Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 28. November 2019

Erschreckende Zahlen - „Überholte“ Darstellung? - Cambridge fügt sich Veganern - Sakrileg - Fragwürdiges Gerichtsurteil

Politique magazine
Politique magazine Foto: IN

Erschreckende Zahlen

Die im französischen Monatsmagazin Politique Magazine genannten Zahlen stimmen nachdenklich. Man wisse zwar nicht genau, wie viele Muslime es in Frankreich tatsächlich gebe. Den niedrigsten Schätzungen zufolge soll es fünf Millionen Muslime geben, in Wirklichkeit liege ihre Anzahl indes – dem ehemaligen Minister für Chancengleichheit Azouz Begag oder der Demographin am Institut national d'études démographiques, Michele Tribalat, zufolge – zwischen 15 und 20 Millionen.

Wenn man bedenke, „dass 25 Prozent dieser Bevölkerung (was vermutlich zu gering geschätzt ist) radikalisiert sind (das ist der im globalen Maßstab angegebene Prozentsatz), sind das immerhin noch zwischen insgesamt 1 250 000 und 5 000 000 Personen, die im Konfrontationsfall bereit sind, zu den Waffen zu greifen, das sind etwa (mindestens) viereinhalb Mal so viele wie der gesamte Personalbestand der aktiven Armee [Frankreichs] beträgt. Wir sprechen hier – das dürfen wir nicht vergessen – von oftmals jungen Männern, die keine Angst vor dem Sterben haben, für die der Tod, im Gegensatz zum durchschnittlichen autochthonen Einwohner, sogar eine Krönung darstellt.“

„Überholte“ Darstellung?

Der Disney-Konzern stellt seinen klassischen Filmen neuerdings eine Warnung voran, wie Olivier Babeau im Figaro bemerkt. Die neue Plattform Disney+ verbreitet diese Botschaft im Vorspann zu ihren ältesten Filmen: „Dieses Programm wird so dargestellt, wie es einst kreiert wurde. Es kann überholte kulturelle Darstellungen enthalten.“

Natürlich könne man darin, so Babeau, eine banale Absicherung der Disney-Rechtsanwälte gegen jegliche Vorwürfe in Bezug auf Rassismus oder Sexismus sehen. Doch die Botschaft sei tatsächlich bedeutungsschwerer: Sie sei ein Symptom dafür, wie schwer wir uns mit der Distanzierung von unseren eigenen kulturellen Kanons täten.

Die Warnung suggeriere, „dass bestimmte Aspekte des Films problematisch seien. Und dass die darüber in Kenntnis gesetzten Eltern hier zweimal hinschauen sollten.“ Doch „das Stigma von heute bereitet das Verbot von morgen vor. Man beginnt damit, Bedenken zu äußern, um schon bald von den nicht konformen Geschichten abzuraten und sie schließlich ganz zu streichen.“

Disneys Vorsichtsmaßnahme sei ein neuer Ausdruck dieser „hypersensiblen Gesellschaft, die unfähig geworden ist, sich einer abweichenden Meinung zu stellen, wie Greg Lukianoff und Jonathan Haidt in ihrem Buch ,The Coddling of the American Mind‘ von 2018 kritisieren. In der amerikanischen Gesellschaft werden die Universitäten in ausgedehnte ,safe spaces‘ umgewandelt, in denen die krankhafte Sensibilität der Studenten vor jeglicher Auseinandersetzung mit Meinungen bewahrt wird, die der Orthodoxie des Augenblicks nicht strikt entsprechen.“ Eine solche Gesellschaft sei unfähig, „klar zu erkennen, dass sie sich in eine ununterbrochene Entwicklung der Sitten und Gebräuche fügt.

Indem sie die früheren Werke und die durch sie transportierten Darstellungen als ,überholt‘ verwirft, stellt sie die derzeitige Moral als eine endgültige Selbstständigkeit dar, als eine Wahrheit, die nach Jahrhunderten des Irrtums endlich entdeckt wurde.“

Cambridge fügt sich Veganern

Die britische Universität Cambridge knickt vor ihren vegetarischen und veganen Studenten ein. Wie die Washington Post berichtet, habe die renommierte Hochschule auf die Bitte einiger Veganer ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert entfernt, auf dem tote Tiere abgebildet waren. Die Studenten argumentierten, dass ihnen das im Speisesaal aufgehängte Kunstwerk den Appetit verderbe. Beim Anblick der Replik des Ölgemäldes „Der Geflügelmarkt“ aus dem Atelier des flämischen Malers Frans Snyders hätten einige Studenten der Elite-Universität Probleme damit gehabt, ihr Essen zu verdauen, während sie unter der barocken Darstellung saßen, auf der ein Wildschwein, ein Hirsch, Hühner im Käfig sowie von Haken herunterhängendes Wildgeflügel zu sehen ist. Das Gemälde war eine Leihgabe des Fritzwilliam-Museums, an das es zurückgegeben wurde.

Sakrileg

Anfang November brachen drei Männer die Portale der Kathedrale von Oloron-Sainte-Marie auf und stahlen mehrere religiöse Kunstwerke. In Homme Nouveau präzisiert Bischof Marc Aillet, der Oberhirte von Bayonne, Lescar und Oloron, die Tatumstände: Wir hätten es hier mit einem „Akt der organisierten Kriminalität“ zu tun, „der von Profis begangen wurde, die die Kathedrale angegriffen haben, wie man eine Bank angreift“. Die Täter hätten mit einem Auto das Eingangsportal gerammt und alles mit dabeigehabt, „um das recht robuste Gitter aufzusägen“. Außer den in einer Vitrine ausgestellten sakralen Gefäßen hätten sie zudem aus dem Sakristeischrank das wertvollste Messgewand gestohlen: ein Pluviale, das Franz I. dem Bischof von Oloron geschenkt hatte. Bischof Aillet bezeichnet den Diebstahl darüber hinaus als „Sakrileg, weil die Diebe sakrale Gegenstände mitgenommen haben, und ich bin besorgt, dass es keinen Unterschied mehr zwischen einer Bank und einer Kathedrale gibt“.

Fragwürdiges Gerichtsurteil

Ein Geschworenengericht in San Francisco hat gegen die beiden Lebensrechtsaktivisten David Daleiden und Sandra Merritt entschieden, wie der National Review mitteilt. Die beiden hatten verdeckt Videoaufnahmen von Mitarbeitern der Abtreibungsindustrie gemacht und veröffentlicht, die Vereinbarungen hinsichtlich der illegalen Nutzung von fetalen Körperteilen abgetriebener Babys besprachen. In einem von Planned Parenthood angestrengten Gerichtsverfahren wurden die Aktivisten nun schuldiggesprochen und zu einer Zahlung von 2,2 Millionen Dollar Schadenersatz an Planned Parenthood verurteilt. Gegen die Entscheidung wollen sie Berufung einlegen. Ihre heimlich aufgenommenen Videos zeigen, wie Spitzenvertreter der Abtreibungsindustrie, darunter Vertreter von Planned Parenthood, illegale Änderungen bei Abtreibungseingriffen einräumen, die dazu dienten, „hochwertigere intakte fetale Körperteile zu erhalten“ – mit anderen Worten: die Organe des Kindes sollten bei der Abtreibung nicht verletzt werden, um sie gewinnbringender verkaufen zu können. Außerdem hätten sie „um Preise gefeilscht“. „In einer besseren Welt“, kommentiert das Magazin, „würden nicht diejenigen bestraft werden, die dieses Unrecht aufgedeckt haben.“ KS

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