Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 4. Juli

In Frankreich sind kritische Stimmen zu Greta Thunberg und einem neuen, grünen Totalitarismus zu vernehmen. In Belgien wird die dunkle Geschichte einer katholischen Zeitschrift aufgerollt.

Das Titelblatt von "Valeurs Actuelles"
Das Titelblatt der aktuellen Ausgabe von "Valeurs Actuelles".

Die „Scharlatane der Ökologie“

Das Titelblatt von "Valeurs Actuelles"
Das Titelblatt der aktuellen Ausgabe von "Valeurs Actuelles".

Das Titelthema von Valeurs Actuelles widmet sich dem „grünen Totalitarismus“ und den „Scharlatanen der Ökologie“. Diese „spielen mit den Ängsten, verbieten die Diskussion und spannen die Jugend für sich ein“. In einem Interview mit der Zeitschrift erkennt der Wirtschaftswissenschaftler Rémy Prud'homme in der „Öko-Hysterie den Spleen verwöhnter Kinder“.

Das Phänomen Greta Thunberg – „eine autistische schwedische Jugendliche, die Unsinn redet“ – hält er für „ein Ereignis, das an unser Mitgefühl appelliert, das aber keinerlei Bedeutung hat. Von Bedeutung sei hingegen „der ungewöhnliche Empfang innerhalb der westlichen Welt, den man der Person Gretas und ihren irrationalen Reden bereitet. Die höchsten staatlichen und religiösen Autoritäten, vom Präsident Frankreichs bis zum Papst, empfangen sie, nehmen sie ernst, hören ihr zu und umschmeicheln sie. Das europäische Parlament ist wohl die einzige Institution“, die ihr eine feierliche Ansprache verweigerte. Mit „ungewohntem Menschenverstand“ habe das Parlament festgestellt, „dass an einem Dienstagmorgen der Platz eines 16-jährigen Mädchens in seiner Schule sei statt auf der Rednerbühne des Parlaments“.

Der Erfolg der „Fridays for future“-Bewegung sage nicht viel über die Jugend, aber besonders viel über die Erwachsenen aus: „Die Kapitulation der moralischen und politischen Autoritäten (von Macron bis zum Papst), die so tun, als ob sie all dieses belanglose Zeug ernst nähmen – und vielleicht nehmen sie es sogar ernst –, und die vor der armen Marionette Greta niederknien: Das ist das Entscheidende.“ Dass ein Teil der Jugend – „die wohlhabende Jugend, applaudiert, wenn man ihr sagt, die Schule zu schwänzen, ist nichts besonders Neues“. Der „ökologische Katastrophismus“, so der emeritierte Pariser Universitätsprofessor weiter, „habe alle Aspekte einer Religion“. In ihm drücke sich eine „Verachtung der Wissenschaft und der Technik“ aus: „Dass die Weigerung, zur Schule zu gehen, (im Westen) gesellschaftlich akzeptiert, gerechtfertigt und gefördert wird, ist vielleicht der bedeutendste Aspekt dieser Sache. Seit jeher wurde die Schule als Symbol des Wissens als Hauptinstrument für die Emanzipation des Individuums und der Gesellschaft betrachtet.“

Seine Antwort auf die Forderungen der Bewegung: „Dass kein Mensch daran denkt, die jungen Leute zum Fliegen im Flugzeug zu zwingen, Fleisch zu essen oder Kinder zu haben. Aber dass es die Freiheit tötet, diese Verhaltensweisen anderen auferlegen zu wollen, eine Sittenpolizei mit Denunzianten, Zensoren und Strafen zu schaffen. Der Gedanke an einen Wohlfahrtsausschuss, der von Fall zu Fall die Erlaubnis ausstellt, das Flugzeug zu nehmen, ist ebenso widerwärtig wie unpraktikabel.“

„Grüner Größenwahn“

Auch der Philosoph Pascal Bruckner warnt in einem Gespräch mit dem Figaro davor, dass „die Ökologie auf einen neuen Totalitarismus hinauslaufen könnte“. Sie habe zwar „unsere Sensibilität gegenüber der Natur und dem Leiden der Tiere wiederbelebt und die Erschöpfung der fossilen Ressourcen vorhergesehen“. Darüber hinaus habe man jedoch eine Apokalypse inszeniert. In Bezug auf die Klimademonstrationen begeistere man sich für die Entschlossenheit und Zielstrebigkeit der jungen Leute, „während diese doch meistens nur Papageien sind, die uns mit Worten mahnen, die man ihnen in den Mund gelegt hat“.

„Klimaskeptiker“ ist Bruckner keineswegs. Er ist indes „skeptisch gegenüber dem grünen Größenwahn“. Denn man müsse nicht, so der Philosoph, „den Planeten retten“. Vielmehr müsse die Beziehung zwischen Mensch und Natur bewahrt werden: „Wir sind nicht imstande, nach Belieben Schnee oder Regen auszulösen oder eine Dürre zu verhindern. Wie sollten wir dann – ohne uns kolossal zu überschätzen – ,den Planeten retten‘ können wollen?“ Erwachsene oder Staatschefs zu sehen, „die die weinerlichen Sermone von Greta Thunberg beklatschen, ist ein trauriger Anblick. In Wirklichkeit applaudieren sie in einer rein narzisstischen Zeremonie sich selbst.“ Für das junge Mädchen selbst befürchtet er „eine schreckliche Zukunft: „Wie wird sie – von den Medien aufgebauscht und sogar für den Nobelpreis vorgeschlagen – mit dem unvermeidlichen Sinken ihrer Popularität umgehen, das auf diese Episode folgen wird?“

Als in den Achtzigern eine katholische Zeitschrift für Pädophilie warb

Das Titelblatt der Zeitschrift "La Nef".
Das Titelblatt der belgischen Zeitschrift "La Nef".

La Nef berichtet über einen beklemmenden Beitrag, der in den achtziger Jahren in einem belgischen katholischen Magazin erschien. In der Ausgabe von „Kerk & Leven“ („Kirche und Leben“), der wichtigsten und von den Bischöfen von Brüssel und Brügge geleiteten katholischen Wochenschrift des niederländischsprachigen Teils von Belgien, wurden am 9. August 1984 die Aktivitäten einer „ökumenischen Arbeitsgruppe zur Pädophilie“ vorgestellt. Diese Gruppe von Katholiken und Protestanten existiere, so hieß es damals, „seit mehreren Jahren“. Sie wolle „die Kirchen für das Phänomen der Pädophilie sensibilisieren, Informationen vermitteln und Vorurteile bekämpfen. Zudem will sie sich über alles informieren, was sich im Bereich der Pädophilie tut.“ Und sie wolle „für die Pädophilen einen Ort der Begegnung schaffen, um den Gedankenaustausch untereinander zu fördern und sich gegenseitig zu ermutigen“. Ferner werde ein Pater an den Aktivitäten der Arbeitsgruppe teilnehmen, hieß es.

Jean Bernard kommentiert für La Nef: Der heutige Leser dieser Ankündigung wird „sprachlos sein und sich fragen, wie es möglich ist, dass ein offizielles Presseorgan der katholischen Kirche Belgiens – das in einer Auflage von mehr als 500.000 Exemplaren erschien – für eine derartige Gruppe Werbung machte“. Dies umso mehr, als in der von der Gruppe an Interessierte verschickten Broschüre stand: „Häufige sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern sind nicht unbedingt schädlich für die Kinder, es gibt sogar sexuelle Beziehungen, die für die Kinder angenehm und wertvoll sind.“.

Die Freundschaft zwischen einem Pädophilen und einem Kind müsse „kein Grund zur Panik sein. Man braucht nicht unbedingt Angst haben. Selbst dann nicht, wenn die Freundschaft von einer sexuellen Beziehung begleitet wird. Haben Sie Vertrauen zu Ihrem Kind.“ Und schließlich: „Viele überzeugte Christen können noch viel von Pädophilen lernen.“ Erst 2010, so schreibt Bernard, habe die belgische Tageszeitung „De Morgen“ eine Untersuchung über „die pädophile Mentalität in der flämischen Kirche“ veröffentlicht, die sich auf die in „Kerk & Leven“ publizierte Annonce stützte. Allerdings, so Bernard, blieb der Skandal aus, und der Pater, der an der Arbeitsgruppe teilnahm, bekleide „noch heute ein hohes Amt in der Diözese Antwerpen“.

DT/KS