den Islam geißeln“. Mit „mehr oder weniger subtilen Unterstellungen und Vorwürfen, die den Leser beunruhigen sollen, erklärt man, dass diese Männer und Frauen, die den Islam öffentlich – oftmals knallhart – von sich weisen, das Spiel der extremen Rechten spielten“, erläutert Bock-Côté die Vorgehensweise des linksliberalen Magazins. Müsse tatsächlich „die Kritik am Islam an sich automatisch mit der extremen Rechten gleichgestellt werden? Wer Katholizismus, Luthertum, Orthodoxie und Buddhismus von Grund auf kritisiert“, dem werde kein solches „ehrenrührige Etikett“ angeheftet. Die Ex-Muslime mit der extremen Rechten gleichzusetzen, sei nichts anderes als „ein Versuch, eine Islamkritik per se aus der Öffentlichkeit auszuschließen“.

Das Dossier erlaube zudem, „in das geistige Universum des ,linken Journalisten‘ einzutreten. Allzu häufig diskutiert dieser nicht mit denen, die er kritisiert: Er erklärt, weshalb man nicht mit ihnen sprechen darf.“

Was hätten die Ex-Muslime denn tun sollen, fragt Bock-Côté, um eine derartige Diabolisierung zu vermeiden? Sollten sie „den Islam in dem Augenblick verherrlichen, in dem sie sich von ihm lossprechen und sich somit ein letztes Mal einer Vorstellung von Blasphemie unterwerfen, von der sie sich befreien wollen?“

Verängstigte Kinder

Das Politikmagazin L'Express beklagt die Verunsicherung von Kindern durch die Präsentation von Informationen über die Klimaerwärmung. So behandle der Kinderpsychiater Stéphane Clerget immer mehr kleine Patienten, „die von den Risiken der ,Umweltverschmutzung‘, der ,Entwaldung‘, ja sogar der ,Auslöschung des Planeten‘ besessen sind“. Es sei wohlbekannt, so die Autorin des Artikels, Amandine Hirou, „dass Kinder wie Schwämme sind, die die von den Medien, aber auch von den Eltern, der Lehrerin und den großen Geschwistern vermittelten Sorgen aufsaugen“.

Ein Bischof schreibt über den Islam

Es komme selten vor, schreibt Annie Laurent in La Nef, dass ein französischer Bischof sich über den Islam äußere und diesem dann auch ein ganzes Werk widme, das daher die größte Aufmerksamkeit verdiene. Bischof Dominique Rey von Fréjus-Toulon fragt in „L'Islam: Menace ou Défi?“ [„Der Islam: Bedrohung oder Herausforderung?“], wie die Kirche diesem Thema gegenüber gleichgültig sein könne, das zunehmend das aktuelle Zeitgeschehen und die Sorgen der – katholischen oder nicht-katholischen – Franzosen bestimme, die beunruhigt sind über die identitären Aussagen, wie sie sich bei den muslimischen Mitbürgern oder Ausländern zeigten, während der Rückgang der Geburtenrate und die Säkularisierung die Gesellschaft in ihren Grundfesten erschütterten. Die Herausforderung sei daher für den „äußerst scharfsinnigen und durch Erfahrung der Christen des Nahen Ostens geschulten“ Autor „ganz real“, kommentiert Laurent.

Die wachsende Anzahl der Muslime, „die Anziehungskraft des Islam für ,die verwahrlosten Jugendlichen‘, all das müsse dazu führen, dass die Kirche erneut zu einer „initiativen Kraft“ werde. Das zentrale Ziel bestehe zunächst in der „Bekehrung der Getauften“, das heißt, in einer „erneuten persönlichen Aneignung unseres Glaubens“. Deutlich bekräftige Bischof Rey, dass die Kirche angesichts des Islam eine „Pflicht zur Wahrheit“ habe. Sie müsse in ihrer Mitte die Apologetik rehabilitieren, um, wie Rey schreibt, „die Naivität eines jeglicher Substanz entleerten Dialoges“ zu vermeiden. KS

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